Öffnung von Kitas und Schulen: Proteststurm gegen den Minister

Dresden - Heftige, geballte Kritik am Sonderweg Sachsens zur Wiederöffnung von Kitas und allen Schulen ab Montag: Die strikte Trennung von Klassen und Gruppen werde praktisch nicht funktionieren, so die Lehrer- und Erziehergewerkschaften GEW und SLV.

Sachsens GEW-Chefin Uschi Kruse.
Sachsens GEW-Chefin Uschi Kruse.  © Holm Helis

Sachsen setzt, anders als andere Bundesländer, in Kitas und Grundschulen auf feste Gruppen unbestimmter Größe mit fest zugeordneten Lehrern und Erziehern, die sich im Alltag nicht begegnen. Gewährleistet werden soll ein "eingeschränkter Normalbetrieb".

"Nächste Woche wird erstmal das Chaos ausbrechen", ist sich die GEW sicher. Alles gehe viel zu schnell. Das Verfahren sei blauäugig und unverantwortlich, viele praktische Fragen seien ungeklärt. 

"Wegen der Gruppentrennung müsste zum Beispiel die Essensausgabe von 11 bis 14 Uhr angeboten werden. Wie soll das personell abgedeckt werden?", so Sachsens GEW-Chefin Uschi Kruse.

Schon vor der Corona-Krise habe es großen Personalmangel gegeben. "Die Öffnung erfordert jedes Personal. Fällt nur ein Erzieher weg, sind feste Gruppen nicht haltbar", so Kruse weiter. 

SLV-Chef Jens Weichelt.
SLV-Chef Jens Weichelt.  © dpa/Arno Burgi
Am Montag machen die Kitas in Sachsen wieder auf. Am Konzept des Ministeriums gibt es heftige Kritik.
Am Montag machen die Kitas in Sachsen wieder auf. Am Konzept des Ministeriums gibt es heftige Kritik.  © dpa/Friso Gentsch

Verantwortung auf Träger und Erzieher abgewälzt

Der Appell von Kultusminister Christian Piwarz (44, CDU) an die Eltern, die Betreuungszeiten nicht auszuschöpfen, reiche nicht. "Was, wenn alle Eltern darauf pochen?", so GEW-Vize Astrid Axmann, selbst Erzieherin.

Sämtliche Verantwortung werde vom Ministerium an Träger und Erzieher vor Ort abgewälzt."Auch der Schutz von Lehrern aus der Risikogruppe wurde vollständig aufgegeben", kritisiert Kruse. 

Die Dienstanweisung, wonach sie regulär eingesetzt werden könnten, müsse zurückgenommen werden. Auch für SLV-Chef Jens Weichelt ist die Anweisung "nicht akzeptabel". Offenbar sei der Lehrermangel Ursache.

Titelfoto: dpa/Friso Gentsch, Holm Helis

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