Nach Widerspruch von Radebeuler OB: Jörg Bernig zieht Kandidatur zurück!

Radebeul - Die Wahl des neurechten Schriftstellers Jörg Bernig (56) zum neuen Kulturamts-Chef von Radebeul hatte bundesweit heftige Debatten ausgelöst.

Bert Wendsche (parteilos, r), Oberbürgermeister von Radebeul, überreicht die Auszeichnung des Radebeuler Kunstpreis 2013 an Dr. Jörg Bernig (l).
Bert Wendsche (parteilos, r), Oberbürgermeister von Radebeul, überreicht die Auszeichnung des Radebeuler Kunstpreis 2013 an Dr. Jörg Bernig (l).  © André Wirsig/dpa-Zentralbild/dpa

Daraufhin hatte Oberbürgermeister Bert Wendsche (56, parteilos) Widerspruch gegen die Wahl eingelegt - wegen Nachteiligkeit für die Stadt (TAG24 berichtete). 

Kurz vor der erneuten Abstimmung im Stadtrat am Montag hat Bernig jetzt seine Kandidatur zurückgenommen. 

Er sieht sich als Opfer von Stimmungsmache. 

Bernig war in nicht-öffentlicher Sitzung in geheimer Wahl mutmaßlich vor allem mit Stimmen der CDU und AfD gewählt worden. 

Danach setzte ein bundesweiter Proteststurm ein, auch die Radebeuler Kulturszene machte gegen Bernig mobil.

"Für einen abermaligen Wahlvorgang stehe ich nicht zur Verfügung", teilte er am Donnerstag mit. 

Das Schreiben liegt TAG24 vor. "Unliebsames Denken und unbequeme Personen sollen verdrängt werden", klagt Bernig in dem Schreiben. 

Jörg Bernig schrieb unter anderem für das Magazin "Sezession"

Jörg Bernig ist Anhänger der in ultrarechten Kreisen beliebten These des vermeintlich gesteuerten "Bevölkerungsaustausches" durch Flüchtlinge.
Jörg Bernig ist Anhänger der in ultrarechten Kreisen beliebten These des vermeintlich gesteuerten "Bevölkerungsaustausches" durch Flüchtlinge.  © André Wirsig

"Es handelt sich um Handlungsweisen aus dem Repertoire des Totalitären." Seine Wahl sei ordnungsgemäß erfolgt. Die öffentliche Debatte über ihn zeige, dass die Demokratie in Deutschland gefährdet sei.

"Wir sehen ein Menetekel der Beschneidung von Freiheit, der Verhinderung von Vielfalt." 

Wer ihn als fremdenfeindlich bezeichne, könne sein Werk nicht kennen. Nötig sei eine grundsätzliche, kultivierte Debatte "über die Grenzen und Eingrenzung der Freiheit".

Bernig hat unter anderem für das Magazin "Sezession" des Verlegers Götz Kubitschek (49) geschrieben. 

Dessen "Institut für Staatspolitik" wird vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall geführt. 

Bernig ist Anhänger der in ultrarechten Kreisen beliebten These des vermeintlich gesteuerten "Bevölkerungsaustausches" durch Flüchtlinge.

Auch der Schriftstellerverband PEN, dessen Mitglied Bernig seit 2005 ist, ging deutlich auf Distanz. Grünen-Stadtrat Martin Oehmichen (32): "Es ist gut für Radebeul, dass der neurechte Bernig, der sich jetzt als Opfer stilisiert, nicht erneut antritt und Radebeul damit nicht weiter gespalten wird."

Radebeul brauche jetzt einen konstruktiven wirklichen Neuanfang in der Kulturpolitik. Seine Fraktion will im Stadtrat einen Abbruch des Verfahrens samt Neuausschreibung beantragen.

Titelfoto: André Wirsig

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