Privatkunden blitzen zurzeit bei den Baumärkten ab, doch einer öffnet für alle

Dresden - Die Baumärkte in Sachsen sind dicht. Während Facharbeiter unter Auflagen weiter einkaufen dürfen, verbietet der Freistaat Privatpersonen sogar die Abholung bestellter Ware. 

Sein Carport muss warten. Mathias Nikowski (61) wurde am Drive-in von Bauhaus abgewiesen.
Sein Carport muss warten. Mathias Nikowski (61) wurde am Drive-in von Bauhaus abgewiesen.  © Petra Hornig

Schlechte Zeiten für Heimwerker - wäre da nicht Dresdens ältester Eisenwarenladen ...

"Das ist total überspitzt", ärgert sich Manfred Gottschalk (58). Der Rentner war an der Hornbach-Filiale auf der Washingtonstraße abgeblitzt. 

Einkaufen darf dort nur, wer einen Gewerbeschein vorlegen kann. Am anderen Ende der Stadt trat auch Mathias Nikowski (61) mit leeren Händen den Heimweg an, nachdem Bauhaus-Mitarbeiter ihn abgewiesen hatten. 

"Jetzt habe ich zu Ostern wohl doch Langeweile", bedauert der Betonpumpenfahrer, der seinen Carport über die Feiertage fertigstellen wollte. 

"Aktuell können Privatpersonen keine Bestellungen aufgeben, um diese persönlich abzuholen", so Bauhaus-Sprecher Manuel Löhmann zu TAG24. Damit hält sich der Baumarkt-Anbieter nur an die gegenwärtigen Regeln des Freistaats. Wei bei anderen Anbietern könne man aber per Online-Bestellung und anschließendem Versand alles bekommen. Nur über Ostern klappt das natürlich kaum noch.    

Christoph Braun (41) hatte da mehr Glück - er besitzt einen Gewerbeschein, mit dem er problemlos einkaufen kann. 

Die Auflagen in Sachsen sind streng. "Ich musste auch meinen Personalausweis vorzeigen", so der Orthopädie-Techniker aus der Johannstadt.

Doch ein kleines Fachgeschäft traut sich

Lolita Kliemann (64) öffnet ihren Eisenwarenladen für Kunden in Not. Die Regale, in denen die Inhaberin Kleinteile wie Schrauben, Muttern oder Feingewinde aufbewahrt, wurden einst aus Munitionskisten gefertigt.
Lolita Kliemann (64) öffnet ihren Eisenwarenladen für Kunden in Not. Die Regale, in denen die Inhaberin Kleinteile wie Schrauben, Muttern oder Feingewinde aufbewahrt, wurden einst aus Munitionskisten gefertigt.  © Petra Hornig

Dresdens ältester Eisenwarenladen auf der Oschatzer Straße 1 in Pieschen bietet Kunden in Not seine Hilfe an. Seit der Eröffnung im Jahr 1906 (damals: Falkenstraße 10) finden sich heute mehr als 6 000 Artikel im Lager des Fachhandels, der auch Elektrowerkzeuge und Beschläge führt.

Vom Abfluss-Stopp bis zur Zierkette ist alles dabei. Es gibt einen Reparaturservice für DDR-Maschinen. Sogar seine Kettensäge kann man hier schleifen lassen.

Hier werden die aktuellen Vorschriften nicht so ernst genommen wie bei der größeren Konkurrenz. 

"Ich muss normalerweise auch zu haben", sagt Inhaberin Lolita Kliemann (64), die das Geschäft seit 2007 alleine führt. "Die Ladentür ist verschlossen, ich bin aber die meiste Zeit vor Ort, weil ich Reparaturen tätigen und Bestellungen bearbeiten muss.

Wenn jemand klopft, der dringend ein Ersatzteil braucht, dann schließe ich auf - sowohl für private, als auch für gewerbliche Kunden. Die Ware reiche ich einfach durch die Tür."

Christoph Braun (41) ist versorgt. Der Orthopädie-Techniker besitzt einen Gewerbeschein, mit dem er seine Bestellung abholen kann.
Christoph Braun (41) ist versorgt. Der Orthopädie-Techniker besitzt einen Gewerbeschein, mit dem er seine Bestellung abholen kann.  © Petra Hornig
Kein Gewerbeschein - kein Einkauf! Manfred Gottschalk (58) ärgert sich über das Abholverbot für Privatkunden.
Kein Gewerbeschein - kein Einkauf! Manfred Gottschalk (58) ärgert sich über das Abholverbot für Privatkunden.  © Petra Hornig

Bestellungen nimmt die Eigentümerin gern entgegen: Tel. 0351/848 92 41 oder info@werkzeuge-kliemann.de

Titelfoto: Petra Hornig

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