Pünktlich zur Museumsnacht: Schützenschild aus Dresdner Ratsschatz ist zurück

Dresden - Große Freude im Dresdner Stadtmuseum: Nach fast acht Jahrzehnten ist eine weitere Kostbarkeit des seit 1945 als Kriegsverlust verschollenen Ratsschatzes wieder zurück. Das von Sachsens Kurfürst Johann Georg I. (1585-1656) gestiftetes Schützenschild wird am Samstag anlässlich der 22. Dresdner Museumsnacht erstmals wieder gezeigt.

Der Direktor der Dresdner Museen, Gisbert Porstmann (Jahrgang '63, M.), präsentiert das zurückgekehrte Schützenschild. Mit ihm freuen sich Oberbürgermeister Dirk Hilbert (50, FDP, l.) und Thomas Steller, der Interimsleiter des Dresdner Stadtmuseums.
Der Direktor der Dresdner Museen, Gisbert Porstmann (Jahrgang '63, M.), präsentiert das zurückgekehrte Schützenschild. Mit ihm freuen sich Oberbürgermeister Dirk Hilbert (50, FDP, l.) und Thomas Steller, der Interimsleiter des Dresdner Stadtmuseums.  © Thomas Türpe

Die in der LostArt Datenbank des Deutschen Zentrums für Kulturgutverluste verzeichnete "Pretiose" befand sich zuletzt im Philadelphia Museum of Art in den USA. Ein Kurator war 2016 im Zuge der Neukonzeption der dortigen Ausstellung auf die Suchmeldung des Dresdner Stadtmuseums aufmerksam geworden.

Nachdem die rechtmäßige Eigentümerschaft "in kollegialem Austausch" 2020 festgestellt wurde, dauerte es wegen der Corona-Pandemie mit der Rückgabe bis zu diesem Frühjahr. "Dank der großzügigen finanziellen Unterstützung aus Philadelphia kann das Stadtmuseum eine kriegsbedingte Lücke schließen", freut sich Gisbert Porstmann (Jahrgang 1963), der Direktor der Städtischen Museen.

Das wiedergewonnene Schützenschild mit einem Durchmesser von 22 Zentimetern ist graviert und zeugt von der Tradition des Dresdner Vogelschießens. Eine Umschrift kündet vom Abschuss des Pfingstvogels am 27. Mai 1618 durch den Wettiner Kurfürst Johann Georg I.

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Das Kleinod wurde mit dem Großteil des Ratssilbers am Ende des Zweiten Weltkrieges aus dem Rathauskeller gestohlen.

22. Dresdner Museumsnacht steht an

In der Samstagnacht öffnen 43 Dresdner Museen ihre Pforten für nächtliche Besucher.
In der Samstagnacht öffnen 43 Dresdner Museen ihre Pforten für nächtliche Besucher.  © Ove Landgraf

Es tauchte 1956 im Schweizer Kunsthandel auf, wurde ersteigert und von einem unbekannten Besitzer 1977 als Schenkung ans Museum in Philadelphia gegeben. Für dessen emeritierten Direktor Timothy Rub ist es eine große Genugtuung, dass das Schützenschild nun wieder nach Hause zurückkehren konnte.

"Obwohl es in den 50er-Jahren in gutem Glauben erworben und später dem Museum gestiftet wurde, gehört dieses Objekt rechtmäßig nach Dresden", Timothy Rub.

Am Samstag wird es zur 22. Dresdner Museumsnacht erstmals wieder öffentlich gezeigt. "Ein Highlight", schwärmt Museumsdirektor Porstmann.

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Für Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (44, Linke) ist die Museumsnacht ein erster Einstieg in die baldigen Sommerferien. Sie verweist auf die vielfältigen weiteren Angebote, die nach "zwei schwierigen Jahren" endlich wieder stattfinden könnten. Klepsch lädt ein, "schöne Dinge zu sehen, zu flanieren und sich intellektuelle Impulse zu holen."

43 Museen öffnen bis Mitternacht ihre Türen. Gezeigt werden vielerorts Dinge, die im herkömmlichen Betrieb nie zu sehen sind, zu großen Teilen gibt es ein Rahmenprogramm für Familien und Kinder zum Mitmachen.

Tickets (Einzelkarte: 13 Euro, ermäßigt 9 Euro, Familienkarte 28 Euro) sind nicht an den Museumskassen erhältlich, dafür aber online unter museumsnacht.dresden.de, an allen Fahrausweisautomaten der Dresdner Verkehrsbetriebe oder bis 21 Uhr an der Abendkasse von Dresden Information in der QF-Passage.

Der Dresdner Ratsschatz

Auch diese beiden Deckelbecher gehören zum Dresdner Ratsschatz.
Auch diese beiden Deckelbecher gehören zum Dresdner Ratsschatz.  © Eric Münch

Der seit 1600 von Bürgern zusammengetragene Dresdner Ratsschatz umfasste mehr als 60 Teile, darunter Venezianische Gläser, Goldpokale und -büchsen sowie gravierte Becher, mit denen Menschen ausgezeichnet oder als Stifter gewürdigt wurden.

1888 gelangte die Sammlung in die Obhut der städtischen Sammlungen und wurde vom kurz darauf eröffneten Stadtmuseum in einer Dauerausstellung präsentiert, zuletzt im Neuen Rathaus. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Pretiosen im Rathauskeller eingelagert. Seit 1945 sind sie verschollen und gelten als Kriegsverlust.

Bereits zu DDR-Zeiten gelang die Rückführung zweier Goldbecher und eines Abendmahl-Kelchs. 2017 wurde ein Schiffspokal aus dem 17. Jahrhundert - eines der Prunkstücke der Sammlung - zurückerworben, zwei Jahre später ein Silberbecher als ältestes Stück. Alle sind seitdem im Stadtmuseum ausgestellt.

Titelfoto: Thomas Türpe

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