"Pfadfinder" des ADFC kämpfen gegen drohende Weg- und Straßensperrungen

Dresden - Was für eine Fleißarbeit: Wochenlang haben sich ADFC-Mitglieder durch alte Akten gequält, um dem Rathaus kurz vor Fristende einen 227 Seiten umfassenden Brief übergeben zu können. Dort aufgeführt sind 100 Wege und Straßen, die aufgrund einer Gesetzesänderung ab 2023 dicht sein könnten.

Im schlechtesten Fall könnten alle gelb markierten Wege ab 2023 dichtgemacht werden.
Im schlechtesten Fall könnten alle gelb markierten Wege ab 2023 dichtgemacht werden.  © ADFC

Fast 30 Jahre lang galt: Jede Straße und jeder Weg, der vor 1993 öffentlich genutzt und einmalig erfasst wurde, ist ein öffentlicher Weg. 2019 änderte sich ein Gesetz.

Ab 2023 kann ein Privatweg, der nicht öffentlich gewidmet ist, geschlossen werden. Es sei denn, er wird in einer "Generalrevision" durch das Rathaus erfasst. Ende 2020 liefen erste Fristen aus.

Unter extremem Zeitdruck hat der ADFC daher 100 Wege und Straßen identifiziert, die von einer Schließung bedroht sind. Alle Vorschläge enthalten eine genaue Beschreibung der Abschnitte, Auszüge aus historischen und aktuellen Karten sowie Fotos und Luftbilder.

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"Das war eine Fleißarbeit. Wir haben sehr intensiv gesucht und möchten so die Arbeit der Stadt unterstützen", sagt Rolf Leonhardt (55), Vize-Landes-Chef des ADFC Sachsen. Am 30. Dezember hinterließ der Radel-Club das Dokument im Briefkasten für Terminsachen im Rathaus.

Ein Hintergrund der aktuellen Detektiv-Arbeit: Etwa zehn Prozent des 850 Kilometer langen Dresdner Radwegenetzes sind bedroht. Hauptsächlich betroffen sind Abkürzungen, Lieblingswege und Alltagsrouten.

ADFC-Vizechef Rolf Leonhardt (55) fügte die Detailarbeit der Mitglieder zu einem 227-seitigen Brief an die Stadt zusammen.
ADFC-Vizechef Rolf Leonhardt (55) fügte die Detailarbeit der Mitglieder zu einem 227-seitigen Brief an die Stadt zusammen.  © Thomas Türpe
Privatwege, die nicht öffentlich gewidmet sind, können geschlossen werden.
Privatwege, die nicht öffentlich gewidmet sind, können geschlossen werden.  © Steffen Füssel
Laut ADFC-Analyse ist die Straße hinter dem Elbe Park eine Privatstraße, Streitereien wie an der durch die DREWAG versperrten Fabrikstraße könnten drohen.
Laut ADFC-Analyse ist die Straße hinter dem Elbe Park eine Privatstraße, Streitereien wie an der durch die DREWAG versperrten Fabrikstraße könnten drohen.  © Eric Münch
Die Wege vom Palais-Garten zur Elbe sind offen. Am Pillnitzer Schlosspark wurde jedoch deutlich, dass dies nicht für immer so sein muss.
Die Wege vom Palais-Garten zur Elbe sind offen. Am Pillnitzer Schlosspark wurde jedoch deutlich, dass dies nicht für immer so sein muss.  © Thomas Türpe

Laut ADFC könnten durch die neue Regelung zum Beispiel die Wege durch den Garten am Japanischen Palais geschlossen werden. Auch die Peschelstraße am Elbe Park ist laut ADFC eine nicht gewidmete Privatstraße.

Weitere Beispiele: die Brabschützer Straße (Albrechtshöhe), der Lockwitzbachweg, die Pieschener Allee hinter der Messe, Wege in der Flutrinne, Wege von der Tannenstraße zur Garnisonkirche oder Pfade am Flughafen (Volkersdorfer Weg).

Titelfoto: Thomas Türpe

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