Premiere "PAN - Lost in Neverland": Wie fies waren die Lockdowns?

Dresden - Fünf höchst unterschiedliche Schüler geraten in eine schillernde Zwischenwelt. Ein scheinbar heimeliger Ort der Ewigkeit, der aber auch verstörend unheimlich ist. Das Schauspiel "PAN - Lost in Neverland" beschäftigt sich mit dem so oft als nebensächlich ausgeblendeten Eindruck der Lockdowns auf Jugendliche. Die bejubelte Uraufführung war am Freitag im Theater Junge Generation (tjg.) in Dresden.

"Es gibt kein Morgen": Der glitzernde Grusel-Pan (Adrienne Lejko) umgarnt Schulstreberin Lizzie (Marie Thérèse Albrecht).
"Es gibt kein Morgen": Der glitzernde Grusel-Pan (Adrienne Lejko) umgarnt Schulstreberin Lizzie (Marie Thérèse Albrecht).  © Marco Prill

Wenig gekümmert hat man sich in den Corona-Jahren um die bis heute anhaltenden Folgen der Lockdown-Erfahrungen junger Menschen. Das tjg. greift dieses Thema auf, mit einer (sehr freien) Bearbeitung der Peter-Pan-Geschichte von James Matthew Barrie.

Julia Fischer (Buch) und Matthias Köhler (Regie) nutzen die Handlung lose für das treffende Psychogramm einer Generation, der plötzlich ihr sicheres Alltagsgerüst verloren gegangen war.

Pan, von Adrienne Lejko herrlich als diabolischer Verführer in der gruseligen Maske von Batman-Gegner Joker gespielt, vertreibt alle Gedanken an die Zukunft ("Morgen gibt es nur für Erwachsene") und verspricht: "Ich nehme euch alle schlechten Erinnerungen ab."

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Ein Leben nur noch im Hier und Jetzt - das wirkt auf Anhieb verheißungsvoll. Tatsächlich verdrängen die Jugendlichen Sorgen wie Schulhof-Mobbing, Familien-Konflikte, Leistungsdruck und Pubertäts-Verwirrungen, schreien ihren Frust befreit heraus, zum ewig aufrührerischen Riff von "Where ist my Mind" der Pixies.

Und natürlich lernen sie fliegen, hier umgesetzt als wilder Tanz zu einem TikTok-schnellen Musik-Medley: Olivia Newton-Johns "Xanadu", schwere Hip-Hop-Beats, Strauss' Walzer "An der schönen blauen Donau".

Nicht alles wird auserklärt

Dann aber Fragen nach der Zukunft und der Wunsch, dem fies-lähmenden Neverland, diesem zunächst so willkommenen Rückzugsort wieder zu entfliehen. Wie meist beim tjg. wird nicht alles extra auserklärt, sondern - in hier knackigen 70 Minuten - theatral dargestellt. Drei glitzernde Lametta-Vorhänge genügen, um diffuse Gefühle zu verräumlichen, sie zu verbergen oder anzudeuten.

Eine gelungene Inszenierung, die die Gefühle der Zielgruppe ab zwölf Jahren ernst nimmt und jüngstes Erleben spiegeln dürfte.

Titelfoto: Marco Prill

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