Lärm-Streit um Louisengarten eskaliert: Wie laut darf die Neustadt sein?

Dresden - Der Streit um amtlich verkürzte Öffnungszeiten wegen zweier Anwohnerbeschwerden im Neustädter Louisengarten könnte für alle Beteiligten langwierig werden: Ortsbegehung, Lautstärkegutachten, womöglich der Gang vors Verwaltungsgericht. 

Winterhütt'n-Chef Josef Dölle (37, li.) und Wirt Tom Knappe (52): Beide bangen um den Louisengarten. Bleibt's bei den neu verordneten Öffnungszeiten, muss der beliebte Biergarten schließen.
Winterhütt'n-Chef Josef Dölle (37, li.) und Wirt Tom Knappe (52): Beide bangen um den Louisengarten. Bleibt's bei den neu verordneten Öffnungszeiten, muss der beliebte Biergarten schließen.  © Thomas Türpe

Betreiber Tom Knappe (52) und sein Anwalt sowie Vertreter aus den politischen Reihen sehen nicht nur den beliebten Biergarten in Gefahr.

"Wenn der Beschluss der Stadt vor dem Gericht Bestand haben sollte, dann war es das für die Neustadt, wie wir sie alle kennen", sagt Knappe. 

Täglich um 22 Uhr muss der Wirt jetzt die Lichter ausmachen, Gäste auf die Straße setzen. 

"Genau dann, wenn es hier erst richtig losgeht mit Publikumsverkehr. Ob die Leute nun am Assi-Eck sitzen oder in unserem Biergarten - es ist nun mal laut in der Neustadt." Für Baurechtsanwalt Matthias Hennig (46) geht es hier um eine essentielle Frage: 

"Ist die Neustadt nun ein reines Wohn- oder ein Mischgebiet? Das gilt es nun von Stadt und notfalls auch Gericht zu klären", so der Jurist. 

"Es ist eine Einzelfallentscheidung, die gesondert bewertet werden muss." In einem Mischgebiet würden großzügigere Lärm- und Ruhezeiten gelten. "Wir haben gegen den Bescheid des Amtes Widerspruch eingelegt."

Wie das am Ende ausgehen wird, darüber wagt Jurist Hennig keine Prognose. "Fakt ist aber: Wenn die Behörde damit durchkommt, wird die Neustadt nicht mehr die Neustadt sein." Knappe kündigte bereits an, den Louisengarten schließen zu müssen, sollte es bei der Öffnungszeitenregelung bleiben.

Die ach so laute Neustadt

Ein Kommentar von TAG24-Redakteurin Caroline Staude

Ruhezeiten sind des Deutschen höchstes Gut - per se völlig in Ordnung. Aber ab wann ist es vertretbar, das Wohl eines Einzelnen über das der Anderen zu stellen?

Dieser Frage müssen sich derzeit die Stadt und auch das Team des Neustädter Louisengartens annehmen. Weil es nach mehr als 25 Jahren zwei Anwohnerbeschwerden über zu viel Lärm im Biergarten gab, reagierte das Amt und kürzte die Öffnungszeiten.Für den Betreiber und die Gäste nicht nachvollziehbar.

Denn während gegen 22 Uhr die Neustadt und mit ihr vor allem Louisenstraße und das Assi-Eck gerade mit dem Nachtleben beginnen, muss der Louisengarten schließen. Überall tobt dann die Party, es ist laut, besonders an lauen Sommerabenden.

Nicht immer ein Spaß für Anwohner.Aber um Himmels Willen, es ist nicht das beschauliche Bühlau und auch nicht die ehrwürdige Altstadt - es ist und bleibt die Neustadt! Wer dort wohnt oder hinzieht, weiß, worauf er sich einlässt. Das Szeneviertel ist Aushängeschild für Dresden - weit über die Stadtgrenzen hinaus - abseits von Hochkultur und Barockarchitektur.Dem Betreiber bleibt nun vermutlich nur der Gang vors Gericht.

Wenn das den städtischen Bescheid bestätigt, könnten bald noch mehr Einschränkungen für weitere Neustadt-Kneipen folgen. Dann ist die Neustadt zukünftig nur ein weiterer Beleg dafür, wie wichtig doch die allgemeinen Ruhezeiten sind - selbst in einem Party-Viertel.

Titelfoto: Thomas Türpe

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