Moritzburg Festival startet am Samstag

Dresden - Wahrscheinlich ist kein anderes Kulturfestival so stark von Corona geprägt wie das Moritzburg Festival, deren 29. Jahrgang am Sonnabend beginnt. Erstaunlich daran ist, dass diese Besonderheit nicht so sehr im Negativen von Veranstaltungsausfall und Einnahmeverlust zu suchen ist (das teilweise auch), sondern im Positiven von feierlicher Atmosphäre und neuem Spielort.

Verbeugung beim Abschlusskonzert vergangenes Jahr.
Verbeugung beim Abschlusskonzert vergangenes Jahr.  © Oliver Killig

Wie im Vorjahr, dem Corona-Jahr 2020, ist die Nordterrasse von Schloss Moritzburg Hauptspielort des Festivals.

Was zunächst Notlösung war, weil die Räume im Schloss pandemiebedingt eben so wenig nutzbar waren wie die der Evangelischen Kirche, erwies sich letztlich als glücklicher Umstand, insofern Stimmung und Größe des Auditoriums beinah alle Einschränkungen wettmachten.

"Es ist wirklich ein Glücksfall. Selbst wenn Corona dieses Jahr kein Thema mehr gewesen wäre, hätten wir es wieder genauso gemacht", sagt Intendant Jan Vogler (57).

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Das Musizieren und Musikerleben unter freiem Himmel auf der Nordterrasse schließe etwas ein, das bisher gefehlt habe, so Vogler: "Es ist das Element der Natur."

Dem Vernehmen nach soll die Nordterrasse Hauptspielstätte bleiben, auch wenn es mit Corona vorbei ist. Dazu passt, dass die Bühne samt Bühnendach, Podien und Bestuhlung eine neue ist, finanziert durch eine Förderung des Programms "Neustart Kultur". Mit etwa 230 Plätzen zählt das Auditorium im Übrigen mehr als der große Saal im Schloss.

Moritzburg Festival: Alle Livekonzerte werden online gestreamt

Jan Vogler (57, Mitte) musiziert beim Festival stets mit.
Jan Vogler (57, Mitte) musiziert beim Festival stets mit.  © Oliver Killig

So findet auch dieses Mal der Großteil - 15 von 19 Konzerten - dort statt.

Weitere Spielorte sind der Schlosspark Proschwitz, der Garten am Käthe-Kollwitz-Haus Moritzburg, der Dresdner Kulturpalast für das Orchesterkonzert der Akademisten ("Moritzburg für alle") sowie die Evangelische Kirche für drei öffentliche Proben.

Insgesamt 22 Veranstaltungen zählt der Festivalkalender und 29 Solisten, darunter der Pianist Louis Lortie (62), der Oboist Pablo Albrecht Mayer (56, Oboe) und auch der künstlerische Leiter selbst, Jan Vogler am Cello.

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Erwähnenswert auch zwei Lesekonzerte mit Musik und Literatur von Stefan Heym, gestaltet von der Schauspielerin Hannelore Koch und dem Klarinettisten Pablo Barragán, geboren 1987.

Die von der Violinistin Mira Wang geleitete Orchesterakademie umfasst 40 Musikerinnen und Musiker aus 16 Nationen, Dirigent ist der 1973 geborene Spanier Josep Caballé Domenech. Eine weitere Besonderheit des Festivals betrifft das Digitale: Erstmals werden alle Livekonzerte - über die Plattform Dreamstage - gestreamt.

Titelfoto: Oliver Killig

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