Nach Corona-Krise: Kaum Taufen und Hochzeiten in Sachsen

Dresden - Hochzeiten oder Konfirmationen - nach wochenlangen Corona-Einschränkungen kommen in Sachsen Familienfeiern nur langsam wieder in Gang. 

"Schloss Wackerbarth" mit einer Drohne aufgenommen. (Archivbild)
"Schloss Wackerbarth" mit einer Drohne aufgenommen. (Archivbild)  © DPA/ZB/Jan Woitas

"Es gibt Nachholebedarf", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Sachsen, Axel Klein. "Aber viele Menschen sind noch verunsichert und halten sich zurück." Ihnen rät er, mit Reservierungen in den Gastwirtschaften für ihre privaten Feiern nicht mehr lange zu zögern. "Die Termine könnten rasch weg sein."

"Bei privaten Events und Familienfeiern erhalten wir wieder erste Anfragen für die kommenden Monate", sagte der Sprecher des Staatsweingutes "Schloss Wackerbarth", Martin Junge. Zu dem Schau- und Erlebnisweingut zu Füßen der Radebeuler Weinberge gehören ein kleines Schloss, Lusthäuschen und eine barocke Gartenanlage.

Der deutschlandweite Lockdown habe das Unternehmen hart getroffen, so Junge. "Von März bis Juni haben wir rund ein Viertel unserer normalen Jahresumsätze im Eventbereich verloren." Privat- und Firmenkunden hätten mehr als 300 geplante Events – auch für die nächsten Wochen – storniert oder auf 2021 verschoben. Das sei wohl nicht mehr aufzuholen. "Der Wein, der bisher nicht getrunken wurde, wird in den kommenden Monaten nicht nachgetrunken."

Bislang kamen jährlich mehr als 190.000 Gäste, 120 Hochzeiten wurden pro Jahr auf Schloss Wackerbarth gefeiert. "Hier sehen wir vor allem eine Verschiebung auf 2021", sagte Junge. Hochzeiten würden langfristig geplant.

Hochzeiten und Bestattungen werden in Sachsen verschoben

Eine Pferdekutsche fährt auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche entlang. (Archivbild)
Eine Pferdekutsche fährt auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche entlang. (Archivbild)  © dpa/dpa-Zentralbild/Robert Michael

In der Frauenkirche in Dresden wurden ab dem 19. März alle Trauungen und Taufen verschoben. Als es jedoch wieder möglich war, Gottesdienste zu feiern, habe es am 16. Mai auch gleich den ersten Gottesdienst zur Eheschließung gegeben, berichtete die Sprecherin der Stiftung Frauenkirche, Grit Jandura. "Es war zufällig auch die 400. Trauung seit der Weihe der Kirche 2005."

 Es gebe sowohl das Interesse, die vereinbarten Tauf- und Trautermine einzuhalten, aber auch Anfragen, um sie zu verschieben. Absagen hingegen gebe es kaum.

In Leipzig hatten sich von Mitte März bis Anfang Juni ursprünglich 409 Paare zur Eheschließungen angemeldet. 190 hätten nun den schönsten Tag im Leben auf einen späteren Termin in diesem oder im nächsten Jahr vertagt. Zudem wurden auf den sieben städtischen Friedhöfen 26 Urnen-Beisetzungen verschoben.

Etwa 150 Absagen mit dem Wunsch auf Umbuchung des Eheschließung für 2020 und 2021 sind auf dem Dresdner Standesamt eingegangen. "Im Moment können wir noch nicht abschätzen, inwieweit wir den Wünschen aller Brautpaare gerecht werden können", sagte eine Stadtsprecherin.

Derzeit werden der Sprecherin zufolge vor allem Reservierungen in exklusiven Trauobjekten wie etwa im Schloss Albrechtsberg, dem Lingnerschloss sowie im Palais im Großen Garten storniert. Dort würden zusätzliche Nutzungskosten erhoben. Weil jedoch wegen der Corona-Verfügung des Freistaates nur eine eingeschränkte Gästezahl zugelassen sei, sähen sich die Brautpaare veranlasst, den Eheschließungstermin abzusagen.

In den evangelischen Gemeinden des Chemnitzer Kirchenbezirkes sind - soweit bekannt - alle Hochzeiten seit Mitte März verschoben worden. Jubiläen hingegen wie etwa Goldene Hochzeiten fanden statt, wie Sprecher Stephan Tischendorf berichtete. "Diese wurden im kleinsten Familienkreis gefeiert, coronakonform und unter Beachtung der Abstandsregelungen, was auch das Weglassen der Handauflegung beim Segen mit sich brachte, sonst ein unverzichtbarer Bestandteil der Segenshandlung."

Taufen hätten ebenfall meist nicht stattgefunden. "Die erste 'nach Corona' wurde am 15. Mai gefeiert." Gut ein Dutzend Taufen seien verschoben worden, einige auch ohne neuen Termin. Ob das bedeute, dass Menschen jetzt ungetauft blieben - darüber könne nur spekuliert werden, sagte Tischendorf. 

Trauerfeiern seien hingegen meist möglich gewesen - unter Corona-Bedingungen: Mit wenigen Teilnehmern und meist nur am Grab und deutlich verkürzter Liturgie.

Titelfoto: dpa/dpa-Zentralbild/Robert Michael

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