Kassen klingeln diesen Advent nur werktags: Handel vermisst das Sonntagsshopping schmerzlich

Dresden - Kein Striezelmarkt, kein volles Einkaufswochenende: Die Pandemie-Verschärfungen bedeuteten auch das Aus für die verkaufsoffenen Sonntage. Der Handel gibt einen Einblick in die Misere, Kirche und Gewerkschaft verweisen indes auf Tradition.

So gut besucht könnte auch ein Sonntag im KaufPark Dresden-Nickern aussehen.
So gut besucht könnte auch ein Sonntag im KaufPark Dresden-Nickern aussehen.  © Norbert Neumann

"Die Absage schmerzt sehr. Gerade in der aktuellen Situation, in der viele Einzelhandelsunternehmen mit stark rückläufiger Laufkundschaft - in den Innenstädten bis zu 50 Prozent - und zum Teil drastischen Umsatzausfällen zu kämpfen haben, wären zwei bis drei zusätzliche Umsatztage von großer Bedeutung gewesen", so René Glaser (45), Chef des Handelsverbands Sachsen (HVS).

Gordon Knabe (45), Centermanager des Elbeparks (Peschelstraße 33), verweist auf die Zukunft: "Wir müssen eine Verwahrlosung der Innenstädte verhindern. Was ist, wenn mal eine ordentliche Rezession kommt?"

Seine "Shopping-Mall" hat wegen Corona derzeit zehn Prozent weniger Kunden.

Die ausgefallenen Verkaufs-Sonntage sorgen im Elbepark insgesamt für ein Wegbleiben von rund 60.000 Menschen.

Kennt die Lage und will rechtlich eindeutige Verbindlichkeiten: Handelsverband-Geschäftsführer René Glaser (45).
Kennt die Lage und will rechtlich eindeutige Verbindlichkeiten: Handelsverband-Geschäftsführer René Glaser (45).  © Holm Helis
Sorgt sich nicht nur um die Zukunft seiner Einkaufsmeile: Elbepark-Centermanager Gordon Knabe (45).
Sorgt sich nicht nur um die Zukunft seiner Einkaufsmeile: Elbepark-Centermanager Gordon Knabe (45).  © Holm Helis

Widerstand gegen verkaufsoffene Sonntagen

Ein Händler-Hauptargument: Am Sonntag sollen auch Menschen einkaufen können, die es sonst nicht schaffen. "Auch mit den verkürzten Öffnungszeiten eines Sonntags erreicht man die Frequenz eines Wochentags. Familien nutzen diesen Tag sehr gerne für gemeinsame Kaufentscheidungen", schildert Heiner Hutmacher, Leiter der "HBB Centermanagement Verwaltungs-GmbH". Die Hamburger Firma betreibt den KaufPark Dresden-Nickern (Dohnaer Straße 246).

Gefordert wird Verbindlichkeit. HVS-Chef Glaser: "Die Erhöhung der gesetzlich festgelegkten Anzahl der verkaufsoffenen Sonntage steht nicht zur Diskussion. Unser Ziel ist es, deren rechtssichere Durchführung zu erreichen."

Dagegen gibt es Widerstand. "Für uns ist der Sonntag ein von Gott vorgegebener Tag der Ruhe. Deshalb zählt der Sonntagsschutz zum Selbstverständnis christlicher Kirchen. Darüber hinaus sehen wir den Sonntag als freien Tag auch für die ganze Gesellschaft als notwendig und wichtig an - gerade in Zeiten hoher Arbeitsbelastung", sagt Tabea Köbsch (44), Sprecherin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche.

Wenn schon Sonntagsöffnungen, dann nur zur unmittelbaren Fest-Unterstützung, fordert Gewerkschafter Jörg Lauenroth-Mago (64).
Wenn schon Sonntagsöffnungen, dann nur zur unmittelbaren Fest-Unterstützung, fordert Gewerkschafter Jörg Lauenroth-Mago (64).  © Hendrik Schmidt/dpa

Jörg Lauenroth-Mago (64), ver.di-Landesfachbereichsleiter für Handel, stimmt zu.

"Der Sonntag ist ein allgemein schützenswertes Kulturgut. Sonntagsöffnungen sollen Feste - wie Weihnachtsmärkte - unterstützen. Aber nicht innenstadtfernen Einkaufscentern Wettbewerbsvorteile verschaffen."

Titelfoto: Norbert Neumann

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