Stadtführer für Einheimische? So hast Du Dresden noch nie gesehen!

Dresden - Corona hat ihnen die Kundschaft vergrault: Dresdens über 300 selbstständige Stadtführer leiden seit März massiv unter der Touristen-Flaute. Wer von ihnen überhaupt Coronahilfe bekommt, darf damit nur Betriebsausgaben bestreiten. Doch warum, liebe Dresdner, sich nicht mal die eigene Stadt erklären lassen? Eine tolle Idee für Familien, Freunde oder als Geschenk. Denn man glaubt kaum, was es selbst für echte Dresden-Fans noch zu entdecken gibt. Stellvertretend für viele Gästeführungen hier mal drei Ideen für jeden Geschmack.

Wird beim Einkaufsbummel meist achtlos mit Füßen getreten: Christoph Pötzsch (64) zeigt auf den Gedenkstein mit dem nur 15 Zentimeter kleinen "F.".
Wird beim Einkaufsbummel meist achtlos mit Füßen getreten: Christoph Pötzsch (64) zeigt auf den Gedenkstein mit dem nur 15 Zentimeter kleinen "F.".  © Steffen Füssel
  • Sie kennen den Fetscher-Gedenkstein und den "Picasso" nicht? Dann gehen Sie mal mit Christoph Pötzsch (64) auf Pirsch: "Jeder Dresdner kennt Fetscherplatz und Fetscherstraße, doch keiner die Stelle, wo der Arzt und Antifaschist Rainer Fetscher am 8. Mai 1945 erschossen wurde." Ein kleiner Gedenkstein mit einem "F." auf der Prager Straße kennzeichnet diese Stelle.
  • Wenige Schritte weiter hängt im Café Prag ein kleiner "Picasso". "Das Wandbild des Dresdner Malers Hans Kinder aus den 1950er-Jahren entspricht nicht dem damals typischen sozialistischen Realismus, sondern ist Kubismus im Stil von Picasso", sagt Pötzsch. Alle seine Führungen (2 Stunden, 5 Euro) unter: 
  • www.historisches-dresden.de
Der Gedenkstein befindet sich auf der Prager Straße, wo Rainer Fetscher (1895-1945) erschossen wurde.
Der Gedenkstein befindet sich auf der Prager Straße, wo Rainer Fetscher (1895-1945) erschossen wurde.  © Steffen Füssel
Genau hier stand das Theater der 'Zanetta': Kerstin Klauer (50) vor dem König-Johann-Denkmal auf dem Theaterplatz. Auf ihrer Damentour sind auch charmante Kavaliere willkommen.
Genau hier stand das Theater der 'Zanetta': Kerstin Klauer (50) vor dem König-Johann-Denkmal auf dem Theaterplatz. Auf ihrer Damentour sind auch charmante Kavaliere willkommen.  © Petra Hornig
  • Das Runterrattern staubtrockener Jahreszahlen ist nicht ihr Ding. Kerstin Klauer (50) folgt in einer ihrer Führungen seit über 20 Jahren den Spuren der Frauen. "Eine wurde in Dresden sogar vom Liebeshelden Casanova besucht", weiß sie. Was, der venezianische Schwerenöter hatte auch eine sächsische Liebschaft? "Ja, seine Mutter Giovanna Maria Farussi. Bekannt als 'Zanetta' war die Schauspielerin Shooting Star im Theater im Italienischen Dörfchen." Das stand ziemlich genau da, wo heute das Reiterstandbild von König Johann auf dem Theaterplatz steht. Hier heizte Zanetta den italienischen Gastarbeitern ein, die an der Kathedrale bauten. Führungen (90 Euro, zwei Stunden, min. 9 Teilnehmer) unter:
  • www.stadtentfuehrung-dresden.de
In Corona-Zeiten wird draußen gekostet: Leni Diener (43) lässt sich mit Töchterchen Guilia (10) die Köstlichkeiten der Fromagerie schmecken.
In Corona-Zeiten wird draußen gekostet: Leni Diener (43) lässt sich mit Töchterchen Guilia (10) die Köstlichkeiten der Fromagerie schmecken.  © Eric Münch
  • Jetzt wird's lecker. Mit Leni Diener (43) geht's auf kulinarische Touren wahlweise durch die Neustadt, Altstadt, Pieschen oder Blasewitz. Motto: nicht nur gucken, kosten! Im Café Gemüsetorte in Pieschen gibt's zum Beispiel Häppchen vom Gemüsequiche mit Spinat und einen Schluck der hausgemachten Gurkenlimo. Im MercaSito auf der Oschatzer Straße werden die Teilnehmer mit spanischen Spezialitäten empfangen. Wer alle Touren kombiniert, kann insgesamt 30 Restaurants, Bars und pfiffige Lädchen kennenlernen. "Von vielen wissen manche nichts, obwohl sie gleich um die Ecke wohnen." Bei jeder 2,5 Stunden langen Tour (29 Euro) werden vier Gaststätten besucht. Alle Termine unter:
  • www.tasty-dresden.de

Titelfoto: Steffen Füssel

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