Nach Corona-Tod eines Studenten: Testen im Wettlauf gegen ein mörderisches Virus

Dresden - Großeinsatz in Dresden-Strehlen: Seit Donnerstagabend sitzen mehr als 100 Studenten in ihrem Wohnheim fest.

Hinter dem Wohnheim wurden die Studenten etagenweise getestet.
Hinter dem Wohnheim wurden die Studenten etagenweise getestet.  © Ove Landgraf

Grund ist der Tod eines indischen Kommilitonen (†30). Da dieser keinerlei bekannte Vorerkrankungen hatte, wird befürchtet, dass er der sogenannten Delta-Variante zum Opfer gefallen ist, die zuletzt in Indien so viele Opfer forderte.

Joggen ging noch, Radfahrern nicht mehr: "Ich wollte noch schnell an die Elbe", so eine junge Studentin. "Da sagte mir die Polizei, dass ich das Gebäude nicht mehr verlassen darf, sonst gäbe es eine Anzeige."

Am Abend bekamen die Studenten dann eine Mail: Eine Person sei innerhalb kürzester Zeit an Corona gestorben, mit hoher Wahrscheinlichkeit sei von einer Mutation auszugehen. Seit dem gestrigen Freitag wird massiv getestet, bis Dienstag müssen alle in Quarantäne bleiben.

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Konkreter wurde das Gesundheitsamt am Freitag: "Der Verstorbene reiste in der letzten Aprilwoche aus Bangalore nach Deutschland ein", so Frank Bauer (32), Chef des Gesundheitsamts. "Vor Einreise machte er einen negativen Test."

Einkäufe sollen im großen Stil organisiert werden

Gesundheitsamts-Chef Frank Bauer (32) erklärte gestern die Wohnheim-Abrieglung.
Gesundheitsamts-Chef Frank Bauer (32) erklärte gestern die Wohnheim-Abrieglung.  © Ronald Bonss

Wie vorgeschrieben, blieb der Student bis zum 9. Mai in Quarantäne. Ab da bewegte er sich allerdings wieder frei durch Dresden: Am 25. Mai kam er dann plötzlich mit schweren Symptomen ins Krankenhaus, verstarb am Dienstag.

"Er hatte in dem Wohnheim in einer Wohngemeinschaft gelebt, zwischenzeitlich zu mehreren Personen Kontakt gehabt", so Bauer. "Dass es sich um eine Variante des Coronavirus handelt, ist noch nicht bestätigt." Die Untersuchung läuft noch.

Währenddessen werden alle Bewohner des Heims einem PCR-Test unterzogen, bei allen Positivtests wird untersucht, ob es sich um die sogenannte Delta-Variante handelt.

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Bis 17 Uhr hatte das Gesundheitsamt mithilfe der DKMS und Feuerwehr bereits rund 170 Personen getestet, geht von maximal 200 Personen im Gebäude aus. Allerdings sind auch einige Ausflügler donnerstags nicht zurückgekehrt, als sie von der Abrieglung erfahren haben.

Für die Bewohner eine bedrückende Situation: "Auf den Fluren herrscht Ruhe", so die Joggerin in Quarantäne. "Ich wollte eigentlich zum Geburtstag meines Vaters. Auch ist mein Kühlschrank mittlerweile leer."

Die Polizei riegelte das Wohnheim komplett ab.
Die Polizei riegelte das Wohnheim komplett ab.  © Ove Landgraf

Ihr Testergebnis soll sie bereits am heutigen Samstag bekommen. Gesundheitsamt und Studentenwerk bemühen sich nun, eine Essensversorgung zu organisieren.

Gegen 18 Uhr konnte gestern eine erste Lieferung mit Toastbrot, etwas Süßem, Eiern und Margarine auf den Fluren abgestellt werden. Das Studentenwerk bietet nun einen Einkaufsservice an.

So gefährlich ist die befürchtete Delta-Variante

Die sogenannte Delta-Variante macht den Virologen Sorgen: Zuerst in Indien nachgewiesen, verbreitet sie sich mittlerweile auch in Großbritannien.

"Erste Erkenntnisse aus England und Schottland legen nahe, dass es ein erhöhtes Risiko für Krankenhauseinlieferungen geben könnte als bei der Alpha-Variante", heißt es in einer aktuellen Risikoeinschätzung von Public Health England.

Als Alpha-Variante wird die zunächst in Großbritannien entdeckte Variante B.1.1.7 bezeichnet. Eine indische Studie bescheinigt der Mutation eine um 50 Prozent höhere Ansteckung, zudem gibt es Hinweise auf niedrigere Wirksamkeit des Impfschutzes.

In Sachsen gibt es mittlerweile elf bestätigte Fälle dieser Variante.

Titelfoto: Montage: Ove Landgraf (2)

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