Keine Beleidigungen! Stadträtinnen fordern neuen Politiker-Knigge

Dresden - Ein abgebranntes Auto, eine eingeworfene Fensterscheibe und Stadtratssitzungen, in denen sich Räte gegenseitig niederbrüllen und beleidigen. Mit solchen Umgangsformen ist die Stadtpolitik alles andere als Aushängeschild für die Stadt - und für viele Beteiligte auch ziemlich belastend.

Voriges Jahr ging das Auto von Stadtrat Max Aschenbach (35, PARTEI) in Flammen auf.
Voriges Jahr ging das Auto von Stadtrat Max Aschenbach (35, PARTEI) in Flammen auf.  © privat

Eine Gruppe von 15 Stadträten (ausschließlich Frauen) aus vier Parteien will das nicht länger hinnehmen und hat deshalb eine gemeinsame Absichtserklärung erarbeitet.

In dem am Montag vorgestellten Papier fordern sie, eine "demokratische, wertschätzende und gewaltfreie Debattenkultur" zu schaffen - wenn nötig mit professioneller Hilfe von außen.

"Mit der Atmosphäre von Beleidigungen, Misstrauen und konfrontativen Endlosschleifen wollen wir uns nicht abfinden", schreiben die Initiatorinnen. Denn das sei würdelos.

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Stattdessen soll der Umgang von gegenseitiger Wertschätzung, Achtung und Anteilnahme geprägt sein, erklärt Kati Bischoffberger (52, Grüne): "Uns eint die Überzeugung, dass jeder Verantwortung trägt für eine andere Kommunikation."

Anke Wagner (39, CDU) ergänzt: "Wir wurden gewählt, um für die Stadt Probleme zu lösen und Sachen anzupacken und nicht, um uns mit uns selbst zu befassen."

Anja Apel (61, Linke), Anke Wagner (39, CDU), Dana Frohwieser (44, SPD) und Kati Bischoffberger (52, Grüne, v.l.) fordern bessere Umgangsformen im Stadtrat.
Anja Apel (61, Linke), Anke Wagner (39, CDU), Dana Frohwieser (44, SPD) und Kati Bischoffberger (52, Grüne, v.l.) fordern bessere Umgangsformen im Stadtrat.  © Holm Helis

Dresdner Stadträtinnen wollen Beleidigungen und Respektlosigkeiten abschaffen

Deshalb sollen nicht nur Beleidigungen und die Ausfälle Einzelner der Vergangenheit angehören, sondern auch die endlosen Diskussionen zu Themen, die bereits zuvor in den Ausschüssen diskutiert wurden.

Die Verfasser betonen, dass es keine reine Damenrunde bleiben soll. Stattdessen soll das Papier, das an die anderen Räte und den OB verschickt wurde, der Startpunkt eines Prozesses sein. Die erste Chance, sich zu bessern, besteht bereits am Mittwoch.

Titelfoto: Holm Helis

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