13. Februar in Dresden: Demonstrationen und stilles Gedenken

Dresden - Keine Blockaden, kein Naziaufmarsch: Rund 500 Neonazis, die das Gedenken an die Bombardierung Dresdens für ihre Zwecke nutzen wollten, mussten sich wegen der Pandemie von vornherein mit einer Standkundgebung zufrieden geben. Ohne Protest und Probleme lief der Tag aber auch so für sie nicht ab.

Noch vor Eröffnung der Kundgebung rastete Reza Begi (49) aus.
Noch vor Eröffnung der Kundgebung rastete Reza Begi (49) aus.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Ab 13.30 Uhr wollte der Dresdner NPD-Chef Maik Müller (38) seine Anhänger vor der Tabledance-Bar "Angels" haben.

Doch es sollte bis 15 Uhr dauern, bevor die Kundgebung beginnen konnte. Immer wieder lehnte die Polizei Ordner ab, dann hielten sich die Neonazis nicht an die vorgeschriebenen Mindestabstände.

Offenbar zu lang für den Holocaust-Leugner Reza Begi (49), der plötzlich auf die Gegenkundgebung zurannte und diese wild gestikulierend anbrüllte.

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Die Polizei schaffte es, ihn wieder zu beruhigen. Auf der Kundgebung selbst mussten die Neonazis bis auf einen Spanier auf internationale Redner verzichten.

Stattdessen sprachen neben Müller unter anderem das Urgestein der Szene Edda Schmidt (72), der Dortmunder Stadtrat Matthias Deyda (28, Rechte) und der Chef der radikalen Splitterpartei "Der III. Weg", Klaus Armstoff (63).

Die Partei selbst war mit einer auffallend großen Gruppe vor Ort.

Weiße Rosen am Altmarkt, virtuelle Menschenkette auf dem Neumarkt

Landtagspräsident Matthias Rößler (66, CDU, v.l.), Oberbürgermeister Dirk Hilbert (49, FDP) und Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU) legten weiße Rosen am Altmarkt ab.
Landtagspräsident Matthias Rößler (66, CDU, v.l.), Oberbürgermeister Dirk Hilbert (49, FDP) und Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU) legten weiße Rosen am Altmarkt ab.  © Thomas Türpe

Bislang scheute sie eher die Kooperation mit "Die Rechte" und NPD. Anderthalb Stunden später war die Kundgebung, die von lautstarkem Protest begleitet wurde, auch wieder vorbei.

Dabei blieb es größtenteils friedlich, die Bundespolizei meldet als einzige Straftat ein gefälschtes Attest auf der Anreise. Außerdem zeigte ein Demo-Teilnehmer den verbotenen Kühnen-Gruß beim Heimweg.

Das offizielle Gedenken musste wegen der Pandemie größtenteils ins Netz verlegt werden. Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU), Oberbürgermeister Dirk Hilbert (49, FDP) und Landtagspräsident Matthias Rößler (66, CDU) legten weiße Rosen am Altmarkt ab.

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Anschließend wurden kurze Reden gehalten, die ins Netz übertragen wurden: "Dresden mit seinen Rüstungsbetrieben und seinen Verkehrsanlagen war Teil einer Maschinerie, die von deutschem Boden aus einen mörderischen Krieg anzettelte", mahnte der Oberbürgermeister.

"Genau dieser Krieg wütete schließlich auch in unserer Stadt." Nach den Reden wurden Porträts von Dresdnern an die Fassaden der Altstadt projiziert - als Ersatz für die pandemiebedingt ausfallende Menschenkette.

Update, 22.32 Uhr: Polizei bezeichnet Einsatz als "ruhig und störungsfrei"

Nach dem Ende der Kundgebungen zieht die Polizei ein Fazit. Sie bezeichnet das Geschehen rund um den 13. Februar als "sehr ruhig und störungsfrei". Es gab nur einzelne Verstöße gegen die Corona-Regeln.

Bereits seit dem frühen Morgen waren die Beamten im Einsatz. Bei den einzelnen Veranstaltungen auf Friedhöfen gab es keine Probleme. Am Nachmittag kam es zu zwei großen Kundgebungen mit mehreren hundert Teilnehmern am Hauptbahnhof. Auch diese endeten gegen 16.30 Uhr störungsfrei. Die Abend-Veranstaltungen nahmen gegen 22 Uhr ein friedliches Ende.

Auch in Pirna hatten die Beamten Anlaufpunkte des rechten Spektrums im Blick. Dabei stellten sie mehrere Personen in einem Haus an der Hauptstraße fest. Es kam zu mehreren Anzeigen aufgrund des Verstoßes gegen die Sächsische Corona-Schutz-Verordnung.

In Dresden wurden drei Ordnungswidrigkeitenanzeigen eingeleitet. Rund 1400 Polizeibeamte waren den Tag über im Einsatz.

Update, 22.24 Uhr: Versammlung offiziell beendet

Die Veranstaltung auf dem Altmarkt wurde beendet. Unter lautem Schimpfen haben sich die Teilnehmer entfernt.

Update, 21.19 Uhr: Start der AfD-Kundgebung stark verzögert

Wie die Polizei schrieb, hielten sich die Teilnehmer der AfD-Kundgebung nicht an die vorgeschriebenen Mindestabstände. Daher verzögerte sich der Beginn der Versammlung.

AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla (45) und Jörg Urban (57), Landesvorsitzender der AfD Sachsen traten unter lautem Protest auf.

Update, 19.47 Uhr: AfD-Kundgebung auf dem Altmarkt

Gegen 19.30 begann auf dem Altmarkt eine Kundgebung von AfD-Anhängern. Die Polizei ist vor Ort.

Update, 19.10 Uhr: Gedenkkonzert der Dresdner Philharmonie

Die Musiker der Philharmonie spielen zum Gedenken. Der Livestream aus dem Kulturpalast kann auf dresdnerphilharmonie.de gesehen werden.

Update, 18.40 Uhr: Polizei zieht Bilanz zum Demonstrationsgeschehen - 194 Platzverweise

Am Abend zog die Polizei ein erstes Resümee zu dem heutigen Einsatz. Demzufolge sollen rund 500 Rechtsextreme vor Ort gewesen sein.

Die Beamten stellten eine Straftat fest. Eine Person hatte ein gefälschtes Attest zur Befreiung vom Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung vorgezeigt.

16 Personen wurden zu den Infektionsschutzmaßnahmen belehrt. Es wurden 50 Identitätsfeststellungen durchgeführt und 194 Platzverweise ausgesprochen.

Knapp 400 Einsatzkräfte aus ganz Deutschland waren im Einsatz gewesen.

Update, 18.31 Uhr: Kretschmer spricht zu Deutschlands Nazi-Vergangenheit

Deutschland hat sich nach Aussage von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) seiner Nazi-Vergangenheit gestellt.

"Wir haben schonungslos aufgearbeitet und Konsequenzen gezogen aus dem, was in der Zeit des Nationalsozialismus an Verbrechen begangen wurde und welche Schuld wir Deutschen daran haben", sagte er am Samstag bei seiner Rede vor der Frauenkirche. Zuvor hatte OB Hilbert gesprochen.

Update, 18 Uhr: Oberbürgermeister Dirk Hilbert warnt vor Gleichgültigkeit

Nach der Niederlegung der weißen Rosen hält Oberbürgermeister Dirk Hilbert eine Rede vor der Frauenkirche. Er erinnert dabei auch an die Ursachen des Krieges.

"Dresden war mit seinen Rüstungsbetrieben und seinen Verkehrsanlagen Teil der Maschinerie, die von deutschem Boden aus einen mörderischen Krieg anzettelte", so Hilbert.

Genau dieser Krieg habe schließlich auch in Dresden gewütet, erinnerte der Politiker und mahnte: "Nie wieder dürfen uns unsere Mitmenschen gleichgültig sein!"

Update, 17.32 Uhr: MP Kretschmer und OB Hilbert legen weiße Rosen am Altmarkt nieder

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU), Oberbürgermeister Dirk Hilbert (49, CDU) und Landtagspräsident Matthias Rößler (66, CDU) legen am Altmarkt weiße Rosen zum Gedenken der Bombenopfer nieder.

Update, 17 Uhr: Auch Gegenprotest zu Ende

Wie die Polizei bekannt gab, wurde auch der Gegenprotest am Hauptbahnhof aufgelöst. Die Teilnehmer des rechten Spektrums reisen ab.

Die Straßensperrung rund um den Hauptbahnhof wird bald aufgehoben.

Gegen 17.30 Uhr wird eine offizielle Gedenkstunde mit Ministerpräsident Kretschmer auf dem Altmarkt erwartet.

Titelfoto: Bildmontage: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa & Thomas Türpe

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