Showdown bei den Rathaus-Grünen! Lichdi und Schmelich ausgetreten

Dresden - Knallt es am heutigen Montag bei den Grünen? Schon lange gärt in der Fraktion der Konflikt zwischen dem rustikalen Politik-Stil der Grünen-Urgesteine Johannes Lichdi (57) und Michael Schmelich (66) und den wechselnden Fraktions-Chefinnen.

Johannes Lichdi (57, Grüne).
Johannes Lichdi (57, Grüne).  © imago images/Sven Ellger

Nach TAG24-Informationen treten beide am heutigen Montag aus der Fraktion aus - und wirbeln den kompletten Stadtrat auf.

Seit Monaten kommen die Grünen nicht zur Ruhe. Bereits im Oktober 2020 stand ein Austritt von Schmelich und Lichdi im Raum.

Hintergrund: Beide Räte gelten als machtbewusst, wurden in den vergangenen Monaten aber immer wieder, teils öffentlich, aus ihrer Sicht vorgeführt.

In den vergangenen Wochen führte vor allen Johannes Lichdi parteiintern mehrere Gespräche, wollte alten Einfluss zurückgewinnen oder die Fraktion verlassen.

"Es gab entsprechende Ultimaten, wir haben Vorschläge gemacht. Herr Lichdi hat seine Meinung nicht geändert", sagt Fraktions-Chefin Christiane Filius-Jehne (64).

Konkrete Austrittspläne seien jedoch nicht bekannt.

Grüne würde bei Austritt Führungsrolle im Rat verlieren!

Michael Schmelich (66, Grüne).
Michael Schmelich (66, Grüne).  © Thomas Türpe

Gehen beide dennoch diesen Schritt, wären die Grünen mit einem Schlag nicht mehr die größte Ratsfraktion.

Damit verbunden war bisher de facto die Führungsrolle im Rat. Diese Aufgabe ginge wieder an die CDU. Und: Die beiden Grünen würden kaum als fraktionslose Hinterbänkler Platz nehmen.

Die einzig denkbare Alternative: Zusammen mit PARTEI-Stadtrat Max Aschenbach (35) und Pirat Martin Schulte-Wissermann (50) könnte eine neue Fraktion entstehen, die dann selber aktiv werden würde und das Zünglein an der Waage bei engen Abstimmungen wäre.

Lichdi und Schmelich äußerten sich am Sonntag beide nicht.

Update, 17.39 Uhr: Johannes Lichdi und Michael Schmelich haben die Grünen-Fraktion im Dresdner Stadtrat verlassen

Es hat geknallt! Die Frage, ob es am Montag zum Knall bei den Grünen kommt, wurde am Montagmittag mit einem eindeutigen "Ja" beantwortet. Die beiden Ur-Grünen Johannes Lichdi (57) und Michael Schmelich (66) haben die Fraktion verlassen. Die verliert damit nicht nur zwei Mitglieder, sondern auch ihre Führungsrolle im Stadtrat als (jetzt nicht mehr) stärkste Kraft.

Aus den Statements der beiden Räte geht hervor, dass der Bruch nicht die Folge eines bestimmten Ereignisses ist, sondern der Endpunkt eines Prozesses. Sein Austritt aus der Fraktion sei ein "Gebot politischer Selbstachtung", schreibt Lichdi. Auch Schmelich spricht von vielfältigen Gründen, wegen denen eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht mehr möglich sei. Die Grünen-Fraktion im Stadtrat komme seiner Meinung nach "weder ihrem Wählerauftrag noch ihrer Rolle als stärkste Fraktion nach." Die Grünen selbst bedauern in einer Stellungnahme die Austritte, sprechen von einem "Entfremdungsprozess" und loben die Verdienste Lichdis.

Aus der Partei austreten wollen Lichdi und Schmelich übrigens nicht. Grüne Politik wollen sie nun aber gemeinsam mit den beiden bislang fraktionslosen Stadträten Max Aschenbach (35, PARTEI) und Martin Schulte-Wissermann (50, Piraten) in einer neuen Fraktion machen.

Titelfoto: Bildmontage: imago images/Sven Ellger, Thomas Türpe

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