Bilanz zum Jahresende: Millionen-Verluste für Kulturinstitutionen

Dresden/Chemnitz - Das Coronavirus hat sich noch nicht ausgetobt, wie viele andere Einrichtungen werden auch die Kulturinstitutionen bis ins neue Jahr hinein geschlossen bleiben und weitere finanzielle Verluste anhäufen.

Menschenleer die Semperoper, menschenleer der Theaterplatz - eine Impression zu Corona-Zeiten.
Menschenleer die Semperoper, menschenleer der Theaterplatz - eine Impression zu Corona-Zeiten.  © Norbert Neumann

Eine erste Bilanz zum Jahresende macht deutlich, wie hoch die Verluste bei den öffentlich geförderten Häusern sind. Es geht in die Millionen.

Würde man ein Ranking der Verluste erstellen, wären die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) im Augenblick Spitzenreiter.

"Gegenüber der Erlösplanung für das Wirtschaftsplanjahr 2020 haben wir einen Verlust von 5,599 Millionen Euro zu verzeichnen", so SKD-Sprecher Holger Liebs zu TAG24. Die Staatstheater, Semperoper und Staatsschauspiel, wollen eine "verifizierte Aussage" über die Verlustrechnung erst in der zweiten Januarhälfte treffen.

Erhebliche Verluste verzeichnen auch die Kulturinstitutionen der Stadt, Stand vom 17. Dezember. In Verrechnung von Mindererträgen und Minderausgaben stehen demnach für die Staatsoperette 1.674,454 Euro im Soll, für die Philharmonie 1.042,066 Euro, für die Musikfestspiele 622.785 Euro und für das Theater Junge Generation 376.476 Euro.

Keine Verluste verzeichnen das Europäische Zentrum der Künste Hellerau (EZKH) und das Societaetstheater.

Im EZKH würden "aufgrund erhöhter Zuwendungen Dritter insgesamt keine Mindererträge erwartet", im Societaetstheater "Einnahmeeinbußen durch geringere Ausgaben bei den Honoraren und zusätzliche Drittmittel ausgeglichen", heißt es von Seiten der Stadt.

Wer steht für die Verluste infolge von Corona gerade?

Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (43, Linke, l.) findet klare Worte.
Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (43, Linke, l.) findet klare Worte.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Noch keine belastbaren Zahlen über Umsatzausfälle, Mehraufwendungen oder Einsparungen durch Kurzarbeit haben die Theater Chemnitz.

Erst bei der Erstellung des Jahresabschlusses 2020 bis April würden diese Daten mit aufgestellt, heißt es. Immerhin sei sicher, dass den Theatern durch die Schließung allein in November und Dezember 25 Prozent der jährlichen Einnahmen aus Ticketverkäufen verloren gingen.

Bleibt die Frage, wer für die Verluste infolge von Corona geradesteht. In der Stadt Dresden werden "die Mindereinnahmen in 2020 ausgeglichen durch Minderausgaben, Kurzarbeit und die November-Hilfe vom Bund", so Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (43, Linke) zu TAG24.

Der größte Kostenpunkt, das Personal, werde zentral aus dem städtischen Haushalt finanziert und sei nicht gekürzt worden. Der Sächsische Landtag habe aus dem kreditfinanzierten Corona-Fonds Mittel in Höhe von insgesamt 17 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um pandemiebedingte Mehrausgaben und Mindereinnahmen der Staatsbetriebe - Staatstheater, SKD, Landesamt für Archäologie, dzb lesen - auszugleichen, so Jörg Förster, Sprecher des Kunstministeriums.

Zudem seien die Einrichtungen dazu verpflichtet worden, durch Einsparungen und Umplanungen die Belastungen zu reduzieren.

Titelfoto: Norbert Neumann

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