Vor 150 Jahren in Kaditz beerdigt: Das traurige Schicksal der 117 Franzosen
Dresden - Seit 150 Jahren liegen auf dem Kaditzer Friedhof an der Serkowitzer Straße 117 französische Soldaten. Und das, obwohl hier im Deutsch-Französischem Krieg (1870-71) überhaupt keine Schlachten ausgetragen wurden. Jetzt wurde der Opfer gedacht, auch für die Zukunft der Grabanlage gibt es Pläne.

"Vor allem in der Anfangsphase des Kriegs gab es bei den Kämpfen in Frankreich viele Gefangene. In den Kriegen vorher war dies komplett unüblich", erinnert sich Historiker Holger Hase (44).
Die gefangenen Franzosen wurden daher, ebenfalls zum ersten Mal überhaupt, per Bahn in deutsche Garnisonsstädte verteilt.
In Dresden entstanden zwei Barackenlager, eines im Alaunpark und eines am Elbufer in Übigau.
Unter schlimmen Bedingungen waren die Soldaten einem extrem kalten Winter und einem Hochwasser ausgesetzt. 117 Soldaten starben allein in Übigau und wurden in Kaditz beerdigt.
Im Kirchenbuch sind deren Namen und Todesursachen aufgeführt: Einen Tag nach Weihnachten 1870 starb der 43-jährige Sergant Pierre Cazenare an einer "Lungenkrankheit", viele erlagen den Pocken.
Der letzte Soldat starb Ende Mai 1871.



Schüler des Landesgymnasiums St. Afra gedenken den Toten

Um dem zu gedenken, legten Schüler des Landesgymnasiums St. Afra jetzt 117 weiße Rosen nieder. Der Verteidigungsattaché bei der französischen Botschaft in Berlin sprach ein Grußwort.
FDP-Stadtrat Hase, Vorsitzender im Verein "Denk Mal Fort!", will zudem eine Rats-Initiative starten. "Das Grab ist in einem ordentlichen Zustand, es fehlen aber Erklärungen zur Geschichte. Zudem sind die Namen der Toten, obwohl alle bekannt, nirgends zu lesen. Das wollen wir ändern."
Übrigens: In der Kaditzer Emmauskirche gibt es eine kleine Text-Ausstellung zum "Französischen Kriegsgefangenenlager bei Übigau", offen vor und nach den Gottesdiensten.
Titelfoto: Holm Helis