Polizeiskandal: Wöller laviert sich durch den Innenausschuss

Dresden - Chaostage bei Sachsens Ermittlern! Wegen der Korruptionsaffäre rund um geklaute Räder bei der Leipziger Polizei musste Sachsens Innenminister am Mittwoch vor den Innenausschuss. Kam er dort glimpflich davon, bleiben doch einige Fragen offen.

Landepolizeipräsident Horst Kretzschmar (60) soll Inneneminister Roland Wöller (49, CDU) erst nach sechs Monaten über den Skandal unterrichtet haben.
Landepolizeipräsident Horst Kretzschmar (60) soll Inneneminister Roland Wöller (49, CDU) erst nach sechs Monaten über den Skandal unterrichtet haben.  © Eric Münch

Plötzlich war es wohl vorbei mit der Erholung: Generalstaatsanwalt Klaus Strobl (64) las im Urlaub in einen Bericht von TAG24 von dem Skandal in Leipzig: "Ein Bericht im Dezember hatte diese Dimensionen nicht ergeben", sagt er. Dann habe ich die Ermittlungen an mich gezogen." Das war am 17. Juni 2020.

Dabei war es bereits im Juli 2019 zur Razzia in der Leipziger Polizeidirektion gekommen. Erst am 27. Dezember 2019 soll das im Dresdner Innenministerium bekannt geworden sein. 

Und noch später, im Januar 2020, will Minister Roland Wöller (49, CDU) selbst von der Affäre erfahren haben. 

Wöller am Mittwoch rechtfertigend: "Im Lichte des Wissensstands heute ist mir klar, dass die Informationsströme auch im Innenministerium so gelaufen sind, dass ich nicht zufrieden bin." 

Allerdings bleiben er und Strobl dabei, dass eine Information der Öffentlichkeit und des Koalitionspartners die Ermittlungen gefährdet hätten. 

So wollte Strobl auch am gestrigen Mittwoch nicht viel dazu sagen, bestätigte lediglich einen Bericht der "Freien Presse", nachdem ein Beamter der Dresdner Staatsanwaltschaft und rund 50 Beamte der Polizeidirektion Leipzig zu den Verdächtigen gehören.

Ex-Polizeipräsident Fleischmann soll in Leipzig aufräumen

Klaus Fleischmann (68) soll jetzt untersuchen, was das in Leipzig schiefläuft.
Klaus Fleischmann (68) soll jetzt untersuchen, was das in Leipzig schiefläuft.  © Petra Hornig
Über 1000 geklaute Räder sollen aus der Asservatenkammer verkauft wurden sein.
Über 1000 geklaute Räder sollen aus der Asservatenkammer verkauft wurden sein.  © Alexander Bischoff

Nun soll Sachsens ehemaliger Landespolizeipräsident Klaus Fleischmann (68) in Leipzig aufräumen: "Er kennt die Strukturen, er ist Experte, und er ist unabhängig", begründet Wöller. 

Fleischmann soll prüfen, wie so etwas über Jahre hinweg unbemerkt bleiben konnte und welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind. Erste Maßnahme: Ein Antikorruptionstelefon für Leipzig nimmt den Betrieb auf. 

Warum erst am heutigen Donnerstag und warum nur in Leipzig, bleibt vorerst unklar. 

Titelfoto: Eric Münch, Alexander Bischoff

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