Nach Tschechien ist nun auch Polen wieder erreichbar: Sachsen kennt keine Grenzen mehr

Görlitz/Zittau - Nach knapp drei Monaten hat Polen in der Nacht zum Samstag seine Grenzen zu allen EU-Nachbarländern wieder geöffnet - begleitet von spontanem Jubel.

Jetzt ist wieder vereint, was zusammengehört: Symbolträchtig öffneten die Bürgermeister von Görlitz, Octavian Ursu (CDU, re.), und Rafal Gronicz aus der polnischen Nachbarstadt Zgorzelec den Corona-Grenzzaun mit einem Bolzenschneider.
Jetzt ist wieder vereint, was zusammengehört: Symbolträchtig öffneten die Bürgermeister von Görlitz, Octavian Ursu (CDU, re.), und Rafal Gronicz aus der polnischen Nachbarstadt Zgorzelec den Corona-Grenzzaun mit einem Bolzenschneider.  © Lausitznews/Toni Lehder

Es waren Verbrüderungsszenen wie beim Mauerfall am 9. November 1989: Deutsche und Polen lagen sich in den Armen, als Samstag die Grenze aufging. 

Um Mitternacht schnitten der Görlitzer Bürgermeister Octavian Ursu (CDU) und sein polnischer Amtskollege Rafal Gronicz aus Zgorzelec symbolträchtig und unter Jubel die Ketten des Zauns auf der Altstadtbrücke mit Bolzenschneidern durch.

Die Situation in der deutsch-polnischen Europastadt war für Familien und Freunde kaum mehr auszuhalten, wirtschaftlich kaum zu ertragen. 

Ursu nannte als Beispiel den durch Grenzkontrollen entstandenen Mega-Stau von 70 Kilometern auf der A 4: "All diese Dinge wollen wir nie wieder so erleben." Inzwischen leben rund 4 000 Polen in Görlitz.

Insgesamt etwa 500 Menschen feierten zusammen spontan mitten in der Nacht auf deutscher und polnischer Seite. 

"Viele Menschen in der Grenzregion haben schon lange auf diesen Moment gewartet. Es ist die Rückkehr zur Normalität", sagte Marko Schiemann (64), europapolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion.

Grenzverkehr hat sich normalisiert

Octavian Ursu (CDU, re.) und Rafal Gronicz.
Octavian Ursu (CDU, re.) und Rafal Gronicz.  © dpa/Daniel Schäfer
Wo Freitagnacht bei Passanten noch Fieber gemessen wurde, rollte Samstag der Verkehr wieder ohne Kontrollen und Staus. Zahlreiche Menschen überquerten die Grenze auch zu Fuß.
Wo Freitagnacht bei Passanten noch Fieber gemessen wurde, rollte Samstag der Verkehr wieder ohne Kontrollen und Staus. Zahlreiche Menschen überquerten die Grenze auch zu Fuß.  © Jens Kaczmarek
Görlitz, Mitternacht, Grenzübergang Altstadtbrücke: Erst gab es einen Countdown, dann Sekt, Feuerwerk und schließlich zig Umarmungen zwischen jubelnd feiernden Deutschen und Polen.
Görlitz, Mitternacht, Grenzübergang Altstadtbrücke: Erst gab es einen Countdown, dann Sekt, Feuerwerk und schließlich zig Umarmungen zwischen jubelnd feiernden Deutschen und Polen.  © Lausitznews/Toni Lehder

Die sächsisch-tschechische Grenze war bereits am 5. Juni geöffnet worden. "Weil wir am Zittauer Grenzübergang nur über Polen in die Stadt konnten, bin ich bislang immer den 60 Kilometer langen Umweg gefahren", erzählt Jirí Zahradnik aus Liberec.

Der Mitarbeiter der Zittauer Industrie- und Handelskammer (IHK) pendelt wie Tausende täglich aus ihrer tschechischen Heimat in die Dreiländerregion rund um Zittau zum Arbeiten.

Laut IHK arbeiten in Sachsen mehr als 10.000 Tschechen. Knapp 8000 waren als Pendler direkt von der Grenzschließung betroffen. 

Dazu kommen laut Arbeitsagentur knapp 20.000 Polen, die in Sachsen sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. 

"Der Grenzverkehr hat sich wieder normalisiert", sagt Lars Helbig (46) vom "Club der Tschechisch-Deutschen-Partnerschaft" aus Olbernhau. 

Die 1 600 Mitglieder starke Vereinigung traf sich Samstagnachmittag am Übergang Göhrener Tor zu einer verspäteten Grenzöffnungsfeier. 

Titelfoto: Lausitznews/Toni Lehder, dpa/Daniel Schäfer

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