Irre! Über 1000 Biker rollen durch Dresden: Das sind ihre Forderungen

Dresden - So ein bisschen Regen macht richtigen Bikern doch nichts aus. Und so kamen am Sonntag trotz Schauerwetters mehr als 1100 mit ihren Maschinen nach Dresden, um gegen die geplante Einschränkung ihres Hobbys durch Fahrverbote und Streckensperrungen zu protestieren.

Klaus-Dieter Lindeck (66), vom Harley Chapter Dresden, organisierte die Demo mit.
Klaus-Dieter Lindeck (66), vom Harley Chapter Dresden, organisierte die Demo mit.  © Holm Helis

Mit dabei war fast alles, was zwei Räder und einen Motor hat. Vom Roller über 125er Leichtkrafträder bis hin zu 200-PS-Supersportlern und dicken Harleys reihte sich Fahrzeug an Fahrzeug am Messering auf, bevor es als rollende Demo durch die Stadt ging.

Dort wurden ihnen von den Passanten nicht nur unzählige Handys entgegengestreckt, sondern auch viele erhobene Daumen und winkende Hände.

Ganz so freundlich ist die Politik den Bikern derzeit nicht gesinnt. Weil diese zu viel Lärm verursachen, sollen sie ihre Motorräder an Sonn- und Feiertagen stehen lassen.

Für die Biker ist das Diskriminierung. "Wir arbeiten hart und können nur am Wochenende unserem Hobby nachgehen", sagte Bikerpastor Roberto Jahn vom Verein Christliche Biker Sachsen.

Ein Verbot würde zudem gegen den Gleichheitsgrundsatz im Grundgesetz verstoßen. 

Demo-Mitorganisator Klaus-Dieter Lindeck (66) vom Harley Chapter Dresden ergänzt: "Es gibt Gesetze zur Lautstärke und der Geschwindigkeit, die müssen nur angewendet werden."

So könnten die schwarzen Schafe rausgezogen werden, die illegal an ihren Maschinen geschraubt haben und damit alle anderen in Verruf bringen. "Ich vergleiche das mit dem K-Block bei Dynamo. Da stehen auch 10.000 Leute und darunter sind 50 Arschlöcher."

Die rollende Biker-Demo gegen drohendes Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen fuhr auch am Terassenufer entlang.
Die rollende Biker-Demo gegen drohendes Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen fuhr auch am Terassenufer entlang.  © Holm Helis

Es müsse gleiches Recht für alle gelten, hört man immer wieder von den Bikern, mit denen man spricht. Und nicht nur von denen. Auch Quad- und ATV-Fahrer haben sich mit ihren vierrädrigen Gefährten in den Korso eingereiht, obwohl sie von den geplanten Verboten nicht betroffen wären.

"Wir wollen die Biker unterstützen und unsere Solidarität zeigen", sagt Frank Domschke (52) von den Quad & ATV Freunden Dresden.

Für eine Bikerin endete die Demo-Fahrt auf der Bautzener Landstraße. Der Fahrerin rutschte beim Abbiegen auf den nassen Schienen weg - Klinik.

So geht's nicht - Pro-Kommentar zur Rechtslage der Biker

Über 1100 Biker fuhren durch Dresden. Die Tour wurde von der Polizei begleitet.
Über 1100 Biker fuhren durch Dresden. Die Tour wurde von der Polizei begleitet.  © Holm Helis

Eigentlich ist es ganz einfach: Es gibt Gesetze - und wer sich nicht daran hält, dem droht eine Strafe. Bei Bikern soll dieser Grundsatz offenbar abgeschafft werden.

Denn wenn die Pläne des Bundesrats umgesetzt werden, werden auch diejenigen bestraft, die mit einem vollkommen legalen Motorrad und zulässiger Geschwindigkeit unterwegs sind.

Das geht nicht. Weil an der Bergstraße in Dresden viele Autofahrer geblitzt werden, kommt ja auch niemand auf die Idee, die Straße für alle Autos über 100 PS zu sperren. Denn das wäre reine Willkür. Und genauso ist es bei den Verboten, wie sie in Teilen Österreichs schon umgesetzt werden.

Wenn Motorräder leiser werden sollen, muss die Politik bei den Herstellern ansetzen und ihnen technisch erreichbare Vorgaben machen.

Auch bei den Testverfahren sollte nachgebessert und Schlupflöcher gestopft werden. Das würde zwar dauern, aber zu einem Ziel führen, mit dem alle Seiten gut leben können.

Schutz vor Lärm - Kontra-Kommentar von Gerhard Jakob

Freiheit ist ein Schlüsselbegriff für Biker. Die Freiheit etwa, überall hinknattern zu können, wo es einem gefällt. Dumm nur, dass das zuweilen mit recht viel Lärm verbunden ist. Und da beginnt der Konflikt. 

Menschen haben nämlich nicht nur das Recht auf freie Bewegung, sondern auch das Recht auf Schutz vor Lärmbelästigung. Anwohner etwa an beliebten Biker-Pisten, oder Menschen, die in der Natur Erholung suchen, sind röhrenden Motorradgruppen bislang hilflos ausgeliefert. Hier sollte der Staat schützend und mit Maß eingreifen. Strengere Dezibel-Grenzen oder Biker-Verbote auf besonders sensiblen Strecken sind da durchaus Möglichkeiten. Und sie stellen beileibe keine unbilligen Härten da. 

Verkehrsbeschränkungen zum Lärmschutz gibt es ja längst. Tempo-Regelungen etwa, aber auch Fahrverbote auf bestimmten Strecken - bislang vor allem für Laster. Wieso sollte es so etwas nicht auch für Motorräder geben?

Titelfoto: Holm Helis

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