Nach Zoff bei Debatte zur Corona-Krise: Sachsen zum Zusammenhalt aufgerufen!

Dresden - Appelle, Schuldzuweisungen, Zwischenrufe: Bei einer emotional und zeitweise lautstark geführten Debatte zur Corona-Krise haben sich am Donnerstag im Sächsischen Landtag erneut Gräben zwischen den Parteien aufgetan.

Blick in den Plenarsaal während der Sitzung des Sächsischen Landtages am Donnerstag.
Blick in den Plenarsaal während der Sitzung des Sächsischen Landtages am Donnerstag.  © Robert Michael/dpa

Während die Regierungsfraktionen von CDU, Grünen und SPD, aber auch die Linken vor allem an den Zusammenhalt der Gesellschaft appellierten und vor einer weiteren Spaltung warnten, warf die AfD den Regierenden Versagen vor und forderte ein sofortiges Ende des Lockdowns.

"Nur wenn wir weiter miteinander und nicht gegeneinander handeln, werden wir auch die Folgen dieser Pandemie in den Griff bekommen", sagte Staatskanzleichef Oliver Schenk (52, CDU) zum Abschluss der Debatte.

Es sei wichtig, dass man einander zuhöre, im Gespräch bleibe und Argumente austausche. "Niemand aus der Staatsregierung hat gerne Schulen, Restaurants, Geschäfte, Theater und Einrichtungen geschlossen." Man habe nicht leichtfertig entschieden, sondern sorgsam abgewogen.

Schenk erinnerte noch einmal an die dramatische Situation in Sachsen im Dezember. Damals habe der Freistaat mit einer Inzidenz von 450 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen bundesweit an der Spitze gelegen.

"Unsere Krankenhäuser drohten überzulaufen, an manchen Stellen ist es passiert." Patienten aus Sachsen seien bis nach Rostock und Kiel verlegt worden.

Am Ende habe man sich nur für harte Einschränkungen entscheiden können: "Heute wissen wir, dass bei den Einschränkungen jeder Tag früher besser gewesen wäre."

Lockerungen nicht von heute auf morgen möglich

MP Michael Kretschmer (45, CDU) schaut vor Beginn der Sitzung des Sächsischen Landtages am Donnerstag noch mal auf sein iPad.
MP Michael Kretschmer (45, CDU) schaut vor Beginn der Sitzung des Sächsischen Landtages am Donnerstag noch mal auf sein iPad.  © Robert Michael/dpa

Nach den Worten von Schenk wird es bei der Konferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (66, CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder in der kommenden Woche darum gehen, einen "ersten umsichtigen Plan für erste Lockerungen abzustimmen".

Nicht alles werde von heute auf morgen möglich sein. Man brauche weiter Geduld und Durchhaltevermögen: "Wir wollen verantwortungsvoll lockern, aber wir müssen abwägen." Es gelte Prioritäten zu setzen. Das betreffe vor allem die Bildung.

"Wir werden diese Krise nur meistern, wenn wir uns als Gesellschaft, als Gemeinschaft, als kommunizierende Röhre untereinander verstehen und wenn wir gemeinsam die Last tragen, die uns derzeit in dieser Krise alle beschäftigt", sagte der CDU-Abgeordnete Alexander Dierks (33), der zugleich Generalsekretär der Union im Freistaat ist.

In der Pandemie würden viele Unwägbarkeiten bleiben, die Gefahr von Mutationen sei groß. Planbarkeit sei zwar ein großer Wunsch, aber nur eingeschränkt möglich.

Die AfD warf der Regierung vor, Risikogruppen wie ältere Menschen nicht geschützt zu haben. Die Krisenpolitik der Regierung habe erheblichen Schaden verursacht, sagte der Abgeordnete Lars Kuppi (50). Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU) spalte die Gesellschaft, "indem er Kritiker an seinem Kurs als Covidioten oder Corona-Leugner abstempelt". Belege dafür trug Kuppi allerdings nicht vor.

Alexander Dierks (33), CDU-Generalsekretär in Sachsen, rief am Donnerstag zu mehr Zusammenhalt in der Gesellschaft auf.
Alexander Dierks (33), CDU-Generalsekretär in Sachsen, rief am Donnerstag zu mehr Zusammenhalt in der Gesellschaft auf.  © Robert Michael/dpa

Kretschmer war vielmehr bei Grünen, SPD und Linken in die Kritik geraten, weil er immer wieder das Gespräch mit Leugnern des Virus und anderen Kritikern sucht.

Titelfoto: Montage: Robert Michael/dpa (2)

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