Namensänderung gefordert: Rassismus-Debatte um Straße in Radebeul

Radebeul - Müssen Mohrenstraße und Mohrenhaus in Radebeul umbenannt werden? Darüber wird nicht nur in der Stadt heiß diskutiert.

Kleine Straße, große Aufregung: Ist der Name "Mohrenstraße" rassistisch?
Kleine Straße, große Aufregung: Ist der Name "Mohrenstraße" rassistisch?  © Thomas Türpe

Auslöser ist ein Schreiben der Radebeuler Schülergruppe "Rassismus ist keine Alternative" (RIKA), das an alle Stadträte und den Kinderschutzbund Radebeul als Träger der Kita "Mohrenhaus" verschickt wurde.

Darin fordert die Gruppe, die sich im Herbst gegründet hat und nach eigenen Angaben aus etwa einem Dutzend Schülern zwischen 16 und 18 Jahren besteht, die Umbenennung, weil der Begriff "Mohr" rassistisch und nicht mehr zeitgemäß sei.

Es reduziere den Menschen auf seine Hautfarbe und Rassezuschreibungen.

Auf das Thema aufmerksam geworden sei man durch die Debatte um die Berliner Mohrenstraße.

Die Reaktionen auf den Vorstoß fallen unterschiedlich aus.

Der Fraktions-Chef der Freien Wähler im Dresdner Stadtrat, Jens Genschmar (51, l.), spricht von "Verblödung". Den Radebeuler Stadtrat Martin Oehmichen (32, Grüne) freut der Vorstoß der Schüler.
Der Fraktions-Chef der Freien Wähler im Dresdner Stadtrat, Jens Genschmar (51, l.), spricht von "Verblödung". Den Radebeuler Stadtrat Martin Oehmichen (32, Grüne) freut der Vorstoß der Schüler.  © Steffen Füssel

Unterstützung kommt unter anderem von der Stadtratsfraktion "Bürgerforum/Grüne/SPD".

Die hat prompt einen Antrag eingebracht, der im Februar nicht-öffentlich im Bildungs-, Kultur- und Sozialausschuss beraten und wohl im März im Stadtrat diskutiert wird.

"Ich bin den Schülern dankbar und finde das Engagement klasse", sagt Grünen-Stadtrat Martin Oehmichen (32). "Wir unterstützen das Anliegen und wollen eine Grundsatzdebatte im Stadtrat."

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So sehen das freilich nicht alle. In einer privaten Facebook-Gruppe habe ein Radebeuler CDU-Stadtrat von einer "Diktatur der organisierten Mehrheit" gesprochen, sagen die Schüler.

In dem sozialen Netzwerk hat sich auch der Dresdner Stadtrat Jens Genschmar (51, Freie Wähler) zu Wort gemeldet: "Da merkt man, dass der fehlende Unterricht nicht förderlich ist. Die Verblödung wird immer schlimmer."

Auch das "Mohrenhaus", in dem sich eine Kita befindet, soll einen neuen Namen bekommen.
Auch das "Mohrenhaus", in dem sich eine Kita befindet, soll einen neuen Namen bekommen.  © Thomas Türpe

Der Name der Straße, in der vor einigen Jahren auch Ex-Landesvater Kurt Biedenkopf (90, CDU) gewohnt hatte, soll der Legende nach auf den Bewuchs der Weinberge zurückgehen. Die hätten vom Elbufer aus wie Mohrenköpfe mit krausem Haar ausgesehen ...

Kommentar: Weg damit!

Eine Gruppe Radebeuler Schüler fordert die Umbenennung der Straße.
Eine Gruppe Radebeuler Schüler fordert die Umbenennung der Straße.  © Thomas Türpe

"Schon wieder so eine Umbenennungsdebatte, langsam nervt es" - wird sich wohl so mancher nicht nur in Radebeul denken. Doch nur weil etwas nervt, heißt das nicht, dass es nicht getan werden muss. Und die Mohrenstraße muss umbenannt werden.

Denn hier handelt es sich nicht um eine historische Persönlichkeit, die man heute zwar kritisch sehen kann, aber auch im Maßstab ihrer Zeit betrachten muss.

Es geht um eine Bezeichnung, die ihren Ursprung in rassistischen Stereotypen hat. Krause Haare = Mohrenkopf.

Nicht ohne Grund würde heute niemand mehr auf die Idee kommen, eine Straße so zu benennen.

Deshalb handelt es sich bei der Debatte auch nicht um Bilderstürmerei, bei der dem Zeitgeist folgend alles geändert werden muss, was der aktuellen politischen Mehrheit nicht passt.

Es gibt auch keinen guten Grund, der gegen eine Umbenennung spricht. Der Verwaltungsaufwand und die überschaubaren Kosten für etwaige Adressänderungen der wenigen Anwohner sind zumindest keiner.

Das Gleiche gilt für: "Die hieß aber schon immer so." Und nur weil sich bislang niemand beschwert hat, heißt das nicht, dass sich nicht schon früher Menschen daran gestört haben.

Statt lange zu diskutieren, sollte man das Thema einfach angehen. Dafür braucht es auch nicht viel - eigentlich nur zwei Punkte über dem "o" ...

Titelfoto: Thomas Türpe

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