Stromausfall in Dresden: Blackout war offenbar ein Unfall

Dresden - Ein Staatsschutzprozess am Oberlandesgericht, anstehende Bundestagswahlen und eine rechtsextremistische Demo in der Stadt, plötzlich fällt der Strom in der gesamten Region rund um Dresden aus. Bei der Polizei schrillten die Alarmglocken, doch Hinweise auf einen Anschlag gibt es bislang keine.

Am Dienstag gab es eine Pressekonferenz von SachsenEnergie gemeinsam mit Polizei und Feuerwehr.
Am Dienstag gab es eine Pressekonferenz von SachsenEnergie gemeinsam mit Polizei und Feuerwehr.  © Eric Münch

"Kurz nach 14 Uhr wurden wir alarmiert", so Polizeisprecher Thomas Geithner (47).

"Durch Notrufe, aber auch weil eigene Reviere betroffen waren. Uns war schnell klar, dass es etwas ungewöhnliches ist."

Wegen des Lina E.-Prozesses, der Pegida-Demo und der nahenden Bundestagswahl bildete die Polizei einen Führungsstab, an dem sich auch der Staatsschutz beteiligte.

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Vor Ort fand sich ein Folienballon, der nun von der Kriminaltechnik auf Fingerabdrücke und DNA untersucht wird. Er war in drei Meter Höhe, Rückschlüsse auf die Flugbahn und die frühere Gestalt ließen sich aus den zusammengeschmolzenen Resten nicht mehr ziehen.

Doch bislang gibt es keine Hinweise auf einen mutwilligen Anschlag: "Es handelt sich um einen handelsüblichen Ballon", so Geithner. "Er wurde nicht extra präpariert, wir haben auch keine Technik zur Steuerung gefunden. Wir gehen davon aus, dass es sich bestenfalls um Fahrlässigkeit handelt."

Für eine politische Aktion fehlte der Polizei das Bekennerschreiben und eine Manipulation am Ballon. "Uns fehlt auch die Fantasie, wie man ihn dort zielgerichtet hätte platzieren können", so der Polizeisprecher.

Aber auch ganz ohne Vorsatz brachte der Mega-Blackout die Rettungskräfte zum Schwitzen: "Die Leitstelle haben wir sofort auf 19 Mitarbeiter aufgestockt", sagt Katastrophenschutz-Chef Andreas Rümpel (62). "Wir nahmen zwischen 14 und 16 Uhr 270 Notrufe entgegen, davon 214 in der ersten Stunde."

Thomas Geithner zeigt Reste des Ballons.
Thomas Geithner zeigt Reste des Ballons.  © Eric Münch
Bei der Untersuchung wurden verschmorte Reste eines metallbeschichteten Ballons gefunden.
Bei der Untersuchung wurden verschmorte Reste eines metallbeschichteten Ballons gefunden.  © SachsenNetze

300.000 Haushalte waren ohne Strom

Grund für den Stromausfall war eine Störung im Umspannwerk Dresden Süd.
Grund für den Stromausfall war eine Störung im Umspannwerk Dresden Süd.  © Roland Halkasch

In der Landeshauptstadt gab es allein 24 mal Alarm wegen Personen im Aufzug. "Wir bekamen aber auch Anrufen für Personen, die zuhause beatmet werden und der Akku nur eine kurze Laufzeit hat", so Rümpel. "Wir hatten Glück, dass der Strom so schnell wieder da war. Ich hoffe, das ist ein Warnruf an alle: Auf einen Stromausfall muss man vorbereitet sein!"

Doch wie kann ein einzelner Ballon eine ganze Region lahmlegen? "Es ist ein riesiges Areal mit nur einigen wenigen neuralgischen Stellen", sagt SachsenEnergie-Geschäftsführer Steffen Heine. "Die Technik wurde erst im Jahr 2010 erneuert und ist weltweit so im Einsatz."

Für den Kurzschluss musste da schon ein größerer Ballon herhalten, da die Sammelschienen einen Abstand von 2,50 Meter haben. "Wir werden das jetzt genau auswerten und Gedanken machen", so Heine. "Als erstes werden wir konkret unsere Videoüberwachung aufstocken."

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Zwar wird die betroffene Anlage bereits überwacht, aber gerade an der betroffenen Stelle noch nicht.

Pech hat, wer durch den Blackout Schäden erlitten hat: "Wir würden haften, wenn eine Pflichtverletzung bei uns läge", so der Geschäftsführer. "Das sehen wir nicht. Den Schaden wird der Kunde beheben und zahlen müssen." Die Polizei sucht jetzt Zeugen, die vielleicht wissen könnten, woher der Ballon geflogen kam: 0351 483 22 33.

Titelfoto: Montage: Roland Halkasch, Eric Münch

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