Steinwürfe, Blockaden, Rangeleien: So lief Björn Höckes Auftritt in Dresden

Dresden - Essen, singen, hetzen und blockieren: Die Straßen der Innenstadt waren am Montag geprägt von der Pegida-Demo am Hauptbahnhof und den entsprechenden Gegenprotesten. Widersprüchlicher hätten die Bilder kaum sein können.

Reichlich Gegendemonstranten (r.) fanden sich am Dresdner Hauptbahnhof ein.
Reichlich Gegendemonstranten (r.) fanden sich am Dresdner Hauptbahnhof ein.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Pünktlich 16 Uhr herrschte entspannte Stimmung in der Neustädter Hauptstraße: "Die Cellex-Stiftung und CSD haben hier zusammen mit über 60 Kulturschaffenden ein faszinierendes Programm aufgestellt“, sagt Mitinitiator des "Gastmahl4all" Gerhard Ehninger (61).

"Eigentlich sind wir zusammen, um für ein weltoffenes Dresden einzustehen. Wir sind froh, dass wir so ein buntes Bild haben."

Neben Bürgern und Touristen lockte die Meile unter anderem auch Sachsens Justizministerin Katja Meier (42, Grüne), den Ausländerbeauftragten Geert Mackenroth (71, CDU) und Oberbürgermeister Dirk Hilbert (49, FDP) an.

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"Schauen Sie welche wunderbare, bunte Tafel wir heute in Dresden auf der Hauptstraße gestalten können", so das Stadtoberhaupt. "Ich hoffe, das ist ein großes Signal für die Toleranz unserer Stadt."

Am Rande des Gastmahls baute sich gegen 18 Uhr "Querdenken-351" aus, zu nennenswerten Störungen kam es jedoch nicht. Zeitgleich begannen jedoch auch die rechtsextremen "Freien Sachsen" ihre Kundgebung mit Martin Kohlmann (44) am Wiener Platz.

Gegenüber hatten schon Gegendemonstranten Stellung bezogen, die nach Ankunft einer Demonstration vom Alaunplatz auf geschätzte 1500 Teilnehmer anwuchs. Zwischen beiden Lagern kam es zu Wortgefechten.

Zwischen beiden Lagern kam es zu heftigen Wortgefechten

Die Teilnehmerin des Protests steht hinter einer Deutschland-Flagge und hält Spruchbänder hoch.
Die Teilnehmerin des Protests steht hinter einer Deutschland-Flagge und hält Spruchbänder hoch.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Nach 19 Uhr wollte Pegida dann sein Regenprogramm abspielen, doch Lutz Bachmann (48) war der Protest zu laut. Erst schlug er den Teilnehmern vor, am Gegenprotest teilzunehmen, dann drohte er mit Auflösung der Versammlung.

Nach längerer Zeit des Schweigens auf der Bühne, entschied sich Pegida schließlich, seinen Demonstrationszug vorzuziehen.

Dabei kam es jedoch zu einer Blockade auf der St. Petersburger Straße sowie dem Dr.-Külz-Ring.

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Die Polizei konnte den Demozug jeweils an den Blockaden vorbeiführen, was die Pegida-Teilnehmer für wüste Beschimpfungen, verbotene Nazi-Parolen und Spuckattacken nutzten.

Auf der St. Petersburger Straße warfen laut Polizei ein Syrer (14) und ein Weißrusse mit Steinen nach der Demo, trafen jedoch niemanden.

In der Prager Straße gerieten Pegida-Teilnehmer mit Flüchtlingen und Gegendemonstranten aneinander.

Dabei kam es zu Handgreiflichkeiten, rassistischen Beleidigungen und ein Demonstrant setze seinen Hund gegen einen jugendlichen Protestierer ein.

Neben Björn Höcke trat auch AfD-Politiker Jens Maier in Dresden auf

Björn Höcke (49, AfD) trat am Montag in Dresden auf.
Björn Höcke (49, AfD) trat am Montag in Dresden auf.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Wieder zurück am Wiener Platz, wurde eine Pegida-Teilnehmerin (71) von einem Ei getroffen, die Polizei konnte allerdings keinen Werfer feststellen.

An der gleichen Stelle zeigte ein Pegida-Demonstrant (30) den Hitlergruß, hat nun ein Verfahren am Hals.

Unter Protest sprachen dann beiden Rechtsextremisten der AfD Jens Maier (59) und Björn Höcke (49).

Letzterer spekulierte unter anderem darüber, ob der Terroranschlag vom 11. September nicht auf den "Deepstate" zurückgehen würde und fabulierte über angeblichen Betrug bei der Briefwahl.

Die Polizei sicherte das Demonstrationsgeschehen 253 Beamten aus Sachsen und Thüringen ab.

Während der Demonstration kam es von Seiten der Pegida-Teilnehmer immer wieder zu Drohungen, Beleidigungen, Schubsereien und Behinderung von Pressevertretern.

Diese konnten zum Teil durch das Medienschutzteam der Polizei unterbunden werden.

Titelfoto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

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