Fahnen, Farben, Wappen: Wie sich die Dresdner Vereine eine Identität schufen

Dresden - Habt Ihr Euch auch schonmal gefragt, wie Vereine zu ihren Namen, Farben und Emblemen gekommen sind? Dann taucht mit Teil 5 unserer Sommerserie ein ins Dresden vor hundert Jahren. Geht mit uns auf fußballerische Zeitreise.

Im Mai 1923 eröffneten Dresdner Vereine die neue Ilgen-Kampfbahn, das heutige Rudolf-Harbig-Stadion. Darunter auch zahlreiche Fußballer zogen in einer Art Sternmarsch zur neuen Arena.
Im Mai 1923 eröffneten Dresdner Vereine die neue Ilgen-Kampfbahn, das heutige Rudolf-Harbig-Stadion. Darunter auch zahlreiche Fußballer zogen in einer Art Sternmarsch zur neuen Arena.  © Dresdner Fußballmuseum / Repro Ove Landgraf

Im britischen Viertel zwischen Hauptbahnhof und Großem Garten liegt Dresdens Fußball-Wiege.

Die dort lebenden Engländer waren wohl die ersten, die ihren Lieblingssport auch in der Fremde organisiert ausübten. Oft waren es dann Schulmannschaften aus Gymnasien, die ihrem Vorbild folgten und Ende des 19. Jahrhunderts vielerorts Fußballvereine entstehen ließen.

Für manche war das eigene Image nebensächlich, für die meisten jedoch ein wichtiger Ankerpunkt. Und so verwundert es wenig, dass die Mannschaften sich schon bald zu einem neuen Lebensgefühl verhalfen.

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Heute würde man es wohl "Corporate Identy" nennen, eine eigene Identität für den Verein, seine Spieler, Helfer und Anhänger.

Dies geschah natürlich in erster Linie über den Namen, anfangs oft geprägt durch die Herkunft der Akteure.

"Bis zum Ersten Weltkrieg gab es somit auch mehrere englische Vereinsnamen in der Stadt", weiß Jens Genschmar (52) vom Dresdner Fußballmuseum. "Aber eben auch einen FC Brandenburg oder einen FC Sachsen."

Über Wappen und Farben verschafften sich die Vereine eine eigene Identität, so wie hier Fortuna, Hertha und Wacker. Namen, die man heute eigentlich nicht mehr mit Dresdner Clubs verbindet.
Über Wappen und Farben verschafften sich die Vereine eine eigene Identität, so wie hier Fortuna, Hertha und Wacker. Namen, die man heute eigentlich nicht mehr mit Dresdner Clubs verbindet.  © Dresdner Fußballmuseum / Repro Ove Landgraf

Wappen waren unverkennbar aber oft einzigartig für die Vereine

Diese elf Herren benannten ihren Club nach ihrer Herkunft, trugen stolz das "B" als Wappen auf der Brust.
Diese elf Herren benannten ihren Club nach ihrer Herkunft, trugen stolz das "B" als Wappen auf der Brust.  © Dresdner Fußballmuseum / Repro Ove Landgraf

Die Kicker vom Turnverein Guts Muths etwa gründeten 1902 einen fast gleichnamigen Fußballclub (Guts Muts), aus Verbundenheit zum Sportverein, der dem Kreuzgymnasium entstammte.

Die Vereinsfarben (blau-weiß) wählte man, da die meisten der Schüler ein blau-weißes Mützenband trugen. "In den Anfangsjahren war die Ausstattung einer Mannschaft nicht nur teuer, sondern auch schwer zu beschaffen", erklärt Genschmar. "Viele beholfen sich zunächst mit weißen Leibchen, über die einfach eine farbige Schärpe gehangen wurde."

Interessant: Schon 1897 trat der damalige Dresdner English Football Club im schwarz-gelben Dress gegen die Gegnerschaft aus Berlin an. Manche Traditionen bleiben eben erhalten ...

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Unverkennbar für viele Vereine, oft aber auch einzigartig, war das Wappen.

Wofür heute professionelle Werbeagenturen engagiert würden, löste damals vielleicht ein künstlerisch talentierter Sportler. Zumeist waren die Initialen und die Farben im Emblem integriert. "Sicher auch ein Trend, der vom Militär und den schon Jahrzehnte bestehenden Turnvereinen übernommen wurde. Fahnen, Standarten und Wappen waren quasi das Aushängeschild eines Vereins."

So wie bei Guts Muts, der heute als SSV Turbine in der Johannstadt spielt, basieren viele heutige Vereine auf der Vorkriegshistorie. Genschmar: "Sehr oft wurden dabei nicht nur Sportplatz, sondern auch die Vereinsfarben bis in die Gegenwart übernommen."

Titelfoto: Dresdner Fußballmuseum / Repro Ove Landgraf

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