Rathaus hadert mit Brunnen-Spenden: Dabei sind sie doch nur gut gemeint

Dresden - Wehe, wenn das Rathaus ungefragt Geld bekommt!

Professorin Erika Schmidt (76) und Alexander Heber (37) von der Initiative "Neustädter Freiheit" sammeln Spenden für die Sanierung des Kracht-Brunnens.
Professorin Erika Schmidt (76) und Alexander Heber (37) von der Initiative "Neustädter Freiheit" sammeln Spenden für die Sanierung des Kracht-Brunnens.  © Thomas Türpe

Die Bürgerinitiative "Neustädter Freiheit" sammelt seit vergangenem Jahr Spenden für die Sanierung des "Kracht-Brunnens" auf dem Neustädter Markt. Eine harsche Antwort der Verwaltung ärgert jetzt die Politik und wundert die Bürger.

Laut Finanzbürgermeister Peter Lames (56, SPD) wurde "die Spendenaktion ohne Abstimmung mit der Stadtkämmerei im Internet mit Angabe des städtischen Spendenkontos veröffentlicht".

Weil die Stadt momentan keine Sanierung des Brunnens plane, würden die Spenden bis zur "Klärung der Verwendung" lediglich "verwahrt".

Hintergrund: Die Initiative "Neustädter Freiheit" will, dass der Neustädter Markt in der jetzigen Gestalt erhalten bleibt und saniert wird.

Für die Sanierung des besonders ruinösen rechten Kracht-Brunnens wurden daher Spenden gesammelt, unter anderem per Aufruf über soziale Medien.

Linke-Chef André Schollbach: "Weniger Amtsdeutsch und mehr Bürgernähe"

1979 wurden die Brunnen am Neustädter Markt in Betrieb genommen.
1979 wurden die Brunnen am Neustädter Markt in Betrieb genommen.  © Deutsche Fotothek

"Wir hatten unsere Idee der Umweltbürgermeisterin angekündigt und haben nach dem korrekten Spendenkonto gefragt. Es ist doch völlig in Ordnung, dass das Geld jetzt dort zuerst angespart wird", sagt Professorin Erika Schmidt (76) von der Initiative. Und: "Wir werben weiter dafür, auf das städtische Spendenkonto einzuzahlen."

Politiker zeigen sich über den Tonfall aus dem Rathaus verwundert: "Die Stadt hat sehr formalistisch auf dieses bürgerschaftliche Engagement reagiert. Richtig ist aber auch, dass wir zuerst eine verbindliche Planung für den Neustädter Markt brauchen", sagt Stadtrat Torsten Nitzsche (45, Freie Wähler).

Linke-Chef André Schollbach (42): "Es sollte eine pragmatische Lösung im Sinne der Sache gefunden werden. Wir brauchen weniger Amtsdeutsch und mehr Bürgernähe."

Infos zur Spenden-Aktion: neustädter-freiheit.de

Finanzbürgermeister Peter Lames (56, SPD) hadert mit der "unabgestimmten Spendenaktion".
Finanzbürgermeister Peter Lames (56, SPD) hadert mit der "unabgestimmten Spendenaktion".  © Thomas Türpe
Der Brunnen ist seit fast 20 Jahren außer Betrieb und in einem schlimmen Zustand.
Der Brunnen ist seit fast 20 Jahren außer Betrieb und in einem schlimmen Zustand.  © Steffen Füssel
Anfang der 80er-Jahre waren die Brunnen beliebt, nicht nur zu "Pioniertreffen".
Anfang der 80er-Jahre waren die Brunnen beliebt, nicht nur zu "Pioniertreffen".  © Kolbig ddrbildarchiv.de/SLUB

Hintergrund: Brunnenbauer Friedrich Kracht

Friedrich Kracht (1925 - 2007) gestaltete die beiden "DDR-Brunnen" am Neustädter Markt.
Friedrich Kracht (1925 - 2007) gestaltete die beiden "DDR-Brunnen" am Neustädter Markt.  © wikipedia

Die beiden "DDR-Brunnen" am Neustädter Markt stammen von Friedrich Kracht (1925-2007). Kracht hatte in Dresden studiert und schuf unter anderem Wandbilder und Strukturwände im Robotron-Gelände oder am Hotel Newa (Prager Straße).

Er entwarf einen Typenkatalog für die DDR prägende Kinderspielplatzgeräte. Unter anderem stammt der "Kletterelefant" im Innenhof zwischen der Weißen Gasse und der Gewandhausstraße mit aus seiner Feder.

1979 plante Friedrich Kracht die beiden Brunnen auf dem Neustädter Markt. Trotz einer ersten Instandsetzung 1995 verfallen die Brunnen seither und sind Sinnbild eines in großen Teilen unsanierten DDR-Platzes.

Während einer der beiden Brunnen noch funktionstüchtig ist, plätschert der zweite seit Jahren nicht mehr. Eine Sanierung beider Brunnen kostet (Stand 2017) mindestens 900.000 Euro.

Titelfoto: Thomas Türpe/Steffen Füssel

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