Abgestorbene Bäume in Dresden: Das Rathaus ist Schuld an meinem Sturm-Schaden

Dresden - 119 km/h! Mit dieser Geschwindigkeit ist Sturm Hendrik am Donnerstag über Dresden hinweggefegt. Dieser Gewalt konnten zahlreiche Bäume im Stadtgebiet nicht standhalten. Sie stürzten in Oberleitungen, auf Straßen und demolierten zahlreiche Autos. Auch den Hyundai Santa Fe von Sandra Schöne (44) auf der Hubertusstraße (Trachenberge) hat ein Baum erwischt. Weil die Linde schon länger krank gewesen sein soll, ist sie nun sauer auf die Stadt.

Sandra Schöne (44) ärgert sich, dass die Stadt den kranken Baum nicht schon längst gefällt hat.
Sandra Schöne (44) ärgert sich, dass die Stadt den kranken Baum nicht schon längst gefällt hat.  © Eric Münch

Die hätte ihrer Meinung nach nämlich vom schlechten Zustand wissen müssen.

"Es war der einzige Baum in der Straße, der das ganze Jahr keine Blätter getragen hat", sagt sie. Während im Sommer die anderen Bäume durch die Stadt gegossen worden seien, sei dieser ausgelassen worden. Im Sommer seien auch die Hecken unter dem Baum durch Mitarbeiter der Stadt gepflegt worden.

"Ich weiß nicht, ob der Baum begutachtet wurde. Dass kein Laub dran war und etwas nicht stimmte, sah aber auch ein Laie", so Sandra Schöne. Ob das Rathaus vom Zustand des Baumes wusste, ist unklar.

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Eine entsprechende TAG24-Anfrage blieb zunächst unbeantwortet.

Als der Baum noch am Donnerstag von ihrem Auto geholt, zersägt und abtransportiert wurde, habe man gesehen, dass der Stamm in der Mitte braun und verfault gewesen sei, erzählt Sandra Schöne.

Während alle anderen Bäume noch stehen, ist der einzige, der schon das ganze Jahr keine Blätter hatte, beim Sturm umgefallen.
Während alle anderen Bäume noch stehen, ist der einzige, der schon das ganze Jahr keine Blätter hatte, beim Sturm umgefallen.  © Eric Münch

Kommen Stadt oder Versicherung für den Schaden auf?

Damit Passanten bis zum Eintreffen der Feuerwehr nicht immer wieder den Notruf wählen, klebte Sandra Schöne einen Zettel an ihr Auto.
Damit Passanten bis zum Eintreffen der Feuerwehr nicht immer wieder den Notruf wählen, klebte Sandra Schöne einen Zettel an ihr Auto.  © Tino Plunert

"Ich habe am Donnerstag sofort das Grünflächenamt angerufen und die Sache geschildert. Die haben mich ans Rechtsamt verwiesen. Die habe ich angeschrieben und Fotos geschickt", sagt sie.

Sie hofft nun, dass die Stadt oder ihre Versicherung für den Schaden aufkommt. Das Schicksal ihres Hyundai, den sie trotz 14 Jahren auf dem Buckel gern weitergefahren hätte, ist unabhängig davon wohl besiegelt.

"Ich denke, es wird ein Totalschaden", sagt Schöne.

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Die Versicherung habe sich zumindest um einen Ersatzwagen gekümmert. Der wird auch dringend gebraucht: "Wir bauen gerade ein Haus und brauchen ein Auto, um Dinge zu transportieren."

Weil auch das Dach getroffen wurde, ist der Hyundai wohl ein Totalschaden.
Weil auch das Dach getroffen wurde, ist der Hyundai wohl ein Totalschaden.  © Eric Münch

So geschwächt sind Dresdens Bäume

An vielen Stellen in der Stadt stehen solche abgestorbenen Bäume.
An vielen Stellen in der Stadt stehen solche abgestorbenen Bäume.  © Steffen Füssel

Hitze, Trockenheit und der Borkenkäfer machen Dresdens Bäumen seit Jahren schwer zu schaffen.

Die Folge: Jedes Jahr müssen Hunderte von ihnen gefällt werden. So musste in den vergangenen beiden Jahren allein im Waldpark Blasewitz bei etwa 1 200 Bäumen die Kettensäge angesetzt werden.

Sind die Bäume geschwächt, haben sie Stürmen wie Hendrik nämlich kaum etwas entgegenzusetzen.

Titelfoto: Eric Münch

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