Zwei Pflegekräfte und ihre Angst vor dem Piks: "Darum lassen wir uns nicht impfen"

Dresden - Ab 15. März soll bundesweit eine Corona-Impfpflicht für alle Pflege- und Rettungsberufe gelten. Sachsenweit sind von den etwa 250.000 Pflegekräften nur 65 Prozent geimpft. Allen anderen droht damit das Aus in ihrem Beruf. Zwei Betroffene sagen: Kommt die Impfpflicht, verliere ich meinen Job.

Daniel S. ist beliebt, wird als "mitfühlender und ehrlicher" Pfleger beschrieben. Ohne Impfung könnte er seinen Beruf aber nicht weiter ausüben.
Daniel S. ist beliebt, wird als "mitfühlender und ehrlicher" Pfleger beschrieben. Ohne Impfung könnte er seinen Beruf aber nicht weiter ausüben.  © Steffen Füssel

Seit 20 Jahren arbeitet Daniel S. als Altenpfleger. Sich selbst bezeichnet er "nicht als Impfgegner. Ich habe die bisher wichtigsten Impfungen, ich lasse mich täglich testen."

Eine Impfung gegen Corona lehnt er dennoch ab: "Ich habe Angst vor den Nebenwirkungen."

Gegen die Impfpflicht will er klagen: "Ich werde in die Arbeitslosigkeit getrieben, dagegen muss ich mich wehren". In seinem beruflichen Umfeld seien die Ausfälle durch eine Impfpflicht kaum kompensierbar: "Kommt das so, dann brennt es lichterloh."

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Steffi K. (Name geändert) arbeitet seit sechs Jahren in einem Dresdner Klinikum. Auch bei ihr dominiert die Angst vor dem Impfstoff, der zu wenig schütze, zugleich aber gefährlich sei.

Den Druck hinsichtlich der Impfung beschreibt sie als "hoch, meine Chefin wollte von Anfang an wissen, wer bei uns geimpft ist". Die aktuelle Lage in Ihrem beruflichen Umfeld sei "schwierig, es wird gemobbt, ich werde als Querdenkerin und Verschwörungstheoretikerin beschimpft".

Politik ist noch unklar, wie Impfpflicht umgesetzt werden soll

"Ich bin emotional am Boden": Steffi K. kämpft mit Zukunftssorgen.
"Ich bin emotional am Boden": Steffi K. kämpft mit Zukunftssorgen.  © Eric Münch

Aktuell überwiegen Sorgen: "Ich bin emotional am Boden. Ich habe Angst davor, dass die das mit der Impfpflicht durchziehen. Ich komme nach Hause und bin verzweifelt."

Finanziell würden große Einbußen drohen: "Ich habe ein Auto zu finanzieren, unsere Wohnung ist teuer, ich habe Existenzangst und schlafe teilweise schlecht."

Aktuell ist die genaue Umsetzung der Impfpflicht offen. Das Sozialministerium ließ eine Anfrage unbeantwortet. Das Gesundheitsamt teilte lediglich mit: "Gegenwärtig werden die Verfahrensvorschriften zwischen dem Freistaat und den Gesundheitsämtern abgestimmt."

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Die momentane Hoffnung: Laut Gesetz "kann" das Amt die Arbeitsaufnahme untersagen. Eine Petition will ab Montag OB Dirk Hilbert (50, FDP) auffordern, davon keinen Gebrauch zu machen.

Infos: www.dresden/epetition

Die Belastung im Klinikalltag ist hoch. Eine Impfpflicht bringt neue Herausforderungen.
Die Belastung im Klinikalltag ist hoch. Eine Impfpflicht bringt neue Herausforderungen.  © dpa/Sebastian Gollnow

Drei Fragen zur Impfpflicht

Nur wer geimpft ist, soll ab 16. März noch in Pflegeberufen arbeiten dürfen.
Nur wer geimpft ist, soll ab 16. März noch in Pflegeberufen arbeiten dürfen.  © dpa/Frank Hammerschmidt

Wieso drängen Einrichtungen auf die Impfung ihrer Pflegekräfte?

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft und weitere Verbände drängen schon länger auf eine Impfpflicht für Pflegekräfte. Ein Argument der Diakonie: "Pflegende gehen mit besonders gefährdeten Gruppen um. Hier geht es um die Sicherheit besonders schutzbedürftiger Menschen."

Gibt es bereits Impfpflichten für Pflegekräfte?

Ja. Seit März 2020 verpflichtet das deutsche Masernschutzgesetz Beschäftigte in Arztpraxen, Pflegediensten und Kliniken zu einem entsprechenden Impfschutz. In Frankreich gilt bereits seit Mitte September eine Corona-Impfpflicht für Mitarbeiter von Krankenhäusern, Alten- oder Pflegeheimen, Pflegediensten sowie für Mitarbeiter von Rettungsdiensten und Feuerwehr. Eine solche Pflicht gibt es bereits auch in Italien, Großbritannien und Griechenland.

Ist eine Impfpflicht ein "Berufsverbot"?

Kaum. Arbeitgeber können von Mitarbeitern etwa bestimme Qualifikationen oder sonstige (Einstellungs-)Voraussetzungen einfordern, etwa den Besitz einer Fahrerlaubnis. Es obliegt den Beschäftigten, ob sie die erfüllen wollen oder nicht. Die Bundeswehr hat vergangenen November eine "Duldungspflicht" für eine Corona-Impfung ihrer 180.000 beschäftigten Männer und Frauen erlassen. Verweigerern droht in letzter Konsequenz die Entlassung.

Titelfoto: Montage: Eric Münch, dpa/Frank Hammerschmidt, Steffen Füssel

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