Besetztes Haus in Dresden geräumt: Aktivisten drohen mit weiteren Protest-Aktionen!

Dresden - Die Hausbesetzung an der Schanzenstraße im Hechtviertel hält weiter an. Am Montagnachmittag versuchte Stadtbezirksamtsleiter André Barth (54) die Jugendgruppe vor Ort zur Aufgabe zu bewegen - vergeblich. Bereits am Dienstagmorgen reagierte deshalb die Dresdner Polizei auf die gescheiterte Verhandlung.

Stadtbezirksamtsleiter André Barth (54) nach seinem Vermittlungsversuch an der Schanzenstraße.
Stadtbezirksamtsleiter André Barth (54) nach seinem Vermittlungsversuch an der Schanzenstraße.  © Steffen Füssel

Seit Samstagnachmittag halten junge Aktivisten der Gruppe "Leerstandsbewohner*innen" das leer stehende Mehrfamilienhaus besetzt. "Ich habe sie gebeten, das Haus zu räumen", so Amtsleiter Barth.

"Auch habe ich Gespräche an meinem Tisch und im Stadtbezirksbeirat angeboten, wo sie ihre Ideen vorstellen können." Was die jüngst vermehrt auftretenden Hausbesetzungen im Szeneviertel angeht, sagte Barth:

"Die Neustadt ist seit jeher aktiv und hat sich in Stadtpolitik eingemischt. Das ist auch gut so, nur die Mittel sollten legal sein."

Nach dem Vermittlungsgespräch teilten die Aktivisten mit, dass sie das Haus nicht freiwillig verlassen wollen. Den von Barth vorgeschlagenen politischen Weg zu gehen, dauere zu lange und bewirke zu wenig.

Nun rechnen die Aktivisten mit einer Räumung. "Wir werden uns sicher nicht militant wehren, aber auch nicht einfach so räumen lassen", so ein Bündnis-Sprecher. "Unsere Eltern stehen hinter uns, verstehen unser Anliegen, sind teilweise ja selbst betroffen."

Die Polizei will sich nicht in die Karten gucken lassen. "Wir stehen in Kontakt mit dem Hauseigentümer und dem Rathaus, um eine Lösung zu finden", sagte Sprecher Marko Laske (46) am Abend.

Update, 9.10 Uhr: Polizei bereitet Räumung vor

Die Polizei bei ihrem Gespräch mit den Besetzern am Dienstagmorgen.
Die Polizei bei ihrem Gespräch mit den Besetzern am Dienstagmorgen.  © privat

Wie die Polizei am heutigen Dienstagmorgen mitteilte, ist der Leiter des zuständigen Polizeireviers gemeinsam mit einem Kommunikationsteam vor Ort, um "mit den Menschen im Haus ins Gespräch zu kommen".

Den Beamten gehe darum, die Besetzer zu einem freiwilligen Verlassen des Gebäudes zu bewegen.

"Sollten sie dieser Aufforderung nicht nachkommen, werden Einsatzkräfte mit der Räumung beginnen", erklärte ein Polizeisprecher.

Der Einsatz mit insgesamt 128 Beamten läuft zur Stunde an. Aufgrund der Maßnahmen kann es zu Verkehrsbehinderungen im Hechtviertel kommen, gab die Polizei bekannt.

Update, 9.20 Uhr: Polizei beginnt mit Räumung

In voller Montur wollen Einsatzkräfte die Besetzer aus dem Haus holen.
In voller Montur wollen Einsatzkräfte die Besetzer aus dem Haus holen.  © privat

Nach den neuerlich gescheiterten Verhandlungen am Dienstagmorgen räumten die Beamten zuerst eine Sitzblockade von etwa 40 Bewohnern und Unterstützern vor dem Haus. Nachdem diese nicht auf die ausgesprochenen Platzverweise reagierten, wurden sie vom Gehweg und dem Eingang des Hauses weggetragen.

Anschließend entfernten die Polizisten Barrikaden, die die Bewohner an Fenstern und Türen anbrachten. So verschafften sie sich über den Hofzugang, aber auch mittels Leitern über die Fenster in den oberen Etagen, Zutritt zu dem eigentlich leerstehenden Haus.

Wie die Besetzer auf Twitter mitteilten, begann die Polizei rasch mit ihrer Räumungs-Aktion.

Die Polizei verließ das Haus zügig wieder ohne Besetzer. Was war los?
Die Polizei verließ das Haus zügig wieder ohne Besetzer. Was war los?  © privat

Update, 9.35 Uhr: Haus schnell geräumt

Wie die Bewohner auf Twitter mitteilten, konnten die Beamten das Haus nicht räumen, da es bereits geräumt war. Alle Bewohner zogen bereits aus.

Polizeisprecher Marko Laske bestätigt dies auf Anfrage von TAG24: "Im Haus befanden sich keine Personen."

"Keine Personen im Haus": Polizeisprecher Marko Laske am Hofeingang.
"Keine Personen im Haus": Polizeisprecher Marko Laske am Hofeingang.  © privat

Update, 10 Uhr: Stadtreinigung beräumt den Gehweg

Die Stadtreinigung hat auf der Schanzenstraße am heutigen Dienstag alle Hände voll zu tun.
Die Stadtreinigung hat auf der Schanzenstraße am heutigen Dienstag alle Hände voll zu tun.  © privat

Nach nur kurzer Zeit rückte eine Mannschaft der Stadtreinigung Dresden an und beräumte das Areal weiter. Unrat und selbst gebaute Möbel der Besetzer fliegen nun in den Sperrmüll.

Die Besetzer, die vor Ort sind, durften ihre persönlichen Dinge vorher an sich nehmen. 

Zumindest ein Teil der kurzzeitigen Bewohner des Hauses schaute sich das Vorgehen der Beamten vom gegenüberliegenden Pauli Park an. Hin und wieder stimmten die Besetzer Sprechchöre an. 

"Die Räumung verlief friedlich, es gab keine Verletzten", teilte die Polizei abschließend mit.

Die Beamten wollen nun solange vor Ort bleiben, bis das Haus gesichert wurde. Der Eigentümer wurde bereits über die aktuellen Entwicklungen informiert.

Aktivisten verfolgen die Durchsuchung von einem besetzten Haus.
Aktivisten verfolgen die Durchsuchung von einem besetzten Haus.  © dpa/Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild

Update, 11 Uhr: Besetzer schätzen Räumung anders ein, drohen mit weiteren Enteignungen

"Während der Räumung sammelten sich zahlreiche Supporter*innen vor dem Haus und versuchten durch Blockaden eine Räumung zu verhindern", erklärten die Besetzer am Dienstagvormittag. 

"Nach dem Umgehen der Barrikaden auf der Straße vor dem besetzten Haus wurde die Sitzblockade von Supporter*innen und Besetzer*innen vor dem Eingang des Grundstücks geräumt, dabei kam es zu Schlägen durch die Polizei", fuhren die Jugendlichen fort. 

Demnach sei die Räumung, anders als von der Polizei geschildert, nicht friedlich verlaufen.

Polizisten und Aktivisten stehen während einer Durchsuchung eines besetzten Hauses im Pauli Park.
Polizisten und Aktivisten stehen während einer Durchsuchung eines besetzten Hauses im Pauli Park.  © dpa/Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild

Die Besetzer wollten mit ihrer Aktion auf stetig steigende Mieten und die Schwierigkeiten des Wohnungsmarktes für Minderheiten wie etwa Lesben oder Trans-Personen aufmerksam machen.

"Die Räumung des Besetzungsprojektes 'Schanzi', das auf diese Probleme aufmerksam machen soll, macht uns wütend. Solange die Polizei im Sinne des Kapitals handelt und Projekte für mehr Wohnraum unterdrückt, werden wir auf die Straßen gehen und die Häuser enteignen!", drohen die Jugendlichen mit weiteren Besetzungen.

Titelfoto: privat

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