400 Kerzen vor dem Landtag in Dresden: Der Wolf wird für Landwirte zum Riesen-Problem!

Von Jörg Schurig und Eric Ranninger

Dresden - Vor mehr als 20 Jahren kehrte der Wolf nach Deutschland zurück - zuerst nach Sachsen. Seitdem sich der Bestand stark erhöht hat, sind Wölfe ein Dauerthema im Freistaat und auch in der Politik.

Landwirte verschaffen sich vor dem Landtag in Dresden Gehör.
Landwirte verschaffen sich vor dem Landtag in Dresden Gehör.  © Roland Halkasch

Der Wolf in Sachsen wird erneut zum Thema für den Landtag.

Doch auch vor dem Landtag tat sich bereits am Mittwochabend etwas.

Landwirte demonstrierten gegen den einseitigen Tierschutz zugunsten des Wolfes.

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Hintergrund sind immer wiederkehrende Attacken des Wolfes auf Schafe, Ziegen und andere Tiere. Entsprechend fordern sie: Mehr Kontrolle sowie Regulierung des Wolfsbestandes.

Die Gefahren für die Nutztiere seien dabei unverhältnismäßig größer als der Schutz für die Wölfe. Diese konnten sich bislang ungehindert vermehren.

"Wir werden vor dem Landtag in Dresden demonstrieren, weil uns der Wolf nicht mehr ruhig schlafen lässt", so der Bischofswerdaer Landwirt Mike Krause gegenüber der Aktion des Vereins "Land schafft Verbindung".

Ab Mittwochabend ab 21 Uhr hielten die Bauern eine stille Mahnwache ab. Um auf die Nutztiere aufmerksam zu machen, welche im letzten Jahr gerissen wurden, wurden über 400 Kerzen entzündet.

Am Donnerstag will sich der Ausschuss für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft in einer öffentlichen Anhörung mit mehreren Anträgen von Fraktionen zum Thema Wolf befassen.

So spricht sich die AfD unter anderem für eine Bestandsregulierung aus.

Die AfD fordert ein "wildökologisches Raumkonzept"

400 Kerzen wurden vor dem Dresdner Landtag aufgestellt.
400 Kerzen wurden vor dem Dresdner Landtag aufgestellt.  © Tino Plunert

"Der Wolf ist weder in Europa, in Deutschland, noch in Sachsen vom Aussterben bedroht. Das Wolfsvorkommen steigt stark an", begründete die AfD-Fraktion ihr Ansinnen. Allerdings gebe es in Deutschland kein Management, das eine Regulierung der Bestände ermöglicht, hieß es.

Die AfD fordert die Regierung des Freistaates deshalb auf, in Absprache mit anderen Bundesländern kurzfristig ein "wildökologisches Raumkonzept" für den Wolf zu erarbeiten.

Es soll Zielvereinbarungen zu Bestandsgrößen, -dichten und Verbreitungsschwerpunkten enthalten. Nach dem Willen der AfD soll es eine Obergrenze für Wolfsvorkommen in Deutschland und eine selektive Bejagung geben, wie das seit längerem in Ländern wie Schweden oder Finnland gängige Praxis sei.

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In einem anderen Antrag schlägt die AfD-Fraktion ein grenzüberschreitendes Wolfsmonitoring mit Polen vor.

Koalition zwigespalten: "Die Bestandsentwicklung der Wölfe in ist ein Erfolg des Artenschutzes, aber auch eine große Herausforderung"

Am Donnerstag wird im Landtag diskutiert. Die Meinung der Landwirte wurde bereits davor klar.
Am Donnerstag wird im Landtag diskutiert. Die Meinung der Landwirte wurde bereits davor klar.  © Tino Plunert

Die Koalition von CDU, Grünen und SPD spricht sich in ihrem Antrag für ein stärkeres Wolfsmanagement in Sachsen aus.

Zugleich wollen die Koalitionäre erreichen, dass Halter von Weidetieren wie Schafe und Ziegen bei der Anschaffung von Schutzzäunen und anderem Material und zum Ausgleich täglicher Mehraufwendungen auch über die aktuelle Förderperiode hinaus unterstützt werden.

"Die bislang positive Bestandsentwicklung der Wölfe in Deutschland ist ein Erfolg des Artenschutzes, aber auch eine große Herausforderung für Nutztierhalterinnen und -halter", heißt es bei der Koalition.

Nach Angaben der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf gibt es in Sachsen aktuell 25 Rudel, in denen eine Reproduktion nachgewiesen ist. Insgesamt wurden 78 Welpen gezählt. Drei sächsische Rudel überschreiten die Grenzen des Bundeslandes.

In ganz Deutschland gibt es momentan nachweislich 113 Rudel, ein Paar und neun Einzeltiere. Die meisten Rudel haben Brandenburg und Niedersachsen (je 32).

Titelfoto: Tino Plunert

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