"Herz statt Hetze": Hunderte zeigten Pegida die kalte Schulter

Dresden - Das war wohl der ungewöhnlichste Pegida-Jahrestag seit Gründung der Bewegung vor sechs Jahren: Zum ersten Mal fand er ohne Pegida statt, denn Chef Lutz Bachmann (47) hatte die eigene Kundgebung abgeblasen. Trotzdem fanden Gegenaktionen statt, aber auch diese wegen in der Corona-Krise in einer Ausnahmesituation.

Pegida-Gegendemonstranten auf der Kesselsdorfer Straße.
Pegida-Gegendemonstranten auf der Kesselsdorfer Straße.  © Steffen Füssel

Gleich drei Bündnisse riefen am Sonntag zur Demo: "Herz statt Hetze" zu Kundgebungen auf dem Neumarkt, der Cockerwiese und vor dem Landgericht. 

Der Zusammenschluss aus FDP, CDU und Sächsischer Bibliotheksgesellschaft "Demokratie braucht Rückgrat" mobilisierte auf den Altmarkt. Außerdem gab es noch eine Fahrraddemo der "Antifaschistischen Initiative Löbtau".

Letztere startete 12 Uhr, passierte mehrere Burschenschaftshäuser, endete bei auf dem Neumarkt. Vor dem Landgericht trafen sich rund 50 Pegida-Gegner, hier trat unter anderem Linken-Chefin Katja Kipping (42) auf. 

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert sprach am Sonntag gleich auf zwei Bühnen: Zuerst stellte er sich den Fragen von "Fridays for future" auf dem Neumarkt vor rund 700 Zuhörern, dann ging es weiter auf dem Altmarkt. 

"Manche Sachen, wie die Demonstrationsfreiheit, die fordern eine Gesellschaft ganz schön heraus", so der OB. "Dass man Sachen, auch in seiner eigenen Stadt ertragen muss, wo wir sagen: 'Damit kann man ich mich nicht im geringsten identifizieren und das auch meiner Sicht heraus tolerieren.'" 

Ex-Bundesinnenminister de Maizière gesteht Fehler um Umgang mit Pegida ein

Der ehemalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (66, grüne Maske) sprach auf dem Altmarkt.
Der ehemalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (66, grüne Maske) sprach auf dem Altmarkt.  © Petra Hornig

Auch der ehemalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (66, CDU) sprach dort: "Dresden gehört nicht Pegida", sagte er und gestand es auch als Fehler ein, die Bewegung erst ignoriert und dann überschätzt zu haben.

Auf der Cockerwiese sammelten sich mehrere Hundert Pegida-Gegner, tanzten dort unter Mund-Nasenschutz zu Bässen von den Wägen der "Tolerade". Diese hatte wegen Corona ihren geplanten Zug abgesagt.

Pegida-Boss Bachmann hatte zuvor Gegendemos angekündigt, tauchte dann aber lediglich in Begleitung von Wolfgang Taufkirch am Rande der Kundgebungen auf. 

Alles blieb friedlich, an die vorgeschriebenen Abstände und Masken hielten sich die meisten Teilnehmer, von denen es insgesamt jedoch deutlich weniger als in den letzten Jahren gab.

Titelfoto: Steffen Füssel

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