Denkmal oder nicht? Gutachter-Streit tobt am Goldenen Reiter

Dresden - Eine städtebauliche Fehlentwicklung aus dunkler DDR-Zeit? Oder so wichtig für eine ganze Epoche, dass der Platz unter Denkmalschutz gehört? Der Kampf um die Deutungshoheit für das Areal rund um den Goldenen Reiter wird heftiger. Ein aktuelles Gutachten versagt dem Platz jegliche Bedeutung.

Der Neustädter Markt: eine aus der Not geborene Lösung - oder reif für den Denkmalschutz?
Der Neustädter Markt: eine aus der Not geborene Lösung - oder reif für den Denkmalschutz?  © Steffen Füssel

Gleich drei hoch dekorierte Wissenschaftler, darunter der ehemalige oberste Denkmalschützer im Freistaat, Professor Heinrich Magirius (76), zerpflücken in einem Gutachten die Denkmal-Eigenschaften des Platzes. Die Gesellschaft Historischer Neumarkt hatte die Wissenschaftler um ihre Expertise gebeten.

Demnach erscheint der Neustädter Markt "bei sorgfältiger und nüchterner Betrachtung als eine aus der Not geborene Lösung" und als "Ausdruck einer autogerechten Stadtplanung", welcher auf das "Raumempfinden von Menschen keine Rücksicht" nehme.

Die Folge: "Angesichts der immensen Mängel können wir im Neustädter Markt keinen denkmalpflegerischen Wert erkennen. Hinzu kommt die geradezu abschreckende Auswirkung auf die Elbansicht."

Verfasste als einer von drei Gutachtern ein vernichtendes Urteil: Professor Heinrich Magirius (Mitte,76), ehemals Sachsens oberster Denkmalschützer.
Verfasste als einer von drei Gutachtern ein vernichtendes Urteil: Professor Heinrich Magirius (Mitte,76), ehemals Sachsens oberster Denkmalschützer.  © Petra Hornig

Mathias Körner kämpft für mehr Denkmalschutz

Mathias Körner (42) kämpft für eine denkmalgeschützte "Ostmoderne":
Mathias Körner (42) kämpft für eine denkmalgeschützte "Ostmoderne":  © Petra Hornig

Hintergrund des Gutachtens: Aktuell startet die "heiße Phase" einer geplanten Bebauung. Der Stadtrat hat dabei den Markt selbst ausgeklammert.

Zudem prüft das Landesamt für Denkmalschutz eine Unterschutzstellung großer Teile des Platzes. Dies würde die Überlegungen der Neumarkt-Gesellschaft zur Zukunft des Marktes torpedieren.

"Ich bin über Methoden und Wege der Gesellschaft überrascht und enttäuscht. Es gibt demokratische Beschlüsse zur Entwicklung es Platzes, eine starke Bürgerinitiative und einen regen Austausch der Anwohner. Dort kann sich die Gesellschaft gern einbringen", so Mathias Körner (42).

Körner kämpft seit Jahren für mehr Denkmalschutz der Ost-Baukunst.

Titelfoto: Steffen Füssel/Petra Hornig

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