Wirtschaftsminister Dulig über Corona-Situation in Sachsen: Trägt AfD Mitschuld?

Dresden - Die Corona-Zahlen in Sachsen steigen. Die Situation spitzt sich zu, ab Montag gilt ein landesweiter Lockdown (TAG24 berichtete). Doch wie konnte es so weit kommen? Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (46, SPD) findet in einem Interview klare Worte.

Martin Dulig (46, SPD), Wirtschaftsminister von Sachsen, kritisiert die AFD. Sie trage eine Mitschuld bei den Maskenverweigerern und hohen Infektionszahlen im Freistaat.
Martin Dulig (46, SPD), Wirtschaftsminister von Sachsen, kritisiert die AFD. Sie trage eine Mitschuld bei den Maskenverweigerern und hohen Infektionszahlen im Freistaat.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Mehr als 300 Corona-Fälle pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen: Sachsen steht auf Platz 1 der am stärksten betroffenen Bundesländer. Während Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU) als ständig gesehener Interviewgast seine Entscheidungen rechtfertigen muss, äußert sich nun auch Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig zu der brisanten Corona-Lage im Freistaat.

Im Gespräch mit dem Magazin Cicero wurde er auf einen vermeintlichen Zusammenhang aufmerksam gemacht. In einigen Teilen Sachsens sei die Inzidenz höher als 400 (in Bautzen sogar 563). Gerade in diesen Landkreisen sei die AfD besonders stark vertreten. Zufall?

Dulig nahm zunächst von Spekulationen Abstand. Doch er wies auch darauf hin, dass die Partei Bewegungen wie Pegida oder die "Querdenker" unterstütze.

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Die AfD habe sich "zum parlamentarischen Arm der Maskenverweigerer entwickelt", sagt er.

Der Wirtschaftsminister sieht die Partei in der Mitschuld, dass so viele Leute glauben, auf eine Mund-Nasen-Bedeckung sowie weitere Schutzmaßnahmen verzichten zu können.

Er findet klare Worte: die Partei habe sich zu Befürwortern des Maskenboykotts gemacht. Zudem werde die Infektions-Lage dafür ausgenutzt, politische Stimmungsmache zu betreiben. "Ich finde das unanständig."

Dulig kritisiert AfD: Partei lebt von der schlechten Stimmung

Mitglieder der AFD, wie Michael Hanko (56, l) stellen sich gegen die Corona-Verordnung.
Mitglieder der AFD, wie Michael Hanko (56, l) stellen sich gegen die Corona-Verordnung.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Dabei hatte die AfD zu Beginn der Pandemie noch ganz andere Töne anklingen lassen. Von einem Ausruf des Katastrophen-Alarms war sogar die Rede. Das änderte sich schnell. Denn die heftige Kritik sorgte auf einmal für einen Zulauf von Wählerstimmen (TAG24 berichtete). Die AfD, der Gewinner der Pandemie auf Kosten von Corona-Kranken und sogar Toten?

Ganz so drastisch drückt es Dulig nicht aus. Er betont, dass es viele Ursachen für die gestiegenen Fälle geben könne. Auch der Grenzverkehr von Tschechien nach Sachsen könnte in einigen Regionen ausschlaggebend sein.

Zugleich macht er bewusst, dass die AfD lediglich Stimmung machen möchte. "Ihr Motto ist ja: 'Je schlechter es Deutschland geht, desto besser für die AfD'." Er bezieht sich auf all die Klagen der Partei gegen die Verordnungen. Immerhin gehe es hier um Menschenleben.

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Aller 20 Minuten stirbt eine Person in Sachsen am Virus. "Dass man da heute noch ernsthaft behaupten kann, man könne auf Masken und Abstand verzichten, ist unverantwortlich."

Martin Dulig stellt klar: Die Corona-Maßnahmen sind wichtig und gut

Dulig kritisiert die einigen wenigen, dank derer eine große Mehrheit nun leiden muss. Er glaubt daran, dass Sachsen den Weg aus der Krise findet. Er ruft die schrecklichen Zustände in Italien in Gedächtnis. Im Frühjahr mussten Ärzte entscheiden, welcher Infizierte noch aufgenommen werden kann. Auch in Sachsen wird die Lage der Krankenhäuser immer schlimmer.

Um die Krise zu stoppen, helfe kein Nichtstun in der Politik. Denn jetzt heißt es, zu kämpfen - dafür, dass Geschäfte wieder öffnen, Besuche erlaubt sind und die tödliche Pandemie die Welt nicht mehr in Atem hält.

Titelfoto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

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