Sex-Verbot für schwule Blutspender: Sächsische Abgeordnete kämpfen gegen Diskriminierung

Dresden - "Spendet Blut!" Vor allem im Sommer und gerade jetzt in der Corona-Krise geht regelmäßig der Ruf nach dem Lebenssaft an die Öffentlichkeit. Doch einige Bürger dürfen gar nicht spenden, selbst wenn sie wollten.

Spende gern - aber bitte nicht von Homosexuellen ...
Spende gern - aber bitte nicht von Homosexuellen ...  © 123rf.com/belyjmishka

Es muss nur amtlich klingen: Eine Richtlinie der Bundesärztekammer verfügt, dass Personen "zeitlich begrenzt von der Spende zurückzustellen sind ..., deren Sexualverhalten ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko für ... schwere Infektionskrankheiten wie HBV, HCV oder HIV birgt".

Darunter "Männer, die Sexualverkehr mit Männern haben (MSM), transsexuelle Personen mit sexuellem Risikoverhalten".

Die Sächsische Landesärztekammer und der DRK-Blutspendedienst Nord-Ost bestätigen das, zucken aber mit den Schultern und verweisen darauf, dass es eine bundeseinheitliche Regelung ist.

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Ein Unding, finden die beiden sächsischen Landtagsabgeordneten Sarah Buddeberg (38) und Susanne Schaper (43).

"Jede Blutspende rettet Leben - trans* und homosexuelle Menschen nicht länger ausschließen!", fordern sie.

Susanne Schaper (43, Linke).
Susanne Schaper (43, Linke).  © Maik Börner
Sarah Buddeberg (38, Linke).
Sarah Buddeberg (38, Linke).  © Eric Münch

Landesregierung wird aufgefordert, sich auf Bundesebene einzusetzen

Zwar erklärte der Europäische Gerichtshof 2015 das pauschale Blutspende-Verbot in Deutschland für unzulässig. Geändert hat sich das erst 2017.

Nun aber gibt es eine Befristung: Schwule und Bisexuelle dürfen nur dann spenden, wenn sie in Sachen Mann ein Jahr enthaltsam waren ... Homosexuelle Männer werden also nicht mehr ein Leben lang vom Blutspenden ausgeschlossen. Doch was zunächst wie ein Fortschritt klingt, sorgt im Kleingedruckten für Empörung. Zudem reicht in puncto Enthaltsamkeit die Selbstauskunft des potenziellen Spenders.

In einem Antrag der beiden Politikerinnen wird die Landesregierung aufgefordert, sich auf Bundesebene für eine Änderung des Transfusionsgesetzes starkzumachen.

Gibt es doch bereits einen Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz von Juli 2020, der den Abbau der Diskriminierung beim Blutspenden vorsieht.

Titelfoto: Montage: 123rf.com/belyjmishka, Maik Börner, Eric Münch

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