Raser schleudert Ali (†6) in den Tod: Haftbefehl gegen 31-Jährigen erlassen

Dresden - Der Hölle von Aleppo entkommen, in Dresden gestorben. Eine Woche vor seinem ersten Schultag ist ein sechsjähriger Junge bei einem Unfall ums Leben gekommen. Getötet von einem Raser, der sich mutmaßlich ein Rennen mit einem anderen Wagen auf der Budapester Straße (50 km/h vorgeschrieben) lieferte.

Augenzeuge Walid Bousalem (17) legte am Sonntag mit seiner Mutter Blumen am Unfallort ab.
Augenzeuge Walid Bousalem (17) legte am Sonntag mit seiner Mutter Blumen am Unfallort ab.  © Christian Juppe

Walid Bousalem (17) hat das Geräusch noch immer im Kopf. "Ich bin aus dem Lidl gekommen. Da hörte ich plötzlich einen Motor aufheulen, dann krachte und splitterte es." 

Es waren die letzten Momente im Leben von Ali (†6). Auch er war mit zwei anderen Freunden noch in dem Supermarkt einkaufen und gerade auf dem Heimweg.

Kurz bevor er die beiden Fahrspuren verlassen und den Gehweg erreicht hatte, wurde er von einem Mercedes erfasst, so heftig, dass der kleine Körper wie ein Geschoss durch die Scheibe des Haltestellenhäuschens ("Schweizer Straße") geschleudert wurde. 

Eine Anwohnerin leistete Erste Hilfe, soll dabei vom Unfallfahrer bedrängt worden sein. Später brachte der Rettungsdienst den Jungen ins Krankenhaus, dort verstarb er wenig später (TAG24 berichtete). 

Zeugenhinweise deuten auf illegales Autorennen hin

Dieser BMW soll sich ein Rennen mit dem Mercedes geliefert haben.
Dieser BMW soll sich ein Rennen mit dem Mercedes geliefert haben.  © Roland Halkasch
Blut, Scherben und Kleidungstücke zeugten von dem Unglück.
Blut, Scherben und Kleidungstücke zeugten von dem Unglück.  © Roland Halkasch

Warum musste es so weit kommen? Neben der wuchtigen C-Klasse war auch ein aufgemotzter BMW Richtung Innenstadt unterwegs. "Es liegen Zeugenhinweise vor, die auf ein illegales Autorennen hindeuten", bestätigt Polizeisprecher Lutz Milker (58). 

"Vor diesem Hintergrund ist gegen die beiden Fahrer ein Ermittlungsverfahren wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens eingeleitet worden. Die Führerscheine der beiden Männer wurden sichergestellt."

Nach TAG24-Informationen gehen erste Grobschätzungen von einer Aufprallgeschwindigkeit von bis zu 90 Stundenkilometern aus. 

Der Mercedes-Fahrer (31), wie auch der BMW-Fahrer (23) syrischer Herkunft, wurde erst auf freien Fuß gesetzt, Sonntagabend aber dennoch festgenommen. 

Offenbar vermuten die Ermittler Fluchtgefahr, er soll am Montag dem Haftrichter vorgeführt werden. Gegen ihn wird zudem wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

Beim mutmaßlichen Täter vermuten die Ermittler Fluchtgefahr

Die Polizei begann sofort mit der Untersuchung des Todes-Mercedes.
Die Polizei begann sofort mit der Untersuchung des Todes-Mercedes.  © Roland Halkasch
Bei der Haltestelle "Schweizer Straße" fuhr ein Syrer den kleinen Jungen tot.
Bei der Haltestelle "Schweizer Straße" fuhr ein Syrer den kleinen Jungen tot.  © Roland Halkasch
Der Mercedes-Fahrer (31) soll am Montag vor den Haftrichter kommen.
Der Mercedes-Fahrer (31) soll am Montag vor den Haftrichter kommen.  © Roland Halkasch
Ali (†6) wäre bald in die Schule gekommen.
Ali (†6) wäre bald in die Schule gekommen.  © Christian Juppe

Kurz nach dem Todescrash eilten Mutter und Schwester zu der Unfallstelle. "Es macht mich sehr traurig", sagt das weinende Mädchen. 

Ali kam ursprünglich aus Aleppo, schaffte es mit seiner Familie über die Türkei und das Mittelmeer über Griechenland nach Deutschland. "Er wäre nächste Woche in Dresden eingeschult worden, freute sich so sehr", sagt ein Freund der Familie betroffen.

In der Nachbarschaft herrscht einfach nur Wut: "Die beiden Autos sind in der Gegend bekannt", sagt ein Anwohner. "Die rasen hier ständig lang." 

Eine weitere Nachbarin der Familie: "Auf der Budapester, aber auch der Nürnberger gibt es ständig solche Rennen. Ich wollte das schon heimlich filmen, aber vor meinem Balkon stört ein Baum."

Update, 24. August, 17.30 Uhr: Haftbefehl gegen 31-Jährigen erlassen

Der Ermittlungsrichter habe Haftbefehl wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens sowie fahrlässiger Tötung‎ erlassen, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag mit. 

Zudem wird in diesem Zusammenhang gegen den 23-Jährigen ermittelt. 

Titelfoto: Bildmontage: Roland Halkasch, Christian Juppe

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