Dresden gedenkt der Opfer vom "Judenlager Hellerberg"

Dresden - Vor 77 Jahren (27. Januar 1945) wurde das Konzentrationslager Auschwitz von der Roten Armee befreit. Hierhin waren die auch die Juden des Dresdner Lagers Hellerberg knapp zwei Jahre zuvor deportiert worden. Nur zehn von ihnen überlebten. Am Mittwoch legten die Bürgermeisterinnen Eva Jähnigen (56, Grüne, Umwelt) und Annekatrin Klepsch (44, Linke, Kultur) auf dem Areal des ehemaligen Lagers Blumen nieder.

Eva Jähnigen (56,l.) und Annekatrin Klepsch (44) legten auf dem Areal des ehemaligen Lagers Hellerberg Blumen nieder.
Eva Jähnigen (56,l.) und Annekatrin Klepsch (44) legten auf dem Areal des ehemaligen Lagers Hellerberg Blumen nieder.  © Thomas Türpe

"Der Hellerberg ist ein authentischer Ort, den es in den nächsten Jahren als Gedenkort weiterzuentwickeln gilt", so Annekatrin Klepsch, die Versuche der Leugnung in der Gegenwart verurteilte.

Das "Judenlager Hellerberg" diente ab Ende November 1942 zur Internierung der letzten noch in Dresden verbliebenen Juden, die im Goehle-Werk der Zeiss Ikon AG Zwangsarbeit leisten mussten.

Am 27. Februar 1943 wurde Hellerberg zum „Polizeihaftlager“ erklärt, weitere Juden aus anderen Städten hierher gebracht.

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Am 3. März 1943 wurden die Gefangenen, darunter 293 Dresdner Juden, von hier aus nach Auschwitz deportiert.

Das Lager bestand weiter: Von Mai 1943 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde es unter dem Namen "Lager Kiesgrube" als Entbindungslager für Kinder von Ostarbeiterinnen weitergenutzt. Mehr als 200 Kleinkinder verstarben hier.

Lange war das Judenlager Hellerberge aus dem öffentlichen Gedächtnis der Stadt verschwunden. Mitte der 1990er änderte sich das, als der Film eines ehemaligen Zeiss-Mitarbeiters über den Einzug der Juden ins Lager veröffentlicht wurde.

Titelfoto: Thomas Türpe

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