Neuer Schädling! So gefährlich ist die Killer-Laus für Dresdens Fichten

Dresden - Trockenheit und Borkenkäfer setzen Dresdens Bäumen heftig zu - und jetzt kommt auch noch ein weiterer Parasit hinzu: Die Sitkafichten-Laus hat zahlreiche Fichten befallen und saugt deren Nadelkleid kaputt! Viele Baumbesitzer haben Fällungen beim Rathaus beantragt.

Die Entwicklung der Sitkafichten-Laus (auch Fichtenröhren-Laus genannt) von der Larve zum ausgewachsenen Weibchen.
Die Entwicklung der Sitkafichten-Laus (auch Fichtenröhren-Laus genannt) von der Larve zum ausgewachsenen Weibchen.  © Sachsenforst/Franz Matschulla

Die grünen Läuse mit roten Augen fallen in Massen über Fichten her und saugen deren Nadeln aus. Die sterben ab, verfärben sich gelbbraun und fallen herunter. Laus-Leibspeise sind neben Sitka- auch Blau- und Zuckerhut-Fichten.

"Wir schätzen, dass 500 bis 1000 Bäume betroffen sind, die überwiegend auf privatem Grund stehen", sagt Experte Thomas Werner-Neubauer (58) vom Umweltamt.

"Allein im Dresdner Westen wurden in den letzten Wochen 50 Fällgenehmigungen beantragt", so der 58-Jährige. Zuletzt wüteten die Läuse 2015 so stark.

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Zwar ist die Standsicherheit nicht gefährdet. Doch die geschädigten Fichten überleben meist nur, wenn der aktuelle Austrieb im Sommer nicht wieder befallen wird - und sie dann mindestens vier Jahre ohne Befall bleiben.

Die Parasiten fallen mit Ende des Winters über Fichten her, deren Nadelkleid sich nach Wochen gelbbraun verfärbt, abstirbt und herunterfällt.
Die Parasiten fallen mit Ende des Winters über Fichten her, deren Nadelkleid sich nach Wochen gelbbraun verfärbt, abstirbt und herunterfällt.  © Sachsenforst/Franz Matschulla
Experte Thomas Werner-Neubauer (58) vom Umweltamt an einer befallenen Fichte in Briesnitz.
Experte Thomas Werner-Neubauer (58) vom Umweltamt an einer befallenen Fichte in Briesnitz.  © Petra Hornig

Forstbotaniker rät: Auf robustere Arten umsteigen, etwa auf Nordmanntannen

Forstbotaniker Andreas Roloff (66) hat einen Tipp für Betroffene parat.
Forstbotaniker Andreas Roloff (66) hat einen Tipp für Betroffene parat.  © Steffen Füssel

Die Chancen dafür stehen zunehmend schlechter, da die Parasiten von milden Wintern wie zuletzt profitieren und auch mit Insektiziden nicht gut bekämpft werden können.

Der Experte rechnet "in den nächsten Jahren mit einem stark wiederkehrenden Befall".

Zudem leiden Fichten als Flachwurzler unter sinkenden Grundwasserspiegeln, was sie noch anfälliger macht. "Die Fichte ist ein Klimaverlierer, sie wird wohl langfristig aus dem urbanen Raum verschwinden", so Werner-Neubauer.

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Forstbotaniker Andreas Roloff (66) rät Betroffenen, auf robustere Arten umzusteigen: "Wer möchte, kann etwa im nächsten Advent eine Nordmanntanne in seinen Garten pflanzen und mit Lichterkette schmücken, die Tanne dann einfach wachsen lassen."

Titelfoto: Sachsenforst/Franz Matschulla (2)

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