Kurden-Politiker auf "Staatsbesuch" in Dresden: Klinken putzen ohne Kameras

Dresden - Kommen hochrangige Politiker aus dem Ausland nach Sachsen, greift eigentlich das Protokoll: Der Gast wird empfangen, mindestens von einem Minister oder einer Ministerin, man lächelt gemeinsam in die Kameras, tauscht Nettigkeiten aus. Anders sieht es aus, wenn der "Staat", aus dem der Reisende kommt, nicht offiziell anerkannt wird. Dann läuft alles etwas verdruckster ab – so geschehen diese Woche.

Bedran Ciya Kurd (50) vorm Kronentor des Dresdner Zwingers.
Bedran Ciya Kurd (50) vorm Kronentor des Dresdner Zwingers.  © Holm Helis

Bedran Ciya Kurd (50) ist stellvertretender Ko-Vorsitzender von Rojava. Ro... was, bitteschön? Zur Erklärung: Als Rojava wird der nordöstliche Teil Syriens bezeichnet, der seit Jahren unter kurdischer Selbstverwaltung steht.

Dort wurde als Erstes die Gleichberechtigung von Frau und Mann eingeführt, die Todesstrafe wurde abgeschafft. Ethnische Minderheiten werden nach einem festen Schlüssel an der Macht beteiligt. Außerdem besiegten die Kurden hier den Islamischen Staat (IS).

Ein Muster-Ländle? Die Dankbarkeit der Internationalen Gemeinschaft hält sich jedenfalls in Grenzen, weshalb Bedran Ciya Kurd gerade in Europa Klinken putzen geht.

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"Natürlich ist es bitter, wenn uns die Anerkennung verweigert wird", sagt der Mann, der als Oppositioneller im Syrien von Diktator Assad (55) mehrfach verhaftet worden war.

Aus Rücksicht auf den Nato-Partner Türkei, dem das kurdisch verwaltete Rojava ein Dorn im Auge ist (weil es Begehrlichkeiten bei den türkischen Kurden wecken könnte!?), ließe sich der Westen zu zögerlich mit Rojava ein, glaubt der Kurden-Politiker.

Kurdischer Ko-Vorsitzender: Wiederaufbau Syriens könnte sich für sächsische Wirtschaft lohnen

Bedran Ciya Kurd: "Dabei stellen wir für niemanden eine Gefahr dar. Und von wirtschaftlichen Kooperationen für unseren Wiederaufbau könnte z. B. auch die sächsische Wirtschaft profitieren."

Am Ende kam es vergangenen Mittwoch in Dresden zu keinem der angefragten Treffen mit sächsischen Politikern. Nur in der (unverfänglichen) Landeszentrale für politische Bildung war der Gast willkommen.

Da waren die Schweden Anfang des Monats mutiger: Außenministerin Ann Linde (59) hatte Bedran Ciya Kurd dort persönlich getroffen. Mit Kameras und hochoffiziell...

Titelfoto: Holm Helis

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