Anstieg um Hunderte Tiere: Im Lockdown ist Dresden auf den Hund gekommen

Dresden - Kaum soziale Kontakte, teilweise harte Ausgangssperren: Die Corona-Lockdowns haben Spuren hinterlassen. Ein eigenes Haustier rückte in den Fokus. Vor allem Hunde als beste Freunde des Menschen waren ein prima Grund, immer an die frische Luft zu dürfen. Jetzt gibt es belastbare Zahlen, wie sich dieser Corona-Boom in Dresden ausgewirkt hat.

Maxi (34) genießt die Zeit mit ihren beiden Hunden Caspar (Mischling, 2 Jahre, r.) und Cleo (Boxer, 3 Jahre). In der Friedrichstadt (immer bezogen auf die Postleitzahlengebiet) sind besonders viele neue Hunde dazu gekommen.
Maxi (34) genießt die Zeit mit ihren beiden Hunden Caspar (Mischling, 2 Jahre, r.) und Cleo (Boxer, 3 Jahre). In der Friedrichstadt (immer bezogen auf die Postleitzahlengebiet) sind besonders viele neue Hunde dazu gekommen.  © Steffen Füssel

Im Rathaus waren zum letzten Stichtag vor der Pandemie 14.149 Hunde registriert. Ein Jahr später, nach dem Abklingen der ersten Welle, waren gut 500 Tiere hinzugekommen.

Bis Ende Mai 2021 stieg die Zahl auf 15.431 Vierbeiner (+ 1282). Im Steuer- und Stadtkassenamt stiegen die Einnahmen aus der Hundesteuer im gleichen Zeitraum von 1,45 Millionen auf jetzt 1,60 Millionen Euro. Für den ersten Hund werden dabei 108 Euro jährlich, für den zweiten 144 Euro fällig.

Bezogen auf Stadtteile ist vor allem die Friedrichstadt (+155) und die Südvorstadt (+139) auf den Hund gekommen. Hier gab es die prozentual stärksten Zuwächse.

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Auch in der Neustadt gibt es deutlich mehr Hunde. Im Bereich Innere und Äußere Neustadt lebten 2019 "nur" 1036 Hunde. Aktuell sind es 1258 (+222) Tiere. Das ergab eine Anfrage von SPD-Rat Vincent Drews (33).

Was die Besitzer freut, führt jedoch auch zu Konflikten mit anderen Bewohnern. Vor allem im Alaunpark, in dem Leinenpflicht gilt, wird der Ruf nach eigenen Bereichen für die Vierbeiner laut. Im Blick haben Herrchen und Frauchen vor allem die geplante Westerweiterung des Parks. Mehrere Petitionen forderten einen "Hundefreiraum". Die Stadt hat für diese Fläche jedoch andere Pläne. Sportler sollen dort zum Zug kommen.

Hunde als Thema sind dennoch in der Politik angekommen. "Wir brauchen mehr Grünflächen speziell für Hunde, abgetrennte Bereiche verhindern Nutzungskonflikte. Wir schauen, ob dieses Thema in eine Ratsinitiative mündet", sagt SPD-Rat Drews.

Andrea (74) führt den Golden Retriever Tony (3) ihrer Tochter aus.
Andrea (74) führt den Golden Retriever Tony (3) ihrer Tochter aus.  © Steffen Füssel
Der Golden Retriever Cora genießt die Zeit im Alaunpark. Immer wieder wird hier über spezielle Bereiche nur für Hunde diskutiert.
Der Golden Retriever Cora genießt die Zeit im Alaunpark. Immer wieder wird hier über spezielle Bereiche nur für Hunde diskutiert.  © Steffen Füssel
Stadtrat Vincent Drews (SPD, 33)
Stadtrat Vincent Drews (SPD, 33)  © Ove Landgraf

Endstation Tierheim: Hier landen lästig gewordene Lockdown-Tröster

Viele Tierheime sind aufgrund der "Lockdown-Hunde" voll ausgelastet, wie auch das Tierheim Freital.
Viele Tierheime sind aufgrund der "Lockdown-Hunde" voll ausgelastet, wie auch das Tierheim Freital.  © Ronald Bonss

Das hat der beste Freund des Menschen nicht verdient: Viele der im Lockdown angeschafften Hunde landen jetzt im Tierheim.

In Dresden und Umgebung hat es das Tierheim Freital am schlimmsten erwischt. Täglich wollen Hundebesitzer dort ihre Begleiter loswerden.

"Seit vier Wochen nehmen die Anfragen extrem zu", sagt Regina Barthel-Marr, Vorstandsvorsitzende des Tierheims Freital. Das Heim könnte täglich weitere Hunde aufnehmen - wenn es nur genügend Platz hätte. "Wir sind fast voll ausgelastet."

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Regina Barthel-Marr führt die Rückgabe-Welle nicht nur darauf zurück, dass viele die wiedergewonnenen Freiheiten ohne Rücksicht auf ein Haustier genießen wollen. "Die meisten Leute, die sich im Lockdown einen Hund anschafften, haben ihm nicht das Nötigste beigebracht", sagt sie.

So hätten viele der Tiere nicht gelernt, allein zu sein. Wenn Herrchen und Frauchen wieder mehr außer Haus sind, würde mancher Vierbeiner aus Einsamkeit die Wohnung auf den Kopf stellen.

Manche der "Lockdown-Hunde", die im Tierheim ankommen, zeigen Spuren der Vernachlässigung. So wie Schäferhund Bonzo, der sich offenbar weder frei bewegen, noch Gassi gehen durfte. "Bonzo kennt die Außenreize nicht", sagt Vorstandsvorsitzende Barthel-Marr. Jetzt müssen die Tierpfleger den Schäferhund erst mal an die Außenwelt gewöhnen.

Regina Barthel-Marr vom Tierheim Freital mit Schafpudel Dusty (7, l.) und Stafford-Mischling Stella (4).
Regina Barthel-Marr vom Tierheim Freital mit Schafpudel Dusty (7, l.) und Stafford-Mischling Stella (4).  © Ronald Bonss
Der Stafford-Mischling Stella (4) wurde Ende 2020 im Tierheim Freital abgegeben.
Der Stafford-Mischling Stella (4) wurde Ende 2020 im Tierheim Freital abgegeben.  © Ronald Bonss

Im Tierheim Dresden ist dieser traurige Trend noch nicht angekommen. Die stellvertretende Leiterin Kathrin Meuschke (50) vermutet, dass in der Großstadt bevorzugt kleinere Hunde gekauft wurden. Die könnten leicht über Annoncen neue Besitzer finden. "Die großen Hunde kommen eher ins Tierheim, weil sie nicht verkauft werden können."

Titelfoto: Steffen Füssel

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