Cannabis legal für alle? Dissidenten-Chef fühlt sich vom Rathaus hintergangen

Dresden - Soll die legale Abgabe von Cannabis in Dresden im Rahmen von Modellprojekten erlaubt werden? Die Dissidenten wollen dies per Ratsbeschluss durchsetzen.

Dissidenten-Chef Max Aschenbach (36, Die PARTEI) mit selbst gedrehter Tüte vor dem Rathaus.
Dissidenten-Chef Max Aschenbach (36, Die PARTEI) mit selbst gedrehter Tüte vor dem Rathaus.  © Holm Helis

In einer vierseitigen Stellungnahme rät das Gesundheitsamt vehement ab. Dissidenten-Chef Max Aschenbach (36, Die PARTEI) kontert und unterstellt dem Amt bewusste Falschinformationen.

Dicke Luft im Rathaus: Um den Cannabis-Antrag der Dissidenten besser beraten zu können, liegt dem Rat seit Kurzem eine Stellungnahme des Gesundheitsamtes vor - und die fiel deutlich aus.

Der Antrag sei abzulehnen, Cannabis würde durch den Antrag verharmlost, es bestehe die Gefahr, dass Dresden zum Kiffer-Hotspot mit "überregionaler Strahlkraft" werden könne.

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Für den bekennenden Konsumenten Aschenbach steckt die Antwort aus dem Amt voller Fehler, sie sei "faktenbefreiter Unfug, in weiten Teilen schlicht falsch oder äußerst verzerrt. Das Gesundheitsamt hatte wohl keine Zeit, seine Unterlagen aus den 80ern auf den wissenschaftlichen Stand der Zeit zu bringen".

Punkt für Punkt widerlegt Aschenbach nun die Sicht aus dem Rathaus. Ein Beispiel: Laut Amt hat die Cannabis-Freigabe in Kanada dazu geführt, dass die Zahl der "Erstkonsumenten deutlich gestiegen ist. Auch der Schwarzmarkt wurde nicht ausgetrocknet". Beides entkräftet Aschenbach mit selber recherchierten Studien aus Kanada. Demnach werde weniger illegal konsumiert. Neu kiffen würden vor allem 45- bis 60-Jährige.

Max Aschenbach: "Ich werde das mit Hilbert mal bei einer Tüte besprechen"

Kann Cannabis in Dresden bald legal abgegeben werden?
Kann Cannabis in Dresden bald legal abgegeben werden?  © Matt Masin/dpa
Frank Bauer (32) ist als Chef im Gesundheitsamt auch für Suchtprävention zuständig.
Frank Bauer (32) ist als Chef im Gesundheitsamt auch für Suchtprävention zuständig.  © Ronald Bonss
Am Ende muss OB Dirk Hilbert (49, FDP) entscheiden, ob er gegen den Cannabis-Antrag Widerspruch einlegt.
Am Ende muss OB Dirk Hilbert (49, FDP) entscheiden, ob er gegen den Cannabis-Antrag Widerspruch einlegt.  © Norbert Neumann

"Stellungnahmen der Verwaltung haben für den Rat eine hohe Bedeutung. Selten sind Informationen so leicht überprüfbar. Meist haben Ämter Informationshoheit. Wie oft wurden Entscheidungen des Stadtrates schon durch grob falsche Behauptungen beeinflusst?", fragt Aschenbach.

Der Ausgang ist offen, am Ende entscheidet der Rat. Aschenbach: "Verblüffend ist die Dreistigkeit im Amt. Ich werde das mit Hilbert mal bei einer Tüte besprechen."

Titelfoto: Holm Helis

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