SG Dölzschen kämpft für neuen Kunstrasenplatz, sonst war's das bald mit dem Fußball

Dresden - Zweikämpfe können im Fußball schon mal schmerzhaft werden. Bei der SG Dölzschen sind sie das allerdings besonders oft. Als einziger Dresdner Fußballverein wird dort nämlich ausschließlich auf Asche gespielt.

Nachwuchsleiterin Andrea Naumann (57) kämpft für einen Kunstrasenplatz für die SG Dölzschen. Der jetzige Ascheplatz ist nicht mehr zeitgemäß.
Nachwuchsleiterin Andrea Naumann (57) kämpft für einen Kunstrasenplatz für die SG Dölzschen. Der jetzige Ascheplatz ist nicht mehr zeitgemäß.  © Eric Münch

Dadurch sind Schürfwunden an der Tagesordnung. Weil sich viele Kicker die "Schleifscheibe" nicht ihr ganzes Fußballerleben antun wollen, läuft dem Verein der Nachwuchs weg. Trotzdem soll die SG noch Jahre auf einen Kunstrasenplatz warten. Dabei war das anders geplant.

Ende 2018 teilte das Rathaus dem Verein nämlich in einem Schreiben mit, dass ein Umbau zu einem Kunstrasenplatz ab 2021/22 beginnen könnte. "Auf Anfrage eines Elternteils wurde uns nun mitgeteilt, dass es wohl erst 2026/27 wird", sagt Nachwuchsleiterin Andrea Naumann (57). In den Planungen der Stadt bis 2025 kommt das Projekt nämlich nicht vor.

Für den 1928 gegründeten Traditionsverein ist das ein Problem. "Uns laufen die Kinder weg, denn die Plätze ringsrum haben Kunstrasen", so Naumann. Dadurch überaltern auch die Erwachsenenmannschaften.

Dresden: Hilferuf aus der Neustadt: Den Wirten gehen die Kellner aus!
Dresden Hilferuf aus der Neustadt: Den Wirten gehen die Kellner aus!

"Unser Torwart ist 40 Jahre alt. Normalerweise spielt man ab 35 bei den Alten Herren", erzählt sie. Doch die gibt es gar nicht mehr, weil die Spieler in den Männermannschaften gebraucht werden.

Rathaus versteht Unmut der Dölzschener Kicker, sieht aber längere Nutzung des Platzes vor

Weil die SG Dölzschen nur den Ascheplatz zum Trainieren und Spielen hat, läuft der Nachwuchs weg.
Weil die SG Dölzschen nur den Ascheplatz zum Trainieren und Spielen hat, läuft der Nachwuchs weg.  © privat

Im Rathaus kann man den Unmut der Sportler verstehen. Finanz- und Sportbürgermeister Peter Lames (56, SPD) ist nach eigener Aussage selbst Verfechter der Umstellung auf Kunstrasenplätze, die seit seinem Amtsantritt 2015 von der Stadt auch vorangetrieben wird.

Da war der Platz Am Dölzschgraben aber gerade erst frisch saniert worden. Damit hat dieser eigentlich noch eine Nutzungsdauer von 10 bis 15 Jahren.

"Im Sinne des Standorts und einheitlicher Bedingungen würden wir einen Umbau trotzdem unterstützen", sagt Lames. "Es ist nur eine Frage des Geldes." Und die dafür nötige halbe Million Euro ist eben nicht eingeplant.

Dresden: 28-Jähriger berührt Frau in der Neustadt unsittlich und packt seinen Penis aus
Dresden Crime 28-Jähriger berührt Frau in der Neustadt unsittlich und packt seinen Penis aus

"Ich kann kein zusätzliches Geld herbeizaubern. Wenn wir das Projekt vorziehen würden, müsste ein anderes nach hinten rücken", erklärt Lames. Diese Entscheidung müssen allerdings die politischen Gremien der Stadt treffen.

Dort wird das Thema in Kürze wohl auch ankommen. Eine am Freitag gestartete Petition, die eine Umgestaltung 2021/22 fordert, wurde bis Sonntagnachmittag bereits über 2000-mal unterzeichnet. Das liegt wohl auch an der prominenten Unterstützung.

So meldete sich am Samstag Ex-Dynamo-Torwart Benny Kirsten (33) mit einer Videobotschaft auf der Facebook-Seite des Vereins zu Wort und bittet um Unterstützung. "Die Kirsten Stiftung hat vor ein paar Monaten Trikots gespendet und wir haben das Unheil dort auch live gesehen", so Kirsten in dem Clip.

Benjamin Kirsten macht sich für die SG Dölzschen stark

18,3 Millionen Euro im vergangenen Jahr für Dresdner Sportstätten

Sportbürgermeister Peter Lames (56, SPD) zieht eine positive Bilanz für das Sportjahr 2020.
Sportbürgermeister Peter Lames (56, SPD) zieht eine positive Bilanz für das Sportjahr 2020.  © Thomas Türpe

Für den Dresdner Sport war 2020 ein durchwachsenes Jahr. Während das Rathaus auf der einen Seite bei der Förderung von Sportvereinen kürzen musste, wurden auf der anderen so viele Bauprojekte realisiert wie selten zuvor.

Im Ergebnis ist sich Sport- und Finanzbürgermeister Peter Lames (56, SPD) aber sicher: "Der Dresdner Sport geht besonders in Bezug auf die Sportanlagen gestärkt aus der Krise hervor."

Der Grund: 2020 wurden allein 18,3 Millionen Euro aus dem Stadtsäckel in die Sportstätten und Bäder der Stadt investiert. Neue Sporthallen durch Schulsanierungen sind dabei noch nicht inbegriffen.

"Trotz beziehungsweise gerade wegen der Pandemie war es der Landeshauptstadt wichtig, bei den Investitionen keine Einschnitte zu akzeptieren", erklärt Lames. Etwa 4,6 Millionen Euro flossen in Anlagen des Eigenbetriebes Sportstätten. Weitere gut 3,5 Millionen Euro wurden als Zuschüsse zum Bau und der Instandsetzung von Sportanlagen gezahlt, davon allein 2,7 Millionen Euro für den Neubau des Trainingszentrums von Dynamo.

In die Bäder wurden 10,2 Millionen Euro Eigenmittel investiert.

Titelfoto: Montage: privat, Eric Münch, Thomas Türpe

Mehr zum Thema Dresden Lokal: