Das waren noch Zeiten! Aller vier Jahre ein Länderspiel in Dresden

Dresden - Kaum zu glauben, aber zu DDR-Zeiten war Dresden in schöner Regelmäßigkeit Gastgeber von teils hochkarätigen Länderspielen. Die Nationalelf konnte an der Elbe große Erfolge feiern. Heute geht es mit dem zweiten Teil unserer Sommerserie auf fußballerische Zeitreise.

Erstes Heimspiel der neuen DDR-Auswahl 1953. Die Premiere gegen Bulgarien endet im Dresdner Heinz-Steyer-Stadion torlos. Für die Gastgeber dennoch ein Erfolg.
Erstes Heimspiel der neuen DDR-Auswahl 1953. Die Premiere gegen Bulgarien endet im Dresdner Heinz-Steyer-Stadion torlos. Für die Gastgeber dennoch ein Erfolg.  © Repro Ove Landgraf / Dresdner Fußballmuseum

Im Oktober 1992 stieg in Dresden das letzte offizielle Spiel der DFB-Auswahl. Seitdem sind mittlerweile fast 30 Jahre vergangen.

Doch drei Jahrzehnte ohne Länderspiel - das hat es früher nicht gegeben. Im Gegenteil: In regelmäßigen Abständen war die Metropole an der Elbe Gastgeber für andere Nationen. In 40 Jahren DDR gab es genau zehn Länderspiele in Dresden. Also wenn man so will, im Schnitt aller vier Jahre.

Das erste Spiel war allerdings ein inoffizielles, ein Freundschaftskick gegen die damalige SG Friedrichstadt.

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Mit dieser Begegnung wurde am Silvesterabend 1949 die provisorische Flutlichtanlage im Heinz-Steyer-Stadion eingeweiht. Trainer der DDR-Auswahl war übrigens ein gewisser Helmut Schön, der ein halbes Jahr darauf in den Westen ging und 1974 Weltmeister wurde ...

Dresden war nicht nur oft Länderspiel-Kulisse, sondern auch Ort einiger Premieren.

Für die junge Mannschaft war die Nullnummer gegen Bulgarien ein Teilerfolg.
Für die junge Mannschaft war die Nullnummer gegen Bulgarien ein Teilerfolg.  © Repro Ove Landgraf / Dresdner Fußballmuseum

Unvergessen das 2:1 gegen starke Waliser 1969

Gegen die starken Waliser gelang der Nationalelf 1969 ein überraschender 2:1-Erfolg im WM-Qualifikationsspiel.
Gegen die starken Waliser gelang der Nationalelf 1969 ein überraschender 2:1-Erfolg im WM-Qualifikationsspiel.  © Repro Ove Landgraf / Dresdner Fußballmuseum

Herausragend dabei sicher das erste offizielle Heimspiel einer Auswahl am 14. Juni 1953 beim 0:0 gegen Bulgarien.

Nach zwei Niederlagen im Jahr zuvor war es sozusagen der erste Teilerfolg der jungen Mannschaft.

Am 1. Mai 1959 erlebte das Heinz-Steyer-Stadion das erste Länderspiel gegen die großen Ungarn, die 29 Jahre zuvor an gleicher Stelle beim 3:5 grandios untergegangen waren, diesmal aber 1:0 siegten.

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Das 3:2 gegen die Rumänen im Oktober 1962 durch Tore von Günther Wirth, Günter Schröter und Rainer Nachtigall bedeutete den ersten Dresdner Sieg der Nationalelf.

Unvergessen das starke 2:1 gegen Wales im April 1969, als sich die Mannschaft nach dem Sieg im Qualifikationsspiel noch Hoffnung auf eine WM-Teilnahme in Mexiko machen durfte.

"Co-Trainer der DDR war seinerzeit übrigens Werner Wolf, gebürtig in Niedersedlitz", weiß Jens Genschmar (52) vom Dresdner Fußballmuseum.

Letzte Länderspiel in Dresden war das 1:1 gegen Finnland

Jens Genschmar (52) von Dresdner Fußballmuseum zeigt den Zinnpokal, den Co-Trainer Werner Wolf von den Gästen aus Wales erhalten hatte.
Jens Genschmar (52) von Dresdner Fußballmuseum zeigt den Zinnpokal, den Co-Trainer Werner Wolf von den Gästen aus Wales erhalten hatte.  © Ove Landgraf

Überragend auch der 1:0-Erfolg gegen die Niederlande am 11. November 1970.

Durch das sensationelle Tor von Peter Ducke startete die Mannschaft von Trainer Georg Buschner perfekt in die EM-Qualifikation, führte zeitweise die Tabelle an.

Erst die Jugoslawen konnten sie später stoppen. Genschmar: "Das Spiel gegen die Holländer war das erste Länderspiel im Rudolf-Harbig-Stadion nach dem Krieg."

Dresden galt als wohliges Pflaster für die besten Fußballer des Ostens. 1972 gegen Finnland (5:0), 1974 gegen die Tschechoslowakei (1:0), 1976 gegen die Türkei (1:1) und 1983 gegen Griechenland (2:1) blieb man unbezwungen.

"Allerdings sollte das Spiel gegen die Griechen das vorerst letzte in Dresden sein", weiß Experte Genschmar.

"Im Tor stand Bodo Rudwaleit und im Stadion herrschte nach den ersten Meisterjahren der Berliner Dynamos so eine Anti-BFC-Stimmung. Das legten die Funktionäre so aus, als ob die Dresdner Zuschauer die Gästemannschaft unterstützt hätten."

So dauerte es bis zum 22. März 1989, als die Finnen zum letzten Dresden-Länderspiel (1:1) im Dynamo-Stadion aufdribbelten. Wenig später änderten sich die politischen Verhältnisse. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte ...

Titelfoto: Repro Ove Landgraf / Dresdner Fußballmuseum

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