Sorben-Aufstand gegen Bismarck-Denkmal

Bautzen - Der 556,8 Meter hohe Czerneboh bei Bautzen soll sein altes Bismarck-Denkmal wiederbekommen. Finanziert wird die Aktion von der AfD-nahen Bautzener Liedertafel. Der Sorbenverband Domowina zeigt sich wenig begeistert. Jedoch aus einem anderen Grund.

Das Bismarck-Denkmal in Lübeck - so oder so ähnlich darf man sich die "neue" Bismarck-Figur auf dem Czerneboh vorstellen.
Das Bismarck-Denkmal in Lübeck - so oder so ähnlich darf man sich die "neue" Bismarck-Figur auf dem Czerneboh vorstellen.  © Winfried Rothermel

"Was ist das für ein Signal in der Epoche des vereinigten Europas?", fragt der Domowina-Vorsitzende Dawid Statnik (38). Trotz aller Spannungen seien die europäischen Völker Gott sei Dank weit weg vom Denken Bismarcks, wonach Krieg Teil der Politik sei, so Statnik. "Deshalb wollen wir Bismarck nicht einmal geschenkt."

Die milde Gabe kommt von der Bautzener Liedertafel. Der Verein, dessen Mitglieder unter anderem beim Volksliederabend des AfD-Stadtverbands am 1. Oktober sangen, will nicht nur eine Kopie des Originals aus der Zeit der Jahrhundertwende aus eigener Tasche bezahlen.

Das Ganze soll auch als Geschenk an die Stadt Bautzen gehen. Der Hauptausschuss hat bereits zugestimmt. Statnik plädiert stattdessen dafür, Persönlichkeiten zu ehren, "die sich für gleichwertigen Umgang mit Menschen unterschiedlicher Herkunft einsetzen".

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Bismarck-Denkmale stehen allenthalben.

Der Sockel des alten Bismarck-Denkmals neben den Turm auf dem Czerneboh ist noch erhalten.
Der Sockel des alten Bismarck-Denkmals neben den Turm auf dem Czerneboh ist noch erhalten.  © Lausitznews.de/Toni Lehder
Domowina-Vorsitzender Dawid Statnik (38).
Domowina-Vorsitzender Dawid Statnik (38).  © dpa/Patrick Pleul

Nicht immer wird darum gestritten. Erst im September hatte Staatsminister Thomas Schmidt (60, CDU) zwei Fördermittelbescheide an die Stadt Glauchau zur weiteren Sanierung des dortigen Bismarckturms übergeben.

Otto von Bismarck (1815-1898) galt lange als nationale Kultfigur.
Otto von Bismarck (1815-1898) galt lange als nationale Kultfigur.  © imago images/Classic Vision

Das war Otto von Bismarck

Otto von Bismarck (1815-1898) galt lange als nationale Kultfigur. Ihm wird eine Schlüsselrolle bei der Einigung des deutschen Reiches zugeschrieben, wurde nach dem gewonnenen Krieg gegen Frankreich (1870/71) erster Reichskanzler.

Zu seinen Verdiensten zählt die Einführung der Sozialversicherung. Er bekämpfte aber auch die aufkommende Arbeiterbewegung und sozialdemokratische Bestrebungen vehement.

Schon früh setzte eine enorme Bismarck-Verehrung ein. Unzählige Straßen, Plätze, sogar ganze Stadtteile wurden nach ihm benannt. Herausragend war die Bismarckturm-Bewegung. Von Bismarcks Tod 1898 bis zu seinem 100. Geburtstag 1915 wurden im gesamten Reichsgebiet rund 240 Bismarcktürme errichtet, meist von Spenden finanziert.

In der Weimarer Republik wurde der Bismarck-Kult vor allem von der antirepublikanischen Rechten zelebriert, Nazis nutzten vereinzelt Bismarck-Stätten als Ort für Bücherverbrennungen. Auf bundesdeutschem Gebiet sind von ehemals 184 Türmen noch 146 erhalten.

Titelfoto: Montage: Winfried Rothermel, LausitzNews.de/Toni Lehder

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