Kultusminister will die Grundschulen öffnen: Sachsens Lehrern gehen Pläne nicht weit genug

Dresden - Wollte Sachsen mal wieder Erster sein? Die Öffnungspläne für die sächsischen Grundschulen lösen ein durchaus gemischtes Echo aus.

Kultusminister Christian Piwarz (45, CDU).
Kultusminister Christian Piwarz (45, CDU).  © dpa/Sebastian Kahnert

"Es ist schon erstaunlich, dass der Freistaat wieder einmal vor der Bund-Länder-Runde seinen kompletten Plan festlegt und damit grundlos vorprescht", sagte die Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Uschi Kruse (62), am Mittwoch.

Sie warf der Landesregierung vor, sich "ein Siegertreppchen beim Öffnungswettbewerb" sichern zu wollen, und plädierte für ein bundesweit einheitliches Vorgehen.

Demgegenüber hatte Kultusminister Christian Piwarz (45, CDU) bei der Vorstellung der Pläne am Dienstag betont, das Vorgehen sei durch die Ministerpräsidenten-Konferenz gedeckt.

Auch der Sächsische Lehrerverband (SLV) sieht der Teilöffnung mit gemischten Gefühlen entgegen.

Der sächsische Landesschülerrat (LSR) dagegen begrüßte die Öffnungspläne.

Aus Sicht des Landeselternrats ist bei der Schulöffnung kein Gesamtkonzept erkennbar.
Aus Sicht des Landeselternrats ist bei der Schulöffnung kein Gesamtkonzept erkennbar.  © dpa/Sebastian Kahnert

Laut Kultusministerium soll es bis nächste Woche klare Hygieneregeln geben

Gewerkschafts-Chefin Uschi Kruse (63).
Gewerkschafts-Chefin Uschi Kruse (63).  © Thomas Türpe

"Es ist sinnvoll, dass die Jüngsten zuerst zurückkommen. Je jünger die Schüler sind, desto schwieriger ist Home-Schooling", sagte die LSR-Vorsitzende Joanna Kesika (19) auf TAG24-Anfrage.

Sie warnte davor, weiterführende Schulen bei den Öffnungsplänen zu vernachlässigen.

Ein Gesamtkonzept, um bestmögliche Bildung und Infektionsschutz zu kombinieren, vermisst der Landeselternrat (LER).

"Zwar wird es in den Grundschulen das Prinzip der festen Klassen geben, allerdings werden diese Gruppen im ÖPNV, im Hort, durch Geschwisterkinder wieder neu zusammengebracht", erklärte LER-Vize Nadine Eichhorn.

Laut Ankündigung des Kultusministeriums soll es bis nächste Woche klare Hygieneregeln geben.

Der endgültige Beschluss über die Öffnung soll am Freitag fallen.

Sachsens Kitas öffnen ab Montag wieder

"Landesschülerrätin" Joanna Kesicka (19).
"Landesschülerrätin" Joanna Kesicka (19).  © Norbert Neumann

Raus aus der Notbetreuung: Auch wenn ab Montag Sachsens Kitas wieder öffnen, wird die Betreuung noch weit weg vom Regelbetrieb laufen. Einschränkungen sind fast unvermeidlich.

So sieht der Plan von Kultusminister Christian Piwarz (45, CDU) aus: Immer dieselben Kinder bleiben in festen Gruppen zusammen, werden vom selben Personal betreut und kommen nicht in Kontakt mit anderen Kita-Gruppen - Gruppengröße je nach Bedarf.

Vorteil: Im Infektionsfall muss nicht die ganze Kita dichtmachen.

Das hat aber auch Nachteile: Erzieherinnen können nicht einfach die Gruppe wechseln, wenn die Kollegin oder der Kollege krank wird.

Mindest zwei Tests pro Woche für Kita-Mitarbeiter

Engpass: Früh- und Spätbetreuung wird nicht in allen Kitas funktionieren.
Engpass: Früh- und Spätbetreuung wird nicht in allen Kitas funktionieren.  © dpa/Christian Charisius

"In den Kitas kann es deshalb zu Einschränkungen der Betreuungszeiten kommen. Das ist unvermeidlich", warnt Michael Richter (43) vom "Paritätischen Wohlfahrtsverband Sachsen".

In welchen Größenordnungen, das sei nicht abzuschätzen.

Minister Piwarz geht davon aus, dass es insbesondere bei Früh- und Spätbetreuung schwierig werden kann.

Und noch etwas macht Michael Richter Sorgen: Corona-Tests für das Personal.

Zwei Tests pro Woche sollten es mindestens sein.

"Sobald einfache Testmöglichkeiten vorhanden sind, sollten die anfallenden Kosten unkompliziert über die Sachkosten abrechenbar sein."

Titelfoto: dpa/Sebastian Kahnert

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