Bei Dresdens Grünen fliegen die Fetzen: Kommt es Mittwoch zum Eklat?

Dresden - Johannes Lichdi (56) ist eines der landesweit bekanntesten Gesichter der Grünen.

Grüne-Stadtrat und "Lautsprecher" Johannes Lichdi (56) hat Ärger mit seiner Partei.
Grüne-Stadtrat und "Lautsprecher" Johannes Lichdi (56) hat Ärger mit seiner Partei.  © Thomas Türpe

Im Kampf um ein Stadtrats-Mandat zog der Rechtsanwalt in der Neustadt von eigentlich aussichtslosen Plätzen in den Rat ein. Doch er ist umstritten, gilt als barsch und unwirsch. Bei der Mitgliederversammlung am Mittwoch droht ein Eklat.

Ein Antrag von sechs Mitgliedern fordert, das "rücksichtslose, egomanische und schädliche Verhalten des Stadtrates Johannes Lichdi" zu verurteilen und ihn "zur Fraktionsdisziplin und Kollegialität aufzurufen". 

Der Antrag wirft Lichdi "rücksichtslosen Umgang mit Kolleg*innen, gezielte Attacken innerhalb der Fraktion, Disziplinlosigkeit, respektlosen Umgang mit Bürgern, Tobsuchtsanfälle und Schlagabtausch auf offener Bühne" vor.

In der Begründung zum Antrag wird unterstellt, Lichdi könne "aufgrund der knappen Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat die Fraktion zur Duldung seiner Disziplinlosigkeit erpressen". 

Der Antrag stammt unter anderem von Martin Sicker: "Wir als Grüne wollen noch etwas erreichen, dafür muss sich der Ton ändern. Mich erschreckt, was ich über Johannes Lichdi in der Zeitung lesen musste."

"Er ist halt kompliziert": Fraktions-Chefin Christiane Filius-Jehne (63, Grüne).
"Er ist halt kompliziert": Fraktions-Chefin Christiane Filius-Jehne (63, Grüne).  © Lutz Hentschel
Stadtrat und Landtagsabgeordneter Thomas Löser (48, Grüne).
Stadtrat und Landtagsabgeordneter Thomas Löser (48, Grüne).  © Ove Landgraf

Das sagt Johannes Lichdi

Legt sich nicht nur mit der Polizei an: Lichdi im "Streitgespräch".
Legt sich nicht nur mit der Polizei an: Lichdi im "Streitgespräch".  © Ove Landgraf

Der 33-Jährige ist Büroleiter des Grünen-Landtagsabgeordneten Thomas Löser (48), der parteiintern als einer der härtesten Widersacher von Lichdi gilt.

Löser: "Wir müssen das Thema, wie wir miteinander umgehen, in der Fraktion besprechen." Auf den Antrag will er keinen Einfluss genommen haben. Parteiintern gilt das auch als unwahrscheinlich, zu "plump" für Löser.

Lichdis Stand in Fraktion und Partei scheint tatsächlich umstritten. Ihm wird "wenig Kinderstube", Polemik gegen andere Kollegen, ein extrem lautes und herabwürdigendes Verhalten vorgeworfen. "Der tritt grüne Werte mit Füßen."

Fraktions-Chefin Christiane Filius-Jehne (63): "Er ist von seiner Persönlichkeit her kompliziert. Es ist schwer, ihn einzufangen, doch es gelingt. Bei dem Antrag sehe ich die Gefahr, dass er Öl ins Feuer gießt."

Und was sagt der Bescholtene selbst? Johannes Lichdi: "Ich habe den Antrag zur Kenntnis genommen - er spricht für sich, ich werde das nicht kommentieren. Ich fühle mich meinen Wählerinnen und Wählern aus der Neustadt verpflichtet."

Titelfoto: Ove Landgraf/Thomas Türpe

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