Proteste gegen Corona-Politik: Wieder Gewalt durch Impfgegner, Polizei unterbesetzt

Dresden - Wieder illegale Aufzüge, wieder Gewalt: In ganz Sachsen sammelten sich am Montagabend Pandemie-Leugner zu Demonstrationen. In Dresden beobachtete Bundesinnenministerin Nancy Faeser (51, SPD) den Einsatz der Polizei. Die gibt mittlerweile zu, mit der Lage überfordert zu sein. Doch es regt sich auch Protest gegen die "Spaziergänger".

Mehr als tausend Demonstranten standen in Radebeul zehn Gegendemonstranten gegenüber.
Mehr als tausend Demonstranten standen in Radebeul zehn Gegendemonstranten gegenüber.  © Finn Becker/xcitePress

"Bei meinem Besuch habe ich erlebt, wie besonnen und professionell die Polizei die Einsatzlage bewältigt hat", sagte die Ministerin am Dienstag.

"Ich habe Hochachtung davor, wie die Polizei Tag für Tag unter schwierigen Bedingungen den Kopf für uns alle und die Politik der Bundesregierung hinhält." Auf Twitter zeigte sie sich besorgt über den Zulauf von Rechtsextremisten bei den Demos.

Diese zeigten sich etwa in Bautzen durch massive Angriffe mit Flaschen und Pflastersteinen. Drei Beamte wurden verletzt, bei weiteren Durchbrüchen setzte die Polizei Pfefferspray ein.

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"Verantwortlich für die eskalierte Gewalt war eine Gruppe von etwa 150 bis 200 Personen, die offenkundig dem gewaltbereiten rechten Spektrum zuzuordnen waren", so ein Polizeisprecher.

Von Dresden aus organisierte "Querdenken-351" einen Korso nach Pirna.
Von Dresden aus organisierte "Querdenken-351" einen Korso nach Pirna.  © Repro: Marko Förster

Wenig Polizei, aggressive Demo-Teilnehmer

In Bautzen randalierten Neonazis mit Pyrotechnik, Flaschen und Steinen.
In Bautzen randalierten Neonazis mit Pyrotechnik, Flaschen und Steinen.  © Bernd März/dpa

Auch in Freiberg durchbrachen Demonstranten Polizeiketten. Hier gibt es seit geraumer Zeit allerdings Gegenproteste.

"Wir haben vor Weihnachten wieder mit den Protesten begonnen", sagt Jenny Fritzsche (33) vom Netzwerk "Freiberg für alle".

"Sechs Kundgebungen mit jeweils zehn Teilnehmern haben wir durchgeführt." Dieses Mal alle auf dem Markt, da es bei den Kundgebungen an der Aufzugstrecke zu gefährlichen Situationen kam.

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"Mir geht es nicht gut nach der gestrigen Demo", sagt sie mit Blick auf die wenigen Polizeikräfte und die Aggressivität der Demonstranten.

Mit Pfefferspray versuchte die Polizei, den Mob in Bautzen zu stoppen.
Mit Pfefferspray versuchte die Polizei, den Mob in Bautzen zu stoppen.  © Bernd März/dpa
In Pieschen trennte die Polizei Protest und Gegenprotest.
In Pieschen trennte die Polizei Protest und Gegenprotest.  © privat
In Freiberg gab es kleine Gegenkundgebungen gegen die aggressive Demo.
In Freiberg gab es kleine Gegenkundgebungen gegen die aggressive Demo.  © Jenny Fritzsche
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (51, SPD) besuchte mit Innenminister Roland Wöller (51,CDU) des Dresdner Lagezentrum.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (51, SPD) besuchte mit Innenminister Roland Wöller (51,CDU) des Dresdner Lagezentrum.  © SMI

"So etwas habe ich noch nicht erlebt." Jenny Fritzsche, die persönlich bedroht wird, will trotzdem weiter protestieren. In welchem Rahmen wird aber im Netzwerk entschieden.

Die Radebeuler Linksjugend stand mit ihrem zweifachen 10-Personen-Protest 1100 Demonstranten gegenüber. Auch in Pieschen trennte die Polizei Demonstranten. Andere illegale Demos liefen, wie in Leubnitz-Neuostra und Striesen, komplett ohne Polizei:

"Aufgrund der personellen Möglichkeiten setzen wir auf Schwerpunkte", erklärt Polizeisprecher Marko Laske (47). "Aber wir bleiben dynamisch der Lage angepasst."

Titelfoto: Montage: Finn Becker/xcitePress, Bernd März/dpa

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