Dynamo-Kapitän Wolfgang Oeser und das Geheimnis seines ersten Trikots

Dresden - Keine Frage, die Zeiten waren hart, sehr hart. Dresden lag in Trümmern, nahezu alle Familien hatten Verluste zu beklagen, menschliche wie materielle. Nahrung war schwer zu bekommen, Tauschgeschäfte blühten.

Wolfgang Oeser (1931-2013) stieg mit Dynamo von der vierten bis in die erste Liga auf. Im Testspiel-Kracher gegen Leicester City (2:2) führte er (rechts im Bild) 1965 seine Farben als Kapitän aufs Feld.
Wolfgang Oeser (1931-2013) stieg mit Dynamo von der vierten bis in die erste Liga auf. Im Testspiel-Kracher gegen Leicester City (2:2) führte er (rechts im Bild) 1965 seine Farben als Kapitän aufs Feld.  © Ove Landgraf, Dresdner Fußballmuseum

Genau in diese schwere Nachkriegszeit hinein erlebte Wolfgang Oeser seine Pubertät - und ging vor allem seinem liebsten Hobby nach, dem Fußball.

Lange bevor er zum Urgestein der SG Dynamo werden sollte, begann er bei der SG Cotta zu spielen.

So hieß die erste Truppe im Dresdner Westen, die bereits 1946 den regulären Spielbetrieb im Stadtmaßstab wieder aufnahm.

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Doch knapp waren nicht nur Bälle und Sportschuhe, auch Kleidung. Gut, dass der fußballverrückte Wolfgang eine ziemlich taffe Mutter hatte.

Zu gute kam ihm dabei, dass mehrere Meter gute britische Fallschirmseide im Haushalt der Oesers verarbeitet werden konnten.

Trikot aus Fallschirmstoff

Aus britischer Fallschirmseide gestaltete Oesers Mutti in der Nachkriegszeit dieses Trikot. Es ist vermutlich das einzige der Mannschaft, das bis heute erhalten geblieben ist. Markant das Emblem auf der Brust, ein Frosch auf einem Fußball.
Aus britischer Fallschirmseide gestaltete Oesers Mutti in der Nachkriegszeit dieses Trikot. Es ist vermutlich das einzige der Mannschaft, das bis heute erhalten geblieben ist. Markant das Emblem auf der Brust, ein Frosch auf einem Fußball.  © Ove Landgraf, Dresdner Fußballmuseum

"Der Stoff stammte mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Fallschirm eines abgeschossenen britischen oder amerikanischen Piloten", berichtet Jens Genschmar (52) vom Dresdner Fußballmuseum.

"Niemand weiß mehr, woher seine Mutter den Stoff bekam. Aber Wolfgangs Augen glänzten, als er mir davon erzählte."

Oesers Mutti war in der Tat an der Nähmaschine begabt, konnte so mit dem Fallschirmstoff die ganze Nachwuchsmannschaft mit roten Leibchen ausstatten.

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Die bekamen nicht nur eine Knopfleiste, sondern auch ein Emblem auf die Brust. Ein Fußball, auf dem ein Frosch mit Krone thront.

Dies wiederum ist angelehnt an die Geschichte des alten Gassendorfs Cotta, das durch die sumpfige und feuchte Lage "Frosch-Cotte" gerufen wurde.

Wolfgang Oeser galt als sicherster Elfmeterschütze von Dynamo

Die Jugendmannschaft um Wolfgang Oeser (6.v.r.) in den "Fallschirm"-Trikots. Heimspiele bestritt die Truppe an der Hebbelstraße, heute Platz des SV Post.
Die Jugendmannschaft um Wolfgang Oeser (6.v.r.) in den "Fallschirm"-Trikots. Heimspiele bestritt die Truppe an der Hebbelstraße, heute Platz des SV Post.  © Ove Landgraf, Dresdner Fußballmuseum

Im Ortskern entstand im 19. Jahrhundert sogar die Gastwirtschaft "Zum Frosch". Welche Bedeutung das rote Seidentrikot für Oeser hatte, zeigt, dass er es zeitlebens aufbewahrte. "Wohl auch im Andenken an seine umtriebige Mutter", sagt Genschmar.

Oesers weitere Karriere ist weitgehend bekannt. Über Aufbau Mitte und Stahl Freital landete er bei Dynamo, mit denen er von der vierten bis in die erste Liga marschierte.

Experte Genschmar: "Wolfgang Oeser galt als der sicherste Elfmeterschütze von Dynamo. Bis ins hohe Alter hinein war er für den Verein tätig, zuletzt als Mannschaftsleiter der Reserve. Sein Andenken bleibt als Ehrenspielführer bewahrt."

Wer hat noch Schätze aus längst vergangenen Tagen?

Noch in den 40er Jahren nahmen viele Mannschaften den Spielbetrieb wieder auf, der spätere Dynamo-Held kickte bei der SG Cotta im Nachwuchs.
Noch in den 40er Jahren nahmen viele Mannschaften den Spielbetrieb wieder auf, der spätere Dynamo-Held kickte bei der SG Cotta im Nachwuchs.  © Ove Landgraf, Dresdner Fußballmuseum

Haben auch Ihr Schätze?

Das Dresdner Fußballmuseum ist ständig auf der Suche nach Trikots, Wimpeln, Broschüren, Nadeln, Karten, Fotos, aber natürlich auch nach spannenden Anekdoten rund um den Fußball in und um Dresden: info@dresdner-fussball-museum.de oder 0174/6716336.

Titelfoto: Ove Landgraf, Dresdner Fußballmuseum

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