Stadt heute wieder dicht? Bauern protestieren mit Traktoren gegen neue Verordnung

Dresden - Am heutigen Montagnachmittag demonstrieren sächsische Bauern wieder in der Dresdner Innenstadt. Grund ist die neue Düngeverordnung, die beschlossen wurde, obwohl die Landwirte Kritik äußerten. Dieser verleihen sie nun erneut Ausdruck, und deshalb ist die City am Nachmittag dicht.

Zuletzt machten Tausende Landwirte Anfang März in Dresden ihrem Unmut Luft.
Zuletzt machten Tausende Landwirte Anfang März in Dresden ihrem Unmut Luft.  © Steffen Füssel

Sachsens Bauern sind wieder in Aufruhr. Demonstrierten sie im Januar und März noch dafür, die neue Düngeverordnung gar nicht erst einzuführen, geht es am heutigen Montag darum, die neuen Regeln abzuschwächen.

Denn: Die "roten Gebiete", in denen zukünftig nicht mehr gedüngt werden darf, weil zu viel Nitrat im Boden festgestellt wurde, sind nach Ansicht des sächsischen Landesbauernverbands zu weitläufig. Betroffen seien insgesamt reichlich 170.000 von 900.000 Hektar, also fast ein Fünftel der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Sachsen.

Ein Gutachten der Bauern bewies jedoch im Frühjahr, dass lediglich sieben der insgesamt 173 untersuchten Messstellen des Freistaates "geeignet" wären, um die Verordnung tatsächlich anzuwenden. 127 seien hingegen "ungeeignet" und 18 weitere nur "eingeschränkt geeignet".

Die "roten Gebiete" sollen deshalb nach Auffassung der Bauern um 80 Prozent reduziert werden.

Ministerium arbeitete bereits an der Verbesserung der Messstellen

Wolfram Günther (47, Bündnis90/Die Grünen), Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft.
Wolfram Günther (47, Bündnis90/Die Grünen), Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft.  © Norbert Neumann

Umweltminister Wolfram Günther (47, Bündnis90/Die Grünen) erklärte dem Verband, dass die einbezogenen Messstellen bereits reduziert wurden und jede fünfte noch zu qualifizieren und weiterzuentwickeln sei.

Welche "roten Gebiete" jetzt aber noch gelten und welche nicht, das weiß der Landesbauernverband nicht. Und das, obwohl die Verordnung ab 1. Januar gilt!

"Die bisherige Hinhalte- und Abwehrtaktik seitens der Verantwortlichen bei der Neuausweisung der 'roten Gebiete' ist für uns weder akzeptabel noch länger hinnehmbar", erklärte Sachsens Bauernpräsident Torsten Krawczyk (45).

Der Protest am Montagnachmittag mit Traktoren in der Dresdner Innenstadt sei deshalb notwendig, "um den Druck auf die zuständige Behörde im Interesse der Existenz und künftigen Wettbewerbsfähigkeit unserer sächsischen Landwirtschaft weiter zu erhöhen".

Hier wird's am Montagnachmittag eng

Torsten Krawczyk (45), Präsident des sächsischen Landesbauernverbands.
Torsten Krawczyk (45), Präsident des sächsischen Landesbauernverbands.  © Norbert Neumann

"Ab etwa 15 Uhr ist mit vielen Traktoren aus allen Richtungen zu rechnen, die ins Stadtzentrum fahren und hier verschiedene Brücken- und Straßenabschnitte ganz oder teilweise besetzen", erklärte die Stadtverwaltung.

Zu Staus kann es voraussichtlich auf der Marienbrücke sowie auf der Großen Meißner Straße und der Köpckestraße kommen, da Traktoren auf jeweils einem Fahrstreifen parken werden und dadurch nur die zweite Spur befahrbar ist. Die Wigardstraße soll sogar voll gesperrt werden.

"Allen betroffenen Verkehrsteilnehmern wird geraten, an diesem Tag die genannten Straßenzüge weiträumig zu umfahren und mehr Zeit einzuplanen", so ein Stadtsprecher.

Gute Nachrichten: Auf der Flügelwegbrücke, dem Blauen Wunder und der Waldschlößchenbrücke dürfen die Treckerfahrer nicht parken.

Titelfoto: Steffen Füssel

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