Weidmannsheil! Auch auf Dresdens Friedhöfen wird scharf geschossen

Dresden - Achtung, auf unseren Friedhöfen wird scharf geschossen!

Auf dem Trinitatisfriedhof in der Johannstadt werden wilde Tiere bejagt.
Auf dem Trinitatisfriedhof in der Johannstadt werden wilde Tiere bejagt.  © Eric Münch

Wenn tierische "Grabräuber" Schäden anrichten, müssen Stadtjäger wie Thomas Schröder (56) ran. Er stellt Fallen auf, geht im Dunkeln mit dem Gewehr auf die Pirsch. Für die Jagd auf dem Trinitatisfriedhof hat er sogar Hochsitze aufgebaut.

Auf Friedhöfen (befriedete Bezirke) ist die Jagd grundsätzlich verboten. Die Untere Jagdbehörde genehmigt aber Ausnahmen. 

"Solche Einzelfälle ergeben sich beispielsweise, wenn Füchse oder Dachse auf Friedhöfen ihre Baue anlegen und dadurch nicht nur die Grabanlagen beschädigen, sondern unter Umständen auch die Totenruhe stören", sagt eine Stadtsprecherin. 

Es komme sogar vor, dass die Wildtiere an Knochen aus Särgen herankommen.

Der Trinitatisfriedhof (Johannstadt) hat vor allem mit Dachsen zu kämpfen. "Sie buddeln für ihr großes Geschäft die Erde auf. Es gibt Gräber, die Friedhofsmitarbeiter fast täglich wieder herrichten müssen", sagt Stadtjäger Schröder, Chef der Jagdfirma City-Trapper. 

Es komme sogar zu Schadensersatzforderungen der Angehörigen. Um die tierischen Störenfriede loszuwerden, stellt er Kastenfallen auf. Tappen die Tiere hinein, erlegt sie der Jäger. Igel oder Katzen werden wieder freigelassen.

Skurrile Begegnungen bei der Friedhofsjagd

Stadtjäger Thomas Schröder (56) geht auch auf dem Trinitatisfriedhof auf die Pirsch.
Stadtjäger Thomas Schröder (56) geht auch auf dem Trinitatisfriedhof auf die Pirsch.  © Eric Münch
Auf diesem Friedhofshochsitz legt sich der Jäger außerhalb der Schonzeiten auf die Lauer.
Auf diesem Friedhofshochsitz legt sich der Jäger außerhalb der Schonzeiten auf die Lauer.  © privat
Diese beiden Dachse musste Schröder auf dem Trinitatisfriedhof erschießen, da sie wiederholt Grabstätten verunstaltet hatten.
Diese beiden Dachse musste Schröder auf dem Trinitatisfriedhof erschießen, da sie wiederholt Grabstätten verunstaltet hatten.  © privat
Auch dieser Friedhofshochsitz wird von Schröder zur Jagd genutzt.
Auch dieser Friedhofshochsitz wird von Schröder zur Jagd genutzt.  © privat

Reichen Lebendfallen nicht, muss der Jäger mit der Flinte ran. "Natürlich außerhalb der Öffnungszeiten, meist im Dunkeln", so Schröder. Er legt Futterfallen aus, geht auf einem der beiden Hochsitze auf dem Trinitatisfriedhof in Stellung. So kann er von oben nach unten schießen. 

Dann hallt ein Knall durch die Nacht. "Erst im Februar schoss ich hier zwei Dachse", sagt Schröder. Auch auf dem Johannisfriedhof und dem Jüdischen Friedhof jagt er. Etwa zehn Tiere erlegt er so pro Saison, die Kosten trägt die Verwaltung.

Skurrile Begegnungen bleiben bei der Friedhofsjagd nicht aus. Man müsse immer mit illegalen Besuchern rechnen, sagt Schröder. "Schwarze Messen, zeichnende Künstler im Mondschein, Gruftis, Drogenabhängige und Grabräuber." 

Sogar ein Liebespaar störte ihn schon bei der Jagd. Er rief ihnen vom Hochsitz zu. Schröder schmunzelt: "Die Frau schrie vor Schreck so laut, das hat das ganze Viertel gehört." 

Titelfoto: Eric Münch

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