Skurriler Prozess: Juwelier-Räuber schimpft über lahme Polizei

Dresden - Mit dusseligen Überfällen hat das Dresdner Amtsgericht öfter zu tun, doch Jaroslav T. (55) setzte hier noch einen drauf: Nicht nur dass sein Überfall beim Juwelier äußerst dilettantisch vorbereitet war. Er wartete danach auch noch auf die Polizei und beschwerte sich, dass diese so lange brauchte, ihn festzunehmen. Obwohl er es vor Gericht abstreitet, spricht einiges dafür, dass er hinter Gitter wollte.

Jaroslav T. (55) ging seine Verhaftung im September einfach nicht schnell genug.
Jaroslav T. (55) ging seine Verhaftung im September einfach nicht schnell genug.  © Steffen Füssel

Die Idee kam Jaroslav auf der Parkbank: Als vor ihm ein weggeworfenes Online-Ticket für das "Grüne Gewölbe" lag, hob er es auf und kritzelte in gebrochenem Deutsch darauf, dass er eine Granate habe und Geld wolle.

Damit spazierte der Tscheche zum Juwelier auf dem Altmarkt: "Ich habe mir noch Alkohol gekauft, um mich zu stärken und meine Hemmungen abzubauen", sagt er aus.

Einen halben Liter Weinbrand kippte er herunter. "Ich habe eine langjährige Praxis als Koch und Kellner", sagt er. "Das sind Berufe, bei denen in Tschechien viel getrunken wird, ich habe da eine hohe Widerstandsfähigkeit."

Gebracht hat ihm die "Stärkung" wenig: Nachdem er dem Verkäufer seinen Zettel in die Hand gedrückt hatte, drängte dieser ihn einfach aus dem Laden.

Doch dort floh der verhinderte Räuber nicht: "Ich habe gesagt: Rufen Sie die Polizei, ich warte hier", so Jaroslav.

Dieb muss anderthalb Jahre ins Gefängnis

Diesen Juwelier am Altmarkt in Dresden überfiel der Tscheche mit einem Zettel.
Diesen Juwelier am Altmarkt in Dresden überfiel der Tscheche mit einem Zettel.  © Norbert Neumann

Tatsächlich blieb er dort, drehte sich eine Zigarette und beschwerte sich bei der zwischenzeitlich eingetroffenen Juwelier-Geschäftsführerin, dass das so lange dauern würde.

"Hätte ich gewusst, dass die so lange brauchen, wäre ich mit ihr einen Kaffee trinken gegangen", sagt er. "Sie war sehr sympathisch."

Auch im letzten Wort versuchte er noch einmal, seinen Charme spielen zu lassen: "Wenn ich den Laden noch mal betrete, dann mit einer Blume und zwei Karten für das Theater", sagt er und schließt sich nicht dem Plädoyer seines Anwalts, sondern der Staatsanwältin an.

Nun muss er anderthalb Jahre hinter Gitter.

Titelfoto: Norbert Neumann, Steffen Füssel

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